Dialog 324

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Handelt und lasst nicht zu, dass andere über euch verfügen. Wartet nicht länger ab, sondern packt die Sache mutig an. Überrascht die bürgerliche Welt durch unerwartete Schritte, dann seid ihr immer da, wo sie euch nicht vermutet und folglich auch nicht erreichen (und bedrohen) kann. Das ist allemal besser als passiv in ihre Mühlen zu geraten, auch wenn die eigenen Schritte hart sind.

Dialog 324 – 07.01.1988

Monika:
Danke für deine ausführlichen Erklärungen gestern. Wir bitten dich noch um Rat für unsere unmittelbare Situation.

Unsere Lage ist mit bürgerlichen Mitteln nicht zu klären. Es sei denn, wir ließen weiterhin die Dinge auf uns zukommen. Das aber wollen wir nicht. Wir wollen nicht völlig bewegungsunfähig werden.

Wir brauchen also Geld, sofort. Wir wollen unsere Sache packen und in den Süden fahren sobald wir können. Um das möglich zu machen, müssen wir unser Konto ausgleichen (sonst wird evtl. unser Auto gepfändet), die ausstehenden Rechnungen bezahlen und Mittel für die Fahrt in den Süden und den Beginn dort haben.

Nichts würde bessern oder lösen, wenn Jörg einen Job oder eine Arbeit fände. Wir würden nur weiterhin von der Bürgerlichkeit festgehalten werden.

Uns fällt keine Lösung ein, außer ein Wunder, eine Manifestation, um eine große Summe Geld aufzubringen. Aber wir sind auch reichlich verunsichert, ob wir nicht in Wirklichkeit wieder etwas wollen, das außerhalb unserer gegenwärtigen Möglichkeiten liegt. Natürlich ist mir bewusst, dass wir unsere Situation aus einer inneren Kraft heraus lösen könnten. Doch wir bewegen uns da auf total fremden Boden und sind unsicher. Agieren bzw. reagieren müssen wir jetzt aber auf der äußeren Ebene, wenn wir nicht wollen, dass man uns pfändet. Und ich kann einfach nicht glauben, dass das die einzige Möglichkeit ist.

Am liebsten würde ich anfangen zu packen, die Sachen unterstellen und losfahren. Auch Jörg geht es so. Aber ohne Geld kommen wir ja nicht mal ans Ziel. Und im Winter zu dritt in dem Mini-Wohnwagen – das geht auch nicht.

Ich bitte dich deshalb uns zu raten, was wir auf der äußeren Ebene tun können und war wir innerlich zu tun haben.

Die Bank und die Telefongesellschaft wollen sofort Geld sehen, Florians Kita-Essen muss bezahlt werden. Dem können wir uns doch nicht einfach entziehen. Bürgerlichkeit hin oder her. Es stimmt, wir wollen kein bürgerliches Leben führen. Aber dennoch sind Bank, Telefon und Strom etc. Dinge, die auch in einem nicht-bürgerlichen Leben vorhanden sind. Du siehst wir sind sehr verunsichert. Bitte hilf uns in diesen weltlichen Dingen und hilf uns, den Schritt in den Süden tun zu können.

Ich stoße immer wieder auf die Schwierigkeit diese beiden Ebenen – innen und außen – in Einklang zu bringen. Die Welt der Erscheinungsformen ist ja da, ich kann sie nicht ignorieren, ich muss also auch auf der Erscheinungsebene Lösungen finden, selbst wenn eine innere Lösung vorangehen muss. Was ich nicht verstehe ist, dass wir ja alles tun wollen und unser Möglichstes versuchen auf allen beiden Ebenen, aber auf der äußeren Ebene uns nichts gelingt. Nicht einmal den R5 konnten wir verkaufen, um wenigstens etwas zurückzahlen zu können. Warum rennen wir da so ins Leere?

Fangen wir mal mit dem Schluss deiner Frage an, denn da habt ihr das Wesentliche schon selbst erkannt: Ihr seid in der bürgerlichen Welt so fremd wie Paradiesvögel in einem deutschen Forstrevier. Man begegnet euch deshalb mit viel Misstrauen. Ihr könnten von „den Bürgern“, wie wir sie einmal nennen wollen, nicht viel Hilfe erwarten. Und auch der Kauf eures Autos wäre ja eine solche Hilfe. Hilfe könnt ihr praktisch nur von Gleichgesinnten erwarten. Solche Menschen würden euch beispielsweise euer Auto abkaufen. Doch von denen gibt es hier nur wenige und ihr zieht sie nicht an, weil sie nicht wirklich auf eurer „Welle funken“.

Die bürgerliche Welt toleriert und bewundert sogar Andersartigkeit in fast jeder Form – wenn sie funktioniert! Ein erfolgreicher Künstler zum Beispiel darf sich praktisch jeden Unsinn erlauben. Der erfolglose Künstler dagegen ist nur Gegenstand des Mitleids, oft auch der Verachtung.

Warum sage ich das? Weil ihr zwischen diesen beiden Möglichkeiten feststeckt und das ist das Dilemma eurer Situation. Ihr seid beide in Wahrheit Künstler, das muss nicht immer nur im herkömmlichen Sinn verstanden werden. Doch weil ihr euch das nie zugestanden habt, ist euch auch der Erfolg versagt geblieben. Das könnte sich von nun an ändern, WENN ihr diese wirkliche Natur von euch auch leben lasst. Aber das fängt ja gerade erst an. Und voilà der erste Grund dafür, warum sich nicht längst alle Lösungen eingefunden haben.

Ihr habt es bis zum Alleräußersten kommen lassen (müssen), um endlich einmal zu begreifen. Jetzt mag sich vieles anders machen lassen, aber erst einmal sind die Hypotheken des „alten Lebens“ abzuzahlen

Das ist nicht wie eine Art Strafe zu verstehen, sondern heißt nur, dass auch die richtigsten und besten Schritte ihre Zeit brauchen und die Welt sich nicht schlagartig ändert, wie man die Dinge jetzt anders zu sehen begonnen hat.

Es sind jetzt machtvolle Lösungen DENKBAR, aber nur, wenn ihr auch beginnt machtvoll zu SEIN. Es ist also nichts, was ich euch schenken kann. Wenn ihr im Süden Erfolg haben wollt, dann müsst ihr in der Bretagne beweisen, dass ihr selbst eine solche Situation gemeistert habt. Und das tut ihr nicht, indem ihr auf einen Lottogewinn wartet! Wohlgemerkt, ihr dürft auch damit hantieren, aber ihr dürft nicht länger warten. Ihr müsst handeln, bevor es andere tun. Ihr seid jetzt am Zug.

Was könnt ihr tun? Ich habe einen Rat für euch, aber ich betone vorweg gleich zwei Dinge:

  1. Er ist hart, dieser Rat, und mag euch erschrecken.
  2. Es ist ein RAT, heißt aber nicht, dass es nicht auch anders geht. Ihr habt selbstverständlich den freien Willen, es so oder anders zu machen. Ich gebe euch diesen Rat, um euch eine Möglichkeit aufzuzeigen oder um euren eigenen Ideenkorb etwas umzurühren

Mein Rat ist folgender:
Handelt und lasst nicht zu, dass andere über euch verfügen. Wartet nicht länger ab, sondern packt die Sache mutig an. Überrascht die bürgerliche Welt durch unerwartete Schritte, dann seid ihr immer da, wo sie euch nicht vermutet und folglich auch nicht erreichen (und bedrohen) kann. Das ist allemal besser als passiv in ihre Mühlen zu geraten, auch wenn die eigenen Schritte hart sind.

Handeln könnte heißen: Wartet nicht, bis ihr „auf der Straße sitzt“, sondern kündigt selbst die Wohnung. Ihr habt eure Aufgabe in Riec sur Belon gelernt, jetzt gibt es für euer Verweilen hier keinen Grund mehr. Das wäre also der erste Teil meines Rates. Kündigt die Wohnung und seht zu, dass ihr die Möbel unterstellen könnt bzw. dass IHR etwas anderes findet, anstatt dass „andere etwas für euch finden“.

Zweiter Teil meines Rates: Bringt Florian aus der „Gefahrenzone“, denn es könnte bald ein rauer Wind wehen. Monika sollte ganz rasch versuchen mit ihm bei Freunden in Deutschland unterzukommen, während Jörg „die Stellung so lange hält“ bis der bürgerliche Teil ausgestanden ist, das heißt, die Gläubiger sich geholt haben, was zu holen war. Auf diese Weise könntet ihr das Auto leicht dem Zugriff entziehen. Monika hätte es dann bei sich. Vielleicht könnte Jörg samt Möbel bei K. einziehen, bis die Sache ausgestanden ist. Gerupft aber immerhin lebend käme Jörg aus alldem irgendwann heraus und der Weg in den Süden wäre möglich.

Was für ein schrecklicher Rat, nicht wahr? Ich sagte ja schon, ihr müsst ihn nicht befolgen. Doch die Alternative wer nur, dass euch jemand das Geld gibt, das ihr benötigt, um euer Konto ausgleichen zu können.

Ich weiß, dass ihr jetzt entsetzt seid. Aber es ist wichtig euch deutlich zu machen, dass ihr um jeden Preis jetzt HANDELN müsst. Manifestieren WOLLEN ist nicht Handlung genug. Und selbst die scheußlichste Handlung ist besser als gar keine.

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