Dialog 325

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Eure Entscheidung ist also richtig und stimmig. Trotzdem kann Angst die wirklichen inneren Wahrnehmungen überlagern. Das kann immer wieder mal passieren. Es bedeutet aber nur, dass man eben Angst hat. Es sagt nichts über die Richtigkeit der Entscheidung aus.

Dialog 325 – 07.01.1988

Monika:
Wir haben beschlossen, das Haus zu kündigen. Ich werde mit Florian nach Deutschland fahren und dort bei Jörgs Mutter (ungern) oder bei Freunden Unterschlupf suchen. Kannst du uns zu diesem Schritt noch etwas sagen?

Wichtig ist, dass ihr zu eurer Sache steht. Und wenn diese Sache Südfrankreich heißt – bzw. das, was ihr damit verbindet – dann müsst ihr eben DAZU stehen und in Kauf nehmen, dass ihr auch auf Schwierigkeiten und Unverständnis stoßen werdet. Außerdem mag dir (euch) Kraft geben, dass ihr meinem Rat gefolgt wärt. Persönlicher Stolz etc. dürfen dann auf keinen Fall wichtiger genommen werden.

Ich rate euch, eure Schwierigkeiten sobald irgend möglich zunächst einmal vertrauensvoll mit euren Freunden zu beraten. Denn erstens braucht ihr Geld, wenn ihr den von mir beschriebenen ganz brutalen Weg vermeiden wollt. Als zweiten Schritt müsst ihr dann eure Wohnung in Riec kündigen und auflösen. Als ich sagte, ihr solltet Florian aus der Gefahrenzone bringen, war das natürlich auf den Fall bezogen, dass ihr kein Geld beschaffen könnt, die Lage also für ein Kind unerträglich anstrengend werden würde. Wenn ihr aber mit der Bank ins Reine kommen könntet, dann wäre nicht mehr so große Eile geboten und ihr könntet sozusagen normal ausziehen. So oder so, es kommt darauf an, worum es euch eigentlich geht.

Eure Erkenntnis ist, dass ihr aus euch selbst heraus leben wollt und ihr seht nun besser als vorher, um welche Werte es dabei eigentlich geht. Ihr wollt (und müsst) die Bretagne verlassen. Weniger, weil ich dort nicht mehr leben könnt, sondern weil ihr dort nichts mehr zu lernen habt! Jeder weitere Aufenthalt würde euch nur darin behindern, das zu entwickeln, was ihr als richtig erkannt habt. Deshalb ist es richtig, jetzt aktiv zu werden und zu handeln. So, wie wir es schon besprochen hatten.

Wenn ihr beide in dem was ihr bis jetzt erkannt und gelernt habt unbeirrbar seid; dann kann euch keinerlei Druck (zum Beispiel von Jörgs Mutter) etwas anhaben. Und Belastungen zu ertragen seid ihr je doch inzwischen recht geschult. Verstehen, also für gut befinden, wird Jörgs Mutter keinen eurer Schritte, egal welchen und egal wie ihr es begründet. Worauf es also ankommt ist, dass ihr oder zumindest Monika unbeirrbar  wäre im Glauben an eure Sache. Dann könnte sie ebenso wenig umgeworfen werden wie ein Stehaufmännchen. Bist du unbeirrbar, Monika? Und du, Jörg?

Jörg:
Ich glaube fest daran, dass wir in der Provence einmal das verwirklichen können, was wir in den letzten Tagen als richtig erkannt haben. Zweifel habe ich nur bei der Vorstellung ein zweites Mal mit leeren Händen beginnen zu müssen. Aber auch das sind eher Ängste als Zweifel. Doch, ich glaube, ich könnte meiner Mutter gegenüber das alles vertreten. Aber ich möchte nicht auf sie angewiesen sein.

Das muss ja nicht sein. Ich sagte ja schon, besprecht die Lage erst einmal mit euren Freunden und seht zu, dass Monika dort zumindest für ein paar Wochen unterschlüpfen könnte.

Jörg (am nächsten Morgen):
Ich bin so erfrischt und fast schon glücklich aufgewacht wie seit Monaten nicht mehr. Habe geschlafen wie ein Bär und fühle mich heute Morgen sehr gut, den Umständen entsprechend vielleicht, aber doch sehr gut. Was vor uns liegt, macht mir keine Angst, auch wenn es große Härten sind, denen wir entgegen gehen. Und ich freue mich auf den Süden.

Ich fühle mich innerlich, als hätten wir eine neue Tür aufgestoßen und der Weg vor uns läge frei. Dass dieser Weg vorübergehend über Deutschland führt, stört mich dabei nicht so arg. Es gehört wohl dazu und wirkt auf mich wie ein Reinigungsbad zwischen diesen beiden Welten Bretagne und Süden. Angst habe ich nur davor, dass wir in Deutschland zu lange bleiben müssen und dann irgendwie den Kontakt verlieren.

Wenn der Süden der Ort ist, an dem ihr eure Ziele am ehesten glaubt verwirklichen zu können, dann wird das nicht passieren können. Dann wird euer Aufenthalt in Deutschland so lange bemessen sein wie nötig.

Dass du dich fühlst, als sei eine Tür aufgestoßen worden, kommt daher, dass auch wirklich eine aufgestoßen worden ist! Ihr habt eine Entscheidung getroffen – das führt sofort zu neuen Möglichkeiten, die euch vorher verschlossen gewesen sind. Und weil diese Entscheidung für euch stimmig und richtig war, geht es dir auch gut damit. Du bist wieder „angeschlossen“. Dieses Gefühl, wie gelähmt zu sein, mit dem du jetzt lange gelebt hast, war das Resultat des häufigen Getrenntseins vom Fluss der Energie.

Eure Entscheidung ist also richtig und stimmig. Trotzdem kann Angst die wirklichen inneren Wahrnehmungen überlagern. Das kann immer wieder mal passieren. Es bedeutet aber nur, dass man eben Angst hat. Es sagt nichts über die Richtigkeit der Entscheidung aus.

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