Dialog 327

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Wer aber auf dem Weg zu sich und damit zu mir ist, wer sich also auf einem spirituellen Pfad zu den Quellen seines eigenen Seins befindet, der braucht viel Kraft, viel Energie. Wer da nicht an seine eigenen Reserven herankommt und (ganz wichtig!) zugleich lernt seine Energien zu vervielfachen, der leidet an einer Art energetischer Unterernährung.

Dialog 327

22.01.1988

Monika:
Ich bitte dich um Rat wegen Rebecca. Ich hatte den Impuls, dass ich mich einem Wiedersehen nicht entgegenstellen sollte. Sie hatte Jörg gebeten nachzufragen, ob ich einem Treffen zustimme. Ich habe darüber nachgedacht und obwohl sich alles in mir sträubt, blieb der Impuls. Deshalb hat Jörg Rebecca für Sonntag zum Kaffee eingeladen.

Aber in mir wehrt sich alles. Ich will Rebecca nicht sehen. Ich bin noch nicht soweit, dass ich bedingungslos lieben kann. Und ich habe immer noch eine offene Wunde vom letzten Mal. Ich bin enttäuscht und verletzt und ich habe große Angst wieder enttäuscht zu werden.

Jörg meinte, ich sollte die Einladung nicht aufrechterhalten. Ich bin sehr versucht. Nur bin ich mir unsicher, ob ich flüchte. Sollte ich mich der Situation stellen, ganz gleich wie stark die Angst und Widerstände sind? Bitte rate mir, ich sehe da überhaupt nicht klar.

Ich möchte, dass du Rebecca wiedersiehst. Zumindest dieses eine Mal. Was du von ihr siehst und was du bei ihr befürchtest ist alles richtig. Du hast sie ganz klar erkannt. Aber trotzdem bestehe ich auf das Zusammentreffen.

Es gibt viele Gründe dafür. Doch nur einen kann ich dir nennen, den du jetzt auch verstehen kannst: Der Besuch ist wichtig für dich, weil er dich stärken wird, nicht schwächen. Du sollst dich, das ist mein Rat an dich, bei diesem Besuch nicht auf sie einlassen, so wie du das früher getan hast, sondern du sollst dich innerlich distanzieren lernen und dennoch bei ihr sein. Das hat seine Gründe und ist zurzeit eine wichtige Übung für dich.

Deine Wunde heilt nicht von selbst zu. Und – drücken wir es einmal so aus – die einzige Heilerin die dir jetzt helfen kann, ist die Person, die die Wunde hervorgerufen hat: Rebecca.

Wenn es dir gelingt dich innerlich zurückzunehmen, ohne dich gleichzeitig innerlich zurückgezogen zu haben(!), dann wirst du aus diesem Zusammentreffen Kraft schöpfen. Wenn allerdings nicht, dann wir dich dieser Besuch noch ärger belasten. Es liegt also ein wirkliches Risiko in dieser Geschichte. Doch es ist auch eine wichtige Chance für dich darin enthalten, auch wenn du es vielleicht jetzt noch nicht verstehst.

Du sollst Rebecca in allem was sie sagt und tut genau beobachten, aber dich selbst dabei zurücknehmen. Mache dich innerlich unerreichbar, unangreifbar. Sei nicht mehr als eine gute Gastgeberin, freundlich, interessiert, aber nicht engagiert. Engagiere dich nicht für sie! Rebecca muss ihre Schritte zurzeit ganz alleine gehen lernen und all ihre Bestrebungen sind deshalb darauf ausgerichtet Hilfe zu finden. Andere sollen ihre Probleme lösen, nicht sie! Das war schon immer ein Zug von ihr, aber jetzt tritt er ganz stark nach außen. Natürlich weiß sie davon nicht das Geringste, aber deshalb ist es umso wichtiger, dass du es weißt. Beobachte sie sozusagen kühl aus der Distanz, ohne dass man dir diese Kühle anmerkt, und du wirst erleben, wie sich deine Wunde langsam schließt. Sie ist deshalb noch offen, weil du diese Angelegenheit nicht erledigt hast. Das sollst du jetzt nachholen. Dann, erst dann, wirst du Rebecca sehen könne, ohne dabei in Gefahr zu geraten.

Auch für Rebecca ist dieser Besuch wichtig, aber das ist eine ganz andere Geschichte, die mit dir nichts zu tun hat. Deshalb will ich darauf jetzt nicht eingehen. In jedem Falle solltest du unbedingt vermeiden zu gehen, ohne sie noch einmal gesehen zu haben. Wichtig!

 

24.01.1988

Monika:
Bitte gib mir ein Feedback zu Rebeccas Besuch. Ich weiß nicht, ob es mir gelungen ist, mich nicht auf sie einzulassen, ohne dass sie das merkt. Es gab einen kritischen Punkt, wo sie versuchte zu erfahren, wie ich die Sache sehe zwischen uns. Ich habe mich nicht darauf eingelassen und stattdessen von mir erzählt, was mir aber eigentlich nicht ganz geheuer vorkommt. Denn das ist für mich ein Gefahrenpunkt, sehne ich mich doch so sehr nach einem Zuhörer. Und wenn ich mich nicht irre, hat Rebecca auch gleich wieder ihre Trickkiste aufgemacht und versucht mir zu schmeicheln. Diesmal hab ich es gemerkt. Aber wie oft macht sie das und ich merke es nicht. Und schwuppdiwupp lasse ich mich viel zu weit auf sie ein.

Jetzt, Stunden später, geht es mir plötzlich sehr schlecht. Ich fühle mich erschöpft und habe zu nichts richtig Lust. Diese plötzlichen Mattigkeits- und Erschöpfungszustände machen mich ganz fertig. Kannst du mir etwas dazu sagen?

Seit einiger Zeit hat sich die Art verändert wie ich Energie spüre, wenn ich bete. Früher war es so, als würde ein starker Energiestrahl in meinen Kopf einströmen. Jetzt erlebe ich das nicht mehr am Kopf. Es ist so, als umhülle und durchdringe mich eine sanfte Energie. Es ist eine herrliche Streichelmassage, beruhigend und stimulierend zugleich. Was hat sich in mir verändert, das zu dieser neuen Art der Wahrnehmung führte?

Gestern Abend hatten Jörg und ich Probleme. Meine Wahrnehmung war, dass er sich selbst bedroht fühlt, wenn ich so frei über deine Botschaften spreche. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, anders als spontan zu sagen, was gesagt werden will. Müsste ich das ändern, dann müsste ich einen wesentlichen Teil von mir ändern, den ich gerade erst schätzen und lieben gelernt habe. Das will ich nicht. Und ich habe auch keine Angst vor der Meinung der Leute. Jörg wurde richtig feindselig und machte vollends zu, als ich ihm das sagte. Bitte sage mir, ob seine Kritik berechtigt war und wie ich meine Spontanität zügeln kann, falls ich wirklich nicht darüber reden sollte. Allerdings ist deine Führung so mit meinem Leben verbunden, dass das bedeuten würde, gar nicht mehr über mich zu reden.

Und was ist mit Jörg passiert gestern? Er ist oft so, nachdem er mit Rebecca alleine geredet hat. Mir kommt es so vor, als sei er böse auf mich, weil er in meiner Gegenwart Rebecca anders erlebt als sonst.

Die Beziehung zu Rebecca berührt euch beide auf vielen Ebenen und auch ihr seid für sie ein wichtiger Spiegel und geistiger Kontaktpunkt. Aus diesem Grund haben sich eure Wege trotz eurer so unterschiedlichen Weisen zu leben und die Dinge wahrzunehmen so oft gekreuzt.

Für dich, Monika, ist die „richtige“ Art mit Rebecca umzugehen eine sehr wesentliche Übung im Sich-Schützen. Obwohl es in diesen Dingen eigentlich kein richtig oder falsch gibt. Aber für dich persönlich ist es eine Form, die jetzt die einzig richtige und wichtige ist.

Rebecca, die sich selber noch sehr wenig kennt und deshalb von ihren eigenen Ressourcen fast keinen Gebrauch machen kann, braucht die Energie anderer Menschen zum Leben. Das hört sich vielleicht schrecklich an, ist aber ein ganz normaler Vorgang. Die wenigsten Menschen haben ihre eigenen Energiequellen erschlossen. Sie haben aber, weil das für sie so ganz richtig ist, sozusagen gelernt „mit wenig auszukommen“.

Wer aber auf dem Weg zu sich und damit zu mir ist, wer sich also auf einem spirituellen Pfad zu den Quellen seines eigenen Seins befindet, der braucht viel Kraft, viel Energie. Denn der Weg ist anstrengend und – bildlich gesprochen – wird mit jedem Meter, den man an geistiger Höhe gewinnt, die Luft, die man atmet, auch dünner. (Das ist ein Vergleich, wohlgemerkt!) Wer da nicht an seine eigenen Reserven herankommt und (ganz wichtig!) zugleich lernt seine Energien zu vervielfachen, der leidet an einer Art energetischer Unterernährung. Was er braucht, muss er sich also bei anderen holen. Und Rebecca wendet sich sozusagen an dich. Sie braucht dich, denn du verströmst viel Kraft. Du verströmst deshalb so viel Kraft, weil es zurzeit deine Übung ist mit Energie zu arbeiten, Energie fließen zu lassen, mit ihr zu „experimentieren“. Du bist ständig von Energie umgeben. Und das zieht Rebecca eben an.

Jörg braucht sich nichts von deiner Kraft zu nehmen. Er hat selber und mehr als reichlich. Sein Problem ist, dass er es zu wenig fließen lässt. Darauf will ich jetzt nicht weiter eingehen. Ich spreche es deshalb an, weil von Fremden bei Jörg nichts zu holen ist. Er gibt nichts her und seine Energie ist stark nach innen gerichtet. Es ist also nur natürlich, dass Rebecca sich an dich wendet, deine Nähe sucht, dich umschmeichelt usw. Sie braucht Kraft.

Das ist der Grund dafür, wenn du dich zum Beispiel schlecht und müde fühlst, obwohl du kaum etwas getan hast. Besser gesagt, es ist einer der Gründe dafür. Dann hat jemand (nicht nur Rebecca) dich „angezapft“. Das geht auch über die Entfernung. Deshalb ist meine Übung für dich so wichtig. Du musst lernen die Energien zu erkennen, die mit dir zu tun haben. Musst lernen Energie aufzunehmen und Energie abzugeben, wie man ein- und ausatmet, als ein einziger, natürlicher, herrlicher Vorgang! Aber du musst auch lernen dich zu schützen, wenn du „ausgesaugt“ werden sollst. Hast du es erst einmal im Griff, ist das leicht zu bewerkstelligen. Man wehrt dann solche „Energie-Attacken“ mit derselben Leichtigkeit ab, wie man eine Mücke verscheuchen würde, und es gibt kein sich ausgeleert und sich abgespannt fühlen mehr. Doch noch steckst du bis über beide Ohren im Üben.

Deine neue Art Energie wahrzunehmen ist ein wichtiger Fortschritt. Es bedeutet, dass du positive Energie, also solche die dich kräftigt, erkennen, an dich ziehen und vor allem auch aufnehmen kannst! Würdest du nicht gleichzeitig immer so viel verlieren, ginge es dir besser.

Zu eurem Konflikt:
Ich sagte ja schon, dass Rebecca für euch beide eine wichtige Lernquelle ist, so wie ihr für sie eine solche seid und mehr als das. Für Jörg bedeutet der Kontakt mit ihr die Auseinandersetzung mit einem Teil von sich selber. Da sie von ihm keine Energie beziehen kann und er von ihr keine braucht, können beide sehr nahe zueinander kommen und er kennt Seiten von Rebeccas Wesen, die dir verborgen sein müssen, da dein Verhältnis zu ihr eher das des Kampfes und der Abwehr ist.

Sobald er zwischen euch beiden sitzt, sitzt er wahrhaftig im Kreuzfeuer. Er spürt Rebeccas Bestreben dich vampirhaft (aber das ist NICHT negativ zu verstehen) um Energie anzugehen und dich deshalb zu umschmeicheln und für sich zu gewinnen. Und er spürt auch deine heftigen Abwehrmaßnahmen. Sein Verhältnis zu Rebecca ist aber ein ganz anderes und hat für beide durchaus sehr fruchtbare Seiten. Das wird in der Dreierbeziehung natürlich sehr stark gestört und es entwickelt sich bei ihm unbewusst in der Tat eine gewisse Feindseligkeit dir gegenüber, da er keine Wahl hat, als im Zweifelsfall auf deiner Seite zu sein. Er ist ja Teil von dir.

Ansonsten, was den Ausgangspunkt eures Konfliktes betrifft, du musst nicht vorsichtig sein mit dem was du sagst. Da überträgt Jörg seine eigenen Schwierigkeiten mit den Botschaften auf dich. Du musst nur damit rechnen, dass viele Menschen dich nicht verstehen und dich vielleicht für eine schreckliche Angeberin halten werden. Aber damit sage ich dir ja nichts Neues.

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