Dialog 332 – 15.02.1988

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Wenn du also der Meinung bist zu wissen, was gut und richtig für diesen oder jenen Menschen wäre, denke daran, dass jeder in jedem Augenblick seines Lebens immer gerade auf dem Höhepunkt seiner Möglichkeiten steht! Auch wenn es oftmals nicht so aussieht. Auch ein scheinbar sehr unsinniger Schritt, den jemand tut, kann für ihn in diesem Augenblick der einzig richtige und deshalb notwendig sein.

Dialog 332 – 15.02.1988

Monika:
Gestern sind wir bei unseren Freunden in Deutschland angekommen. Ich bin innerlich noch nicht ganz hier, finde mich in der neuen Umgebung nicht zurecht und fühle mich fremd und unbeholfen in meinem Heimatland. Es fühlt sich alles sehr seltsam an.

Die Freunde hier sind selbst in schwierigen Situationen, rundherum scheint alles in Auflösung zu sein. Ich würde gerne helfen, merke aber, dass ich da nicht viel anzubieten habe. Ich bin unfähig, das bisher Gelernte oder besser Erkannte, auf andere zu übertragen. Überall sind die existenziellen Probleme das eine große Hindernis oder werden zumindest so betrachtet. Ich merke, mit Reden werde ich niemandem hier helfen können.

Und schon stecke ich mitten in Konflikten, bin unsicher und verwirrt, ohne Zugang zu dem, was ich alles in den letzten Jahren gelernt habe.

Arbeitsvorschläge, wie abends bedienen oder tippen gehen, lösen in mir starke Horrorgefühle aus. Jörg geht es sicher nicht viel besser mit Alternativen wie als Fahrer oder Aushilfsgärtner zu arbeiten. Sicher, das wäre besser als nichts, jedenfalls rein finanziell gesehen. Aber führt uns das nicht weg von unserem Ziel anstatt in dessen Nähe?

Und was ist hier meine Aufgabe? Kann ich meine Fähigkeiten weiter entwickeln und schulen, indem ich tippen oder bedienen gehe?

Nur indem man lernt seine eigenen Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln, darf man damit rechnen „weiterzukommen“, wie ihr das immer nennt. Solange existenzielle Probleme als Grund dafür genommen werden, die Suche nach den wirklichen, in jedem schlummernden Fähigkeiten aufzugeben, ist Fortschritt nicht möglich.

Es ist aber auch der Fall denkbar, dass jemand erst durch die Weigerung gehen muss, nach seinen Fähigkeiten zu forschen und sie zu leben! Es soll also keiner den anderen bedrängen, indem er behauptet besser als jener zu wissen, was für ihn gut sei. Jeder muss von selber an den Punkt kommen, an dem er die richtigen von den falschen Wegen zu trennen lernt. Und nur beispielhaftes Vorleben hat wirklichen Überzeugungswert!

Wenn du also der Meinung bist zu wissen, was gut und richtig für diesen oder jenen Menschen wäre, denke daran, dass jeder in jedem Augenblick seines Lebens immer gerade auf dem Höhepunkt seiner Möglichkeiten steht! Auch, wenn es oftmals nicht so aussieht. Auch ein scheinbar sehr unsinniger Schritt, den jemand tut, kann für ihn in diesem Augenblick der einzig richtige und deshalb notwendig sein.

Deshalb sollst du zunächst nur beobachten, was um dich herum geschieht, und nur sehr, sehr behutsam Hilfe anbieten, wo du fühlst, dass sie willkommen ist. Insbesondere sollst du niemanden mit der Einladung verwirren, von eurer Führung durch mich Gebrauch zu machen, solange dieser selber nicht darum gebeten hat! Nicht, dass meine Führung exklusiv für euch wäre, doch sie kann nur dem etwas nutzen, der meine Weisungen auch anzunehmen bereit ist. Und das ist eine Frage der Entwicklung.

Wenn ihr euren Freunden helfen wollt und damit euch selbst, dann seid behutsame Gäste in ihrem Leben. Begleitet sie still und freundlich, ohne aufdringlich zu wirken, und seid doch immer bereit eine helfende Hand zu leihen, wenn Hilfe erwünscht ist. Es sind sehr feine Töne, auf die ihr dabei hören lernen müsst, denn eure Freunde selbst nehmen diese Signale kaum wahr und überdecken sie mit vielen lauten Tönen. Ihr müsst lernen, zwischen diesem Lärm das Wesen der Musik herauszuhören, dass das eigentliche Leben jedes Einzelnen ausmacht. Das ist auch für euch eine wichtige Übung, denn ihr habt euch nun lange genug nur noch mit euch selbst beschäftigt.

Es ist deshalb eure Aufgabe hier, nun eure Fähigkeiten auch unter anderen Menschen zu erproben und dabei zugleich auch Neues über euch zu lernen. Denn eure Situation ist natürlich nicht einfach und äußerst ungewohnt für euch:
Ihr seid nicht mehr Herr über unbeschränkt viel Raum und könnt nicht mehr tun und lassen was ihr wollt. Das wird starke Einschnitte mit sich bringen, ist aber sehr wichtig. Nur so werdet ihr lernen können, mehr auf andere zu hören als auf euch selbst.

Ihr habt ganz genau den Lebensraum bekommen, der im Moment gut und richtig für euch ist. Jeder Quadratmeter mehr wäre zu viel! Daran denkt bitte immer, wenn ihr euch eingeschränkt oder unglücklich fühlt. Ihr habt genau den Raum, den ihr für eure Entfaltung braucht!

Zu euren Arbeitsüberlegungen:
Das Ideale ist es, wenn man seine Fähigkeiten beruflich nutzen und mit ihnen Geld verdienen kann. Aber: Das man glaubt diese Fähigkeiten zu kennen, muss noch nicht bedeuten, dass sie auch reif für die Anwendung sind! Das ist vielleicht schwer zu akzeptieren, verhält sich aber so.

Ihr beide, zum Beispiel, seid noch nicht bei euren wirklichen Möglichkeiten angekommen, nur sehr nahe dran. Jörg mehr als du, denn sein Schreiben ist der richtige Weg. Nur wird er auch über und durch das Schreiben noch viel über sein Leben zu lernen haben. Er ist also noch nicht am Ziel selbst! Schreiben und schreiben ist nicht dasselbe, aber das wird er schon noch merken und er spürt das auch schon eine ganze Weile.

Auch du bist sehr nahe an deinem Ziel, aber noch nicht dort angekommen. Deine Fähigkeit ist andere Menschen zu beraten, denn deine Möglichkeiten, die ich dir gegeben habe, verleihen dir dazu einzigartige Voraussetzungen: Du erkennst Menschen rascher, besser und genauer als sie selbst es jemals fertig bringen könnten. Du spürst ihre Probleme und findest intuitiv auch meistens heraus, an welcher Stelle die Wurzel des Problems eines Menschen liegt.

Aber noch sind diese Fähigkeiten auszubauen, sie sind zu schulen. Du hast einfach noch nicht genügend Erfahrungen. Deshalb sage ich: Du bist nahe am Ziel, aber noch nicht dort angekommen.

In Riec sur Belon hatte es für dich nichts mehr zu lernen gegeben, deshalb musstet ihr dort aufbrechen. Auch Jörg braucht zurzeit besondere Bedingungen, die er dort nicht mehr finden konnte. Ein deutlicher Bruch, ein deutlicher Trennungsstrich war notwendig geworden.

Ich habe euch in diese Gruppe von Freunden geführt, weil dort ganz spezielle Aufgaben auf euch warten, von denen ich die wichtigsten zumindest soweit angesprochen habe, wie es jetzt für euch nötig ist. Was weiter geschehen soll wird geschehen.

Wie weit sich eure Fähigkeiten entwickelt haben und ob es bereits an der Zeit ist, mit ihnen auch Geld zu verdienen, werdet ihr merken, wenn ihr versucht sie einzusetzen. Seid ihr stark genug, dann werden die Möglichkeiten auf euch zukommen. Halten sie sich hartnäckig fern, dann sind es andere Schritte, die auf euch warten. Ihr selbst müsst auf eure innere Stimme hören, die euch rät, welche Richtung einzuschlagen ist. Hört ihr sie nicht, müsst ihr besser hinhören. Sie ist da!

Mein Rat ist:
Lasst euch nicht zu schnell von existenziellen Problemen zu falschen Schritten verleiten, sondern nehmt euch Freiheit, nach der Verwirklichung eurer Möglichkeiten, von denen ihr wisst, dass sie da sind und auf die ihr vertraut, solange zu suchen wie ihr könnt. Es wäre nicht richtig, jetzt Hals über Kopf irgendeine Arbeit aufzunehmen, Hauptsache es gibt Geld dafür. Man muss sich aber auch davor hüten, sich eines Tages im Lehnstuhl vorzufinden mit untergeschlagenen Armen, darauf wartend, dass die Lösung von selber hereinspaziert kommt.

Verhaltet euch am besten so wie bisher auch: Nehmt als ernsthaftes Angebot, was auf euch zukommt, und geht davon aus, dass das Richtige, wenn es darunter ist, sich euch bereits ausgesucht hat. Bei euren eigenen Ideen müsst ihr lernen, auf eure innere Stimme zu hören.

Für Jörg ist Werbung und Schreiben inzwischen durchaus vereinbar. Es genügt, dass er selbst weiß, was im wichtiger ist.

Du, Monika, solltest dich nicht in Erinnerungen verlieren. Tippen gehen oder Bedienen muss nicht Horrorvorstellungen in dir auslösen. Diese Vorstellungen kommen von früher. Du bist aber heute nicht mehr dieselbe. Das soll nicht heißen, dass ich dir zu diesen Tätigkeiten ausgesprochen rate. Ich möchte nur, dass du dich innerlich so frei wie irgend möglich machst für alles, was deines Weges kommen kann und nichts von vornherein ausschließt. Es sei denn du bist dir sicher, deine innere Stimme rät dir davon ab, und es ist keine deiner alten Erinnerungen an etwas, was es gar nicht mehr gibt.

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