Dialog 334

_1015818

Richtet euch nach eurer inneren Stimme. Ruft sie euch dringend in den Teil der Welt, den man „den Süden“ nennt? Wenn sich an der Eindringlichkeit dieses Rufes etwas verändert hat, müsst ihr das genauso ernst nehmen, wie ihr anfangs den Ruf „in den Süden“ ernst genommen habt.

Dialog 334 – 23.02.1988

Ich verstehe zurzeit den Sinn meiner Wahrnehmungsfähigkeit nicht. Es ist sehr schmerzhaft für mich, die Leiden anderer Menschen zu erleben, die ausgefeilten Maskeraden zu ertragen, hinter denen ich endlose Hilfeschreie höre. Ich fühle mich so hilflos. Ich kann doch nicht auf diese Menschen zugehen und sagen, was ich sehe, wenn sie doch alles daran setzen es selbst nicht zu sehen. Warum nehme ich diese Menschen so klar wahr, wenn ich doch nicht helfen kann? Ich doch nicht zu G. sagen: „Du bist so schön und so sensibel, warum deckst du das alles zu, es tut weh, dich so zu sehen.“ Das würde sie niemals annehmen.

Du hast gesagt, wenn wir hier in Deutschland sind, dann könnten wir anfangen vom Süden zu träumen. Aber komischerweise ist der Süden eher weiter weg gerückt. Ich habe die Vermutung, dass „der Süden“ nicht unbedingt da ist, wo wir ihn geografisch vermuten. Wir sind beide etwas verunsichert.

Wir haben beide den Spessart sehr intensiv erlebt und gemerkt, dass wir die intakte (im Vergleich zur Bretagne) Natur und den Wald dort sehr vermisst hatten. Es kamen richtige Heimatgefühle auf. Und wir haben es beide sehr gut gefunden, wie sehr das Bewusstsein für Umweltfragen sich hier schon im Alltag niedergeschlagen hat. Gleichzeitig fühlen wir uns aber fremd und vermissen vieles in Frankreich.

Wenn ich dich immer wieder auf deine Möglichkeiten, deine Fähigkeiten und deine Aufgaben aufmerksam gemacht habe, so in der Absicht zu erreichen, dass du dich damit auseinandersetzt – so wie du das jetzt tust.

Du sollst nicht – und auch das musstest du erst lernen und wirst es noch weiterhin lernen müssen – Menschen deine Hilfe aufzwingen. Du musst erst noch innerlich wachsen, deine Fähigkeiten reifen lassen, denn noch sind sie noch nicht reif!

Das ist der Grund, warum noch nicht viele Menschen die Hilfe erkennen können, die du ihnen anbieten könntest. Die Menschen müssen auf dich zukommen. Und wie du schon richtig erkannt hast: Nur wer selbst innerlich den ersten Schritt zur Umkehr getan hat ist überhaupt reif für die Hilfe, die du ihm dabei geben kannst.

Du aber sollst zunächst vor allen Dingen beobachten und das Erlebte in dir wachsen lassen, wo es sich verdichten wird. Bis eines Tages Menschen in Not spüren, dass du es bist, der ihnen helfen kann!

Es ist zum Beispiel nicht deine Sache G. zu helfen, wenn sie dich um diese Hilfe innerlich gar nicht gebeten hat. Dasselbe trifft auf die anderen Menschen auch zu. Aber ich will, dass du bereit und fähig zur Hilfe bist, wenn es dazu kommt, dass diese oder andere Menschen sich an dich wenden.

Der Süden ist für euch dort, wo ihr spürt, dass ihr dort hingehört, sei es für kurz oder für länger. Richtet euch nach eurer inneren Stimme. Ruft sie euch dringend in den Teil der Welt, den man „den Süden“ nennt? Wenn sich an der Eindringlichkeit dieses Rufes etwas verändert hat, müsst ihr das genauso ernst nehmen, wie ihr anfangs den Ruf „in den Süden“ ernst genommen habt.

Ihr solltet dann nach Südfrankreich gehen, wenn ich beide WISST, dass es an der Zeit ist. Wenn dieser Augenblick kommt, wird es keine Unsicherheit mehr geben. Solange es die noch gibt, habt ihr dort wo ihr seid noch Aufgaben zu erfüllen. Sei es, dass ihr mittendrin seid, sei es dass ihr sie noch nicht einmal gefunden habt.

Macht aus Südfrankreich keinen Kult. Ihr habt einen Impuls gehabt und der hat eine neue Phase in eurem Leben eingeleitet. Jetzt müsst ihr herausfinden, was da in euch angesprochen wurde und wozu. Das zu erkennen seid ihr in Deutschland. Denn hättet ihr euch gleich nach Südfrankreich aufgemacht, wäret ihr am Wesentlichen vorbei gegangen.

Der Schritt nach Südfrankreich muss ein innerer Schritt sein. Erst dann kann er auch auf der äußeren Ebenen gegangen werden. Und dann MUSS es unter Umständen wirklich nicht mehr der geografische Süden sein. Das kann passieren.

Redet darüber. Versucht es herauszufinden, indem ihr eure Zeit in Deutschland intensiv nutzt, intensiv erlebt, durch genaues Beobachten und Erfahren von allem, was um euch herum geschieht. Wenn die Stimme leiser geworden ist, die noch vor wenigen Wochen so eifrig zum Aufbruch in den Süden geraten hat, und sich andere Stimmen dafür melden, dann sollt ihr aufmerksam lauschen, was diese Stimmen euch zu sagen haben. Es besteht kein Grund sich verwirrt zu fühlen.

Wenn der Spessart zum Beispiel Heimatgefühle in euch auslöst, soll euch das nicht verwirren. Im Gegenteil: Nehmt euch einen Nachmittag Zeit und geht dort spazieren. So müsst ihr es machen! Dann wird euch der Wald schon sagen, was er euch zu sagen hat.

Schreibe einen Kommentar