Dialog 335

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Ihr Suchenden, das ist doch gar nicht so schwer! Fangt beim Einfachsten an und fragt euch, was ihr als allernächstes wollt. Dann ist schon viel gewonnen. Wenn ihr nämlich das wisst, dann könnt ihr wiederum nach dem Nächsten suchen und so weiter. Ich meine damit nämlich nicht, dass ihr den Sinn eures Lebens entschlüsseln müsst, bevor ihr weiter kommt. Einfach das Nächstnaheliegende suchen, sehen und tun! Es ist immer wieder dasselbe.

Dialog 335 – 28.02.1988

Monika:
Jörg hat immer öfter Kopfweh, wenn er das Haus betritt, und ich beginne mich auch unwohl zu fühlen. Ich glaube, wir stellen für die WG-Leute eine große zusätzliche Belastung dar. Einmal durch die Beengung, die wir verursachen, und zum anderen durch unsere Situation und wie wir damit umgehen. Ch. leidet besonders, weil sie uns ihr eigenes Zimmer zur Verfügung gestellt hat.

Wir sind inzwischen zwei Wochen hier und hätten in ihren Augen längst einen Job annehmen können. Ich glaube, es fällt ihnen schwer zu akzeptieren, dass wir uns die Freiheit nehmen, den für uns richtige Weg zu gehen. Wir leben hier auf ihre Kosten, wir haben Schulden bei ihnen. Und doch verhalten wir uns so, als hätten wir alle Zeit der Welt. So etwa muss es für sie aussehen.

Nun finde ich zwar, dass wir es ganz richtig machen. Aber ich finde auch, dass wir uns nach einer eigenen Wohnung umsehen sollten und darauf vertrauen, dass wir auch die Mittel dazu haben werden, wenn wir sie brauchen. Da es aber kein Zufall ist, dass wir gerade hier sind, und du gesagt hast, wir hätten hier einiges zu lernen, möchte ich dich bitten uns zu sagen, ob wir hier aushalten sollen, weil es dein Wille ist, oder ob du uns gestattest, uns nach einer anderen Wohnmöglichkeit umzusehen.

Es reizt mich sehr, mich um eine EDV-Schulung zu bemühen. Die DAG bietet zum Beispiel Kurse in Textverarbeitung an und ich merke, dass mich das brennend interessiert. Und ich wollte, wir könnten einen PC anschaffen.

Ihr verspannt euch und eure Freunde verspannen sich, weil ihr nicht wisst, was ihr wollt. Der ganze Kummer wäre völlig unnötig, wenn ihr mehr auf euch als auf andere achten würdet. Dabei wisst ihr doch eigentlich, was ihr wollt. Aber ihr traut euch nichts zu. Deshalb verheddern sich die Ideen und manches gerät ins Netz, das aussortierte gehört.

Oder ihr setzt falsche Schwerpunkte. Die Anschaffung eines PCs spukt euch im Kopf herum, als sei es etwas, das Wunder bewirken und eure Situation lösen könne. Nichts gegen einen PC, doch ihr messt ihm viel zu viel Bedeutung bei. So etwas gehört schon zu euch, aber am Rande! Erst muss der Inhalt da sein. Und der ist zurzeit zwar ansatzweise erkannt, aber noch längst nicht klar.

Deshalb aber seid ihr dort wo ihr seid. Und das ist es, was ihr dort unter anderem lernen sollt: Was wollt ihr eigentlich?

In Frankreich habt ihr den wesentlichen ersten Schritt getan. In der Bretagne wurde euch gezeigt, dass ihr Freiheit und Raum braucht. Dort habt ihr außerdem gelernt zu leiden und zu vertrauen, ohne die Hoffnung zu verlieren. Dort wurdet ihr gestählt. Aber dort wurde nicht eure eigentliche Richtung und Bestimmung festgelegt. Die z finden und möglicherweise endlich zu entwickeln, seid ihr jetzt hier in Deutschland. Bei genau diesen Freunden.

Wüsstet ihr was ihr wollt, wärt ihr so überzeugend, dass niemand auf den Gedanken käme euch zu kritisieren. Es ist euer Zaudern, das Raum für Fragen und Zweifel schafft.

Wenn ihr zu dem Schluss gekommen seid, ein Haus suchen zu wollen, dann ist das gut so. Macht euch nur sofort auf die Suche. Was aber die Mittel betrifft, die dazu nötig sind, so genügt nicht Vertrauen alleine , sondern ihr müsst auch lernen, was ihr wollt!

Ihr Suchenden, das ist doch gar nicht so schwer! Fangt beim Einfachsten an und fragt euch, was ihr als allernächstes wollt. Dann ist schon viel gewonnen. Wenn ihr das nämlich wisst, dann könnt ihr wiederum nach dem Nächsten suchen und so weiter. Ich meine damit nämlich nicht, dass ihr den Sinn eures Lebens entschlüsseln müsst, bevor ihr weiter kommt. Einfach das Nächstnaheliegende suchen, sehen und tun! Es ist immer wieder dasselbe.

Wollt ihr viel Raum um euch haben? Dann ist das euer nächstes Ziel. Wollt ihr viel Geld verdienen? Dann ist notfalls das euer nächstes Ziel. Sucht das Nächstnaheliegende! Das ist der beste Rat, den ich euch geben kann.

Was wollt ihr jetzt? Als Allernächste?

Natürlich muss die Antwort auf diese Frage etwas in euch zum Klingen bringen. Wenn einer von euch sagen würde: „Ich will als Allernächstes einen PC!“, dann ist ihm nicht zu helfen. Der PC ist Beiwerk für euch. Ein Spielzeug, mehr nicht. Überschätzt das nicht, was hinter dem Begriff steht. Ihr lauft in Gefahr euch darin zu verlieren.

Ich bin nicht etwa gegen so ein Gerät. Ich bin nur dagegen, dass ihr ihm zu viel inneren Raum gebt.

Darum frage dich: Wenn dich die EDV Schulung so brennend interessiert, klingt da etwas an, das nachhaltig schwingt? Oder ist es nur ein Strohfeuer, das da brennt? Es muss sich daraus erkennen lassen, warum es so wichtig ist. Wenn es sich nicht erkennen lässt, wenn nicht wenigstens irgendetwas in einem wirklich mitschwingt, dann ist Vorsicht geboten.

Es würde genügen, wenn du tief im Inneren wirklich wüsstest, dass du das willst und brauchst, ohne dass du jetzt sagen könntest wozu. Es müsste dann aber ein so starker Wunsch sein, dass du alles dahinter zurückstellen würdest! Ist das der Fall? Ja oder Nein? Bist du dir sicher oder unsicher?

Du musst dich nicht heute entscheiden.  Aber du solltest dich entscheiden, bevor du so etwas anfängst.

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