Dialog 336

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Um ein neues Land zu erfassen, gibt es auch keine Gebrauchsanleitung. Und nur Ignoranten machen sich einen Plan und besuchen erst alle Klöster, dann alle Burgen und dann alle Museen und so weiter. Der wirklich Lernende betritt das Land mit offenen Sinnen und ist wach und aufmerksam für alles.

Dialog 336 – 05.03.1988

Monika:
Ich habe heute ein Rutengänger-Seminar besucht. Bis auf den praktischen Teil ist es mir wie immer gegangen – es hat mich nicht zu packen vermocht, nichts war neu, alles mir irgendwie bekannt. Es war sehr interessant, aber es fehlte etwas und ich weiß nicht was.

Dann die Teilnehmer, von denen mir manche unangenehm waren. Alle habe ich sie gleich wieder „in Schubladen gesteckt“. Ich meine, ich habe sie als einem bestimmten Charaktertyp zugehörig gesehen. Es ist ein wenig, wie die Charaktere in einem Roman von Agathe Christie. Und genauso unwirklich.

Der praktische Teil hat mir wirklich Spaß gemacht, aber dann als ich Jörg ganz stolz vorführen wollte, was ich gelernt hatte, da hat er es nicht ernst genommen und sogar unterstellt, ich würde die Rute manipulieren. Das hat mich sehr verunsichert.

Natürlich wird es immer seltener geschehen, dass jemand dich mit seinem Wissen wirklich zu fesseln vermag. Es wäre ja auch seltsam, wenn unsere vereinten Bemühungen in den letzten Jahren so wenig erbracht hätten. Du hast auf deinem persönlichen Lernweg schon viele andere hinter dir gelassen.

Dennoch liegt noch ein langes Stück Weg vor dir und du wirst noch manche Lehrer treffen müssen. Diese Lehrer werden dir aber in der Regel nicht als solche erscheinen. Die meisten wirst du als Lehrer gar nicht erkennen. Und doch wird jeder von ihnen dir den einen oder anderen Rat geben, der für dich bedeutsam ist, dich in neue Richtungen lenkt. Oder er wird dein Leben verändern, indem er dich vielleicht auch nur ganz kurz berührt – und du hast es verstanden.

In Kursen und Seminaren wirst du deine Lehrer am wenigsten finden. Aber das ist kein Grund, solche Seminare nicht dennoch zu besuchen. Es ist immer interessant zu messen, wo man selbst steht, denn geistiges Lernen ist ein unsichtbares Lernen und man ist oft sehr alleine damit. Außerdem mag sich hier und da ein Lehrer für dich unter das Publikum mischen.

Aber pass auf: Manche von ihnen können ganz schön albern sein. Sie prüfen dich mit den überraschendsten Dingen und testen so deine Reife. Bestehst du den Test, hast du einen Lehrer gefunden, der dich – mehr oder weniger offiziell – begleitet, solange du seiner bedarfst. Bestehst du ihn nicht, werden die Dinge sich anders für dich weiterentwickeln.

Du tätest gut daran, allgemein die Menschen um dich herum weniger als das zu sehen, was sie zu sein scheinen. Es sind Engel unter ihnen, die dich begleiten, beschützen oder einfach nur in deiner Nähe sind. Und es sind manchmal mögliche Lehrer darunter, die dich aufgesucht haben, um zu sehen, wo du mit dir stehst. Denke nicht, dass du alleine bist. Und wenn ich sage, dass du auf deinem Weg schon viele hinter dir gelassen hast, so bezieht sich das natürlich ausschließlich auf Menschen.

Je weniger Menschen aber auf deinem Weg sind, umso häufiger triffst du nun auf „die Anderen“. Es sind aber auch Verlockungen und Bedrohungen unter ihnen, die menschliche Gestalt angenommen haben.

Ich sage dir das alles, weil du dich einer neuen Phase deines Lernens zu nähern beginnst. Deine Wahrnehmungen auf dem Rutengänger-Seminar haben deutlich gezeigt, dass du für diesen nächsten Schritt herangereift bist.

Achte von nun an mit mehr Aufmerksamkeit auf die Menschen um dich herum. Du wirst mich fragen wollen, wie du das tun und worauf du achten solltest. Das aber kann ich dir nicht sagen. Du würdest mit der Antwort nichts anfangen können.

Denke daran, du betrittst sozusagen eine neue Phase des Lernens. Es ist wie das Betreten eines neuen Landes. Um ein neues Land zu erfassen, gibt es auch keine Gebrauchsanleitung. Und nur Ignoranten machen sich einen Plan und besuchen erst alle Klöster, dann alle Burgen und dann alle Museen und so weiter. Der wirklich Lernende betritt das Land mit offenen Sinnen und ist wach und aufmerksam für alles. Außerdem kannst du mich ja immer fragen. Ich werde dir helfen, soweit es sinnvoll für dich ist.

Zum Rutengehen noch so viel: Ruten sind wie Pendel nur Hilfsmittel, quasi verlängerte innere Sensoren. Wirklich fühlige Menschen brauchen diese Hilfsmittel gar nicht. Und das Problem mit diesen Mitteln ist, dass man sehr leicht in einem Gestrüpp von menschlichen Wahrheiten und Halbwahrheiten stecken bleiben kann. Denn vielfach füllen die Menschen, die ein Drittel „verstanden“ haben, die fehlenden zwei Drittel mit Unsinn auf und nennen das Ganze dann eine Lehre.

Mache ruhig deine Übungen mit der Rute. Es nützt dir bestimmt, deine Sensibilität zu schulen. Aber versuche immer zu erreichen, eines Tages „über die Rute hinauszuwachsen“. Natürlich gelten für dich durchaus die Ratschläge der Menschen, die sich mit diesen Geräten beschäftigt haben. Es ist ja nicht so, dass du gar nichts von ihnen zu lernen hättest. Im Gegenteil: Das bisschen Wissen, das sie haben, solltest du schon zu deinem Wissensschatz hinzu tun.

Ansonsten kann ich dir nur sagen: Rutengehen ist eine der Formen Energie aufzunehmen und sichtbar werden zu lassen. Konzentriere dich auch in diesem Fall darauf die Energie zu spüren und nicht darauf einen sauberen Rutenausschlag zu haben. Stelle dir sozusagen vor, die Rute sei eine Art verlängerte Antenne, mit der du ganz bestimmte Schwingungen aufnehmen kannst, für die du bisher noch nicht die richtigen Empfangseinrichtungen hattest. Dann weißt du, wozu dir die Rute nützlich sein kann!

Jörgs Kritik an deiner Vorführung war eine richtige Wahrnehmung davon, dass du nur mit den Äußerlichkeiten dieser Kunst hantiert hast – und das auch noch übereilt. Du gehst immer wieder viel zu hastig und zu ungeduldig an die Dinge heran.

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