Dialog 337

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Jeder Mensch ist auf dem Weg. Und jeder ist so weit vorangekommen, wie es ihm möglich war. Solange du diese Wahrheit nur mit dem Verstand erfassen kannst, wirst du dich einsam fühlen und darunter leiden. Erst wenn du keinen Unterschied mehr machst zwischen dir und anderen und trotzdem den Unterschied kennst (!), wirst du frei von diesem Zwang sein.

Dialog 337 – 14.03.1988

Monika:
Bitte hilf mir! Ich schaffe es einfach nicht mich hier zu stabilisieren. Meine Übungen sind eine einzige Anstrengung und Kampf, sie machen mich so müde, dass ich oft dabei einschlafe. Außerdem leide ich sehr darunter, dass ich mich niemandem mitteilen kann. Jörg ist ganz selten ansprechbar und bereit mir nahe zu sein. Es fehlt mir ganz einfach noch ein anderer Ansprechpartner, selbst dann, wenn Jörg „mehr bei mir“ wäre. Ich fühle mich sehr einsam, ständig den Tränen nahe und erschöpft.

Das Wochenendseminar hat das noch verstärkt. Ich meine das nicht negativ. Ich bin nur so alleine mit alledem. Dieser Seminarleiter war eine kraftvolle Persönlichkeit. Obwohl ich in manchen Dingen nicht seiner Meinung bin, so hat mich doch seine innere Festigkeit und seine Fähigkeit zu „sehen“ beeindruckt. Ich weiß nicht, ob er alles von mir gesehen hat oder nur meine Problemstellen. Während einer Meditation hat er eine Geistheilung bei mir gemacht. Ich spürte sehr deutlich , wie er meine Aura berührt hat und insbesondere, wie er „etwas aus meiner Bauchmitte genommen oder zumindest hinein gefasst hat“. Ich fühle mich aber nicht ganz wohl damit, dass ich nicht weiß, was da genau passiert ist.

Das Seminar selbst hat mich sehr berührt. Einerseits im positiven Sinne, weil es wirklich gut war und der Seminarleiter weitgehend authentisch. Andererseits leide ich sehr darunter, dass ich mich weder zu den Teilnehmern zugehörig fühlen konnte, noch mit dem Seminarleiter ebenbürtig reden konnte. Ich fühlte mich durchaus auf gleicher Stufe mit ihm, aber ich spürte auch, dass ich noch nicht stabil genug bin, damit dies auch von anderen wahrgenommen wird. Irgendwie hatte ich auch erwartet, dass ein Geistheiler mich „erkennen“ kann und das, was ich sage, zumindest überdenkt.

Ich finde es einfach nicht richtig, Worte wie Schuld und Karma oder gar Schuldeinlösung zu benutzen. Es kann doch nicht stimmen, dass man in jedem Leben eine Schuld aus dem vergangenen abzutragen hat, wenn man in jedem Leben doch immer nur das tut, wozu man eben in der Lage ist. Ich finde solche Worte sehr beladen mit Strafe und Angst. Warum aber kann ich mich nicht verständlich machen? Immer wieder passiert es, dass man mich dann behandelt, als verstünde ich von der Sache nichts und verstrickte mich nur in meine eigenen Probleme damit.

Wohin soll ich denn mit meinen ganzen Wahrnehmungen, mit meinen Interessen, meinen Fähigkeiten, wenn mich alle Welt für verrückt hält? Die Leute hier in der WG machen sofort dicht, wenn ich auch nur ansatzweise von dem erzähle, was mich wirklich beschäftigt oder was ich erlebt habe. Man toleriert mich wie man eine arme Irre toleriert, weil sie halt nicht anders kann. Ich finde es sehr schwer diese Einsamkeit zu ertragen, zumal ich die Stabilität der Übungen, wie ich sie zum Schluss in der Bretagne hatte, hier nicht zum Ausgleich habe. Ich bin in einem sehr aufgelösten Zustand und bitte dich um Hilfe!

Den Weg des Verständnisses zu beschreiten, der den Blick für das Wirkliche schult, das hinter dem Sichtbaren steht, dieser Weg ist immer ein sehr einsamer, den jeder für sich alleine gehen muss. Es ist kein Spaziergang. Wenn du die Ebene verlässt, auf der die anderen Menschen leben, wenn du die Dinge nicht mehr mit ihren Augen siehst oder sehen kannst, ist es nicht verwunderlich, wenn Fremdheit zwischen euch aufkommt.

Zurzeit bist du auf deinem Weg alleine. Du bist für dich und zu dir und deinen Möglichkeiten unterwegs. Mit Jörg kannst du dich darüber zwar austauschen, aber richtig begleiten kann auch er nicht. So wenig wie du ihn auf seiner Reise begleiten kannst. Immerhin versteht ihr beide euch und jeder weiß, was der andere redet und fühlt. Wer aber außen vor dem Tor stehengeblieben ist und den Weg gar nicht erst begonnen hat, der kann euch nicht mehr folgen!

Ihr müsst eines sehen: Was ihr tut, ist längst keine Spiel mehr, sondern voller Ernst! Als ihr den Spessart verlassen habt, traft ihr eine Entscheidung, die viele die euch kannten sehr verunsichert hat. Ihr habt euch auf euren Weg gemacht und auf dem seid ihr noch immer unterwegs. Dass ihr jetzt physisch bei Freunden seid, heißt noch lange nicht, dass sie euch auch nahe sein können. Zwischen euch liegt eine große Entfernung, die nicht so leicht zu überbrücken ist.

Viele Menschen leben durchaus auf der äußeren Ebene weiter und betreiben die Such nach dem Inneren eher als interessanten Zeitvertreib. Das sind dann die, die alle einschlägigen Seminare besuchen. Aber sie haben ihren Platz „in der Welt“ deshalb nicht aufgegeben und sind daher für ihre Freunde und Verwandten immer noch erreichbar.

Bei euch ist das anders. Ihr seid längst nicht mehr erreichbar genug, weil ihr die äußere Ebene verlassen habt. Einmal zum Wissen durchgedrungen, wird sich das ändern. Denn dann werdet ihr beiden erfahren, dass zwischen der äußeren und der inneren Welt kein wirklicher Unterschied besteht, sondern alles eins ist und ich in allem bin, selbst in der Ratlosigkeit eurer Freunde. Dann werdet ihr auch wieder für jede anderen Menschen „da“ und „erreichbar“ und bestimmt nicht mehr unheimlich sein. Und doch werdet ihr nicht wirklich „da“ sein. Dann könnt ihr in beiden Ebenen ein und aus gehen und keiner wird euch anmerken, dass ihr mehr verstanden habt und weiter gekommen seid als andere. Ihr werdet unauffällig wirken als jetzt und viel weniger von den Dingen reden, die euch jetzt noch so beschäftigen und andere so verunsichern können.

Die Einsamkeit, Monika, die du jetzt durchlebst, gehört mit zu dem Weg und markiert eine bestimmte, sehr typische Stelle auf dem Weg, den du gehst. Und auch das Leid, das mit dieser Einsamkeit verbunden ist, gehört deshalb dazu. Es gehört auch dazu, dass du auf diesem Weg nicht auseinander halten kannst, wer wer ist. Du siehst deutlich eigentlich nur, wer hinter dir zurückgeblieben ist. Du siehst noch nicht, wer neben dir einherschreitet, noch wer schon vor dir ist. Denn in Wahrheit bist du natürlich gar nicht einsam, sondern befindest dich in bester Gesellschaft – nur weißt (siehst) du es nicht. Und sehr oft triffst du auf Menschen, mit denen du dich sehr gut über all diese Dinge verständigen könntest, wenn du sehen und erkennen könntest, wer da vor dir steht!

Du fühlst dich alleine und bist doch umgeben von lauter Wissenden! Weil du aber nur dich selbst und dein Leid siehst, ist dein Blick nicht frei genug dafür, das zu sehen, was wirklich ist. Das ist kein Vorwurf, denn es gehört dazu, durch dieses Leid zu gehen. Bei dir ist es Leid, bei anderen ist es Qual und Kampf, Krankheit und Tod, wenn der Wille nicht stark genug war und neu geboren werden muss.

Ich sage dir: Eines Tages wird es sein, als habe man dir eine Augenbinde abgenommen und Pfropfen aus den Ohren. Und dann wirst du um dich gucken und so viele werden dir ganz nahe sein und du ihnen. Und sie waren dir immer nahe gewesen, nur hast du sie nicht sehen können.

So hast du auch diesen Seminarleiter nur zum Teil und durch deine „Brille“ wahrgenommen. Aber auch er hat nichts anderes getan. Er ist nicht „weiter“ als du. Diese Bewertungen irritieren ohnehin nur, denn es gibt solche Abstände ja gar nicht. Aber er hat seine Kraft etwas besser gebündelt als du. Dir zerfließt sie oft aus den Händen, du kannst sie nicht halten. Deshalb kannst du sie auch noch nicht gezielt einsetzen, außer hier und da ansatzweise einmal. Weswegen du dich so oft ausgelaugt und leer fühlen musst. Er hat das schon besser im Griff, das hast du ja gemerkt. Aber ansonsten fehlt ihm noch viel an wirklichem Wissen um die Zusammenhänge der Dinge und er probiert nicht viel anders herum als du. Bei ihm könnte man sagen, dass er eine Spur gewittert hat und sie jetzt verfolgt, während du noch nach einer solchen Spur suchst.

Man braucht solche Spuren nicht unbedingt, denn wer weiß wonach er sucht, wird immer am Ziel ankommen, früher oder später. Hat man aber eine solche Spur gefunden, hilft das oft sehr sich zu orientieren. Manche Spuren sind aber auch dazu da, einen in die Irre zu führen!

Er zum Beispiel sieht mehr als andere. Er kann Krankheit durchaus „sehen“, wenn auch noch nicht sehr gut. Lass dich davon nicht zu sehr beeindrucken, jeder entwickelt da sein Spezialgebiet. Warte einmal ab, bis zu soweit bist!

Er hat dein starkes Energiezentrum gespürt und hat es berührt, weil es ihn automatisch angezogen hat. Das ist alles, was geschehen ist, mehr ist dazu nicht zu sagen.

Die Sache mit dem Karma ist natürlich ein Missverständnis. Es ist einfach die negative Umkehrung der Einsicht, dass geistiges Wachstum ein schmerzhafter Prozess ist. Mit Schuld hat das nichts zu tun. Und das ganze Gedankengebäude, das darüber errichtet worden ist, ist die Mühe nicht wert sich damit zu beschäftigen. Es ist doch alles so viel einfacher: Suche mich, gehe deinen Weg, lerne und wachse!

Meine Botschaften können immer nur begleitende Erklärungshilfen sein. Niemals werden sie dazu dienen, dir einen Schritt zu ersparen, der gegangen werden muss, wie du weißt. Und so ist es auch hier: Deine Freunde können nicht viel mit dir anfangen, weil du nicht viel mit ihnen anfangen kannst! Du empfindest ihre Art zu leben für weniger richtig als deine und rückst von ihnen ab. Du sollst aber lernen, dass sie auf ihrem Weg an genau der richtigen Stelle stehen, verstehst du?

Nein, das kannst du nicht verstehen. Und aus diesem Grunde musst du es erfahren. Du musst die Einsamkeit durchleben, als sei sie da, obwohl sie gar nicht wirklich da ist. Für dich aber ist sie schmerzhafte Wirklichkeit, jedoch nur für dich. Nur du kannst sie sehen, niemand sonst, auch Jörg nicht, denn in Wirklichkeit existiert sie ja gar nicht, die Einsamkeit. Es ist ganz alleine deine. Und so ist deine Zeit in dieser WG solange bemessen wie notwendig.

Jeder Mensch ist auf dem Weg. Und jeder ist so weit vorangekommen, wie es ihm möglich war. Solange du diese Wahrheit nur mit dem Verstand erfassen kannst, wirst du dich einsam fühlen und darunter leiden. Erst wenn du keinen Unterschied mehr machst zwischen dir und anderen und trotzdem den Unterschied kennst (!), wirst du frei von diesem Zwang sein.

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