Dialog 338

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Ich erinnere euch wieder einmal an das kosmische Gesetz, dass eine Tür immer nur dann aufgehen kann, wenn eine andere zuvor geschlossen worden ist. Wenn sich die Dinge für einen nicht entwickeln wollen, wie man es für richtig hält, sollte man sich fragen, ob man eigentlich bereit war oder zumindest wäre, eine solche Tür in seinem Leben zu schließen. Ob man also bereits einen neuen Weg eingeschlagen hat oder zumindest bereit dazu wäre.

Dialog 338 – 16.03.1988

Monika:
So langsam schälen sich in meinem Erleben hier einige wirklich wichtige Dinge heraus. Zum Beispiel sehne ich mich fast danach zurück wie es ernährungsmäßig war, als wir kein Geld hatten. Ich merke, dass ich sehr viel hatte an dem selbstgebackenen Brot aus frisch gemahlenem Korn und den paar Gemüsen. Hier gibt es immer einen reichlich gedeckten Tisch und am Anfang fand ich es toll, mal nach Herzenslust Wurst und Schinken essen zu können. Doch inzwischen spüre ich, dass mein Körper andere Dinge braucht. Und jetzt, wo ich die reine Lust befriedigt habe, sehne ich mich nach einem einfachen, aber rohkostreichen, wertvollen Essen.

Ich verstehe nur nicht, warum ich das hier nicht leben kann, warum ich weiterhin Dinge esse, die ich eigentlich gar nicht mehr will, warum ich mir nicht einfach Gemüse kaufe und eben nicht mit den anderen zusammen esse.

Immer deutlicher wird mir auch, dass das Leben, das ich führen möchte, auch auf der materiellen Ebene ein qualitativ gutes Leben sein. Ich möchte nicht viel haben, doch die Dinge, die ich habe, sollten von hoher Qualität sein. Mit Schaudern denke ich an den ganzen Ramsch, der noch in der Bretagne steht. Wir werden ihn holen, aber ich werde mit Sicherheit nach und nach alles durch schöne Dinge ersetzen. Dinge, die mir Kraft geben, anstatt sie mir zu nehmen.

Auch bin ich sehr froh darüber, dass wir beide die gleichen Vorstellungen von einem komfortablen Haus haben. Ab und zu bekomme ich aber ein schlechtes Gewissen, weil ich unsicher bin, ob ich mir nicht einfach Luxus wünsche oder ob ich das alles wirklich brauche, um mir eine kraftvolle Umgebung zu schaffen.

Andererseits merke ich inzwischen ziemlich schnell, wenn ich mich in einen Genussrausch habe fallen lassen, dass mich das nicht lange befriedigen kann. Nur, bei Möbeln ist das nicht so einfach. Einerseits glaube ich, dass es wichtig ist, mich an den Dingen die mich umgeben erfreuen zu können. Andererseits sind das sehr besitzorientierte, weltliche Dinge, über die man eigentlich stehen sollte.

Würdest du mir bitte etwas zu dem Thema sagen?

Jörg:
Ich habe eine Frage zum Auto. Da ist wohl bald eine sehr teure Reparatur fällig. Wir wissen nicht, wie wir die bezahlen sollen, oder was wir tun sollen. Bei mir herrscht ein ziemliches Durcheinander. Einerseits bin ich, wie gesagt, ratlos. Andererseits „weiß“ ich so ganz unklar und weit hinten, dass alles schon recht ist so. Und obwohl dieses Wissen wirklich sehr weit weg ist, gibt es mir trotzdem eine gewisse Sicherheit.

Dennoch kann doch irgendetwas nicht ganz stimmen. Monika hat Fragen zu schöner wohnen in schöner Umgebung, beide haben wir das Gefühl, dass die Zeit der Lupen und der ganzen Marginalität vorbei zu sein hat. Denn warum sonst hätten wir nach Deutschland kommen sollen? Aber trotzdem bewegen sich die Dinge noch immer mit erschreckender Trägheit.

Du hältst uns sehr im Unklaren darüber. Aber wir brauchen Antworten. Wir brauchen wirklich Rat und Hilfe. Wie sollen wir mit dem Auto verfahren? Was sollen wir tun, wenn wir ein Haus finden, das uns gefällt? Anmieten, obwohl noch kein richtiges Einkommen da ist? Du brauchst nur JA zu sagen, dann habe ich keine Bedenken. Bleibst du aber mit deiner Antwort unklar, dann würde ich zögern. Und gibt es denn keine klare Antwort von dir zu der Frage, ob wir wirklich genug für unsere Situation tun? Sind wir in Deutschland um Geld zu verdienen? Und ist es richtig, wenn wir in den Süden wollen oder spinnen wir da? Haben wir hier andere Dinge zu lernen? Bitte gib uns doch darauf eine Antwort. Möglichst eine, die wir auch verstehen.

Ich erinnere euch wieder einmal an das kosmische Gesetz, dass eine Tür immer nur dann aufgehen kann, wenn eine andere zuvor geschlossen worden ist. Wenn sich die Dinge für einen nicht entwickeln wollen, wie man es für richtig hält, sollte man sich fragen, ob man eigentlich bereit war oder zumindest wäre, eine solche Tür in seinem Leben zu schließen. Ob man also bereits einen neuen Weg eingeschlagen hat oder zumindest bereit dazu wäre.

Marginalität musstet ihr erleben, um erstens zu lernen, wie reich man mit wenigem sein kann. Ein wenig habt ihr das schon erkannt. Zweitens aber musste es so sein, weil ihr die Sicherheit gewinnen solltet, dass tatsächlich für eure notwendigsten Bedürfnisse gesorgt sein würde, wenn ihr danach verlangt.

Und jetzt passt einmal auf: Ihr habt an mich immer die Erwartung gehabt, dass ich für euch sorgen würde. Aber ihr selbst habt das Maß dabei festgelegt: Er wir immer für das Nötigste sorgen, habt ihr gesagt. Das war eure innere Erwartung. An mehr habt ihr nicht geglaubt. Und deshalb habt ihr auch genau das bekommen.

Dass ihr euch zwischendurch mehr Luxus gewünscht habt, hat daran nichts geändert. Nichts ändern können, denn das waren Gedanken ohne Kraft, weil sie nicht aus eurem Willen kamen. Euer Willen war auf das schlichte Überleben ausgerichtet.

Wenn du jetzt mehr Bewertungen wie Besitzdenken. Entscheidend ist nur dieses: Hat sich in eurem Leben wirklich etwas geändert? Habt ihr eine Tür hinter euch geschlossen? Wollt ihr wirklich etwas anderes oder wünscht ihr euch das nur?

Wirklich wollen ist eine ganz klare Sache. Eine ganz klare innere Entscheidung, bei der alles, das ganze Leben, auf dieses eine Ziel ausgerichtet wird. Sich einen Zustand nur zu wünschen ändert gar nichts. Das ist wie fliegen wollen und nur unbeholfene Luftsprünge zu machen. Prüft einmal euer Innerstes, ob ihr wirklich bereit seid ein neues Leben zu beginnen.

Ich habe euch au der Bretagne zurückgerufen, weil es für euch dort nichts mehr zu lernen gab. Ihr wärt immer weiter auf dem Trip der Marginalität weitergegangen. Von Rechnung zu Rechnung und von Geldproblem zu Geldproblem.

Insofern ist da eine Tür geschlossen worden. Aber es ist nur die erste, die äußere. Wie steht es mit der inneren?

Gutes Essen, schöne Kleider, schöne Möbel, ein schönes Haus, daran ist nichts vermessen. Ihr könnt das alles haben, wenn ihr wollt. Aber eben auch nur dann. Ich bin doch nicht der Weihnachtsmann! Und wünschen ist nicht wollen. Wollen heißt, ich sage es noch einmal: Ändert euer Leben!

Lasst euch nicht verführen vom süßen Leben in der WG eurer Freunde, wo der Tisch so reichlich (aber schlecht) gedeckt ist, sondern wollt bessere Nahrung! Monikas Bedürfnis danach ist der Ruf ihres Innersten (mein Ruf) nach Reinheit, nach Klarheit, nach Zielgerichtetheit.

Ihr müsst euch innerlich ändern, dürft euch nicht mehr so gehen lassen. Euer Innerstes muss sich straffen und euer Wille muss sich stählen und ausrichten auf höhere Ziele als nur das Nötigste. Dann, Jörg, werden die Dinge sehr bald in Bewegung kommen, anstatt sich mit „erschreckender Trägheit“ zu bewegen.

Ihr braucht gesunde Körper, keine kranken. Deshalb müsst ihr ein stärkeres Bedürfnis nach guter Nahrung entwickeln als die Gelüste auf schlechte. Die sind sehr stark, eure Bedürfnisse nach gesunder Nahrung sind es nicht. Wie soll da etwas für euch in Bewegung kommen?

Es ist aber nicht die Lösung, sich jetzt eiligst voll Naturkostwaren zu stopfen und die bisherige Nahrung abzulehnen, wenn man es nicht wirklich will.

Ich sage euch nur, wie es sein muss, damit sich etwas ändern kann. Prüft einmal beide nach, jeder für sich ganz im Stillen und beide gemeinsam: Haben wir wirklich eine Tür geschlossen? Und wollen wir eine andere öffnen? Wenn ja, dann müsste sich einiges in eurem Leben geändert haben. Ist das der Fall?

So, Jörg, ich hoffe, dir ist das konkret genug. Eure innere Entscheidungslosigkeit ist der Hauptgrund dafür, dass es immer wieder hakt. Jetzt kommst du schon wieder mit einer Rechnung und jammerst, dass ihr sie nicht bezahlen könnt! Zum Donnerschlag, hat sich denn bei euch überhaupt nichts geändert?

Ihr müsst sie bezahlen, ihr könnt sie auch bezahlen. Ihr müsst nur wollen! New Age, Neues Zeitalter, Neuer Geist – das alles bejahrt ihr. Aber an euch wollt ihr nichts verändern.

Ich rate euch folgendes:
Geht in Ruhe und Aufmerksamkeit durch eure geplante Fastenwoche und betrachtet es als einen Auftakt für ein neues Leben mit wachsendem Willen! Nicht als nette kleine Abwechslung zwischendurch, nach der man dann wieder zur Tagesordnung übergeht.

Wenn ihr jetzt ein Haus seht und ihr wollt es, seid also sicher, dass ihr es wirklich wollt, dann mietet es. Aber dann seid euch auch darüber im Klaren, dass dieser Wille stimmen muss und dass er Konsequenzen verlangt.

Was du, Jörg, von mir hören willst, nämlich dass ich ja sagen soll, das ist nicht besonders risikofreudig. Du willst die Verantwortung auf mich schieben. Nix da!

Und was das Auto betrifft: Wenn ihr euch nicht entschließt, eine Tür endlich mal hinter euch zu schließen und eine neue vor euch zu öffnen, wird alles Stück für Stück zerfallen und zu Bruch gehen, bis ihr nichts mehr habt. Die Bretagne hat ihren Zweck erfüllt, denkt daran. Jetzt habt ihr das Gedankenbild erschaffen mehr haben zu wollen, jetzt gilt also auch die entsprechende Regel dafür. Der Zug hat sich in Bewegung gesetzt und ist nicht mehr aufzuhalten. Im Klartext: Ich werde euch nicht mehr nur das Allernötigste beschaffen. Ich will, dass ihr mehr erreicht.

Monika:
Da ist was dran, an dem was du sagst. Aber ich bin mir sicher, über das Stadium des Wünschens hinaus zu sein. Da hat sich etwas verändert. Mit dieser Veränderung aber ist auch die Trägheit gewachsen. So ähnlich wie das kleine Ich sich stärker wehrt, wenn man einen Schritt nach vorne macht. Die Richtung ist klar, die haben wir doch auch eingeschlagen, aber die Einzelheiten sind immer noch Anlass für Konflikte. Wie können wir mit dieser Trägheit umgehen?

Jörg:
Auch ich empfinde deine Worte als richtig. Ich bin mir allerdings nicht so sicher, in welchem Stadium zwischen Wünschen und Wollen ich mich befinde. Kannst du mir das sagen? Und auch ich empfinde diese Trägheit momentan sehr stark und würde gerne wissen, wie man mit ihr umgeht.

Monika, du bist über das Stadium des Wünschens hinaus, gut, aber du bist noch nicht beim Wollen angekommen. Sonst gäbe es keine Trägheit und das kleine Ich könnte dir überhaupt nichts anhaben.

Dasselbe gilt auch für dich, Jörg. Ihr seid beide an ganz genau derselben Stelle: Zwischen Wunsch und Wille, vom Wunsch angezogen, zum Wollen noch nicht wirklich bereit und mit den Gewichten eines kleinen Ichs an den Beinen.

Wie man mit dieser Trägheit umgehen kann? Jedenfalls nicht, indem man darauf wartet, dass sie von selbst verschwindet. Man muss stärker sein als das kleine Ich, ganz „einfach“.

Lebensregel: Alles unterlassen lernen, was euren Zielen hinderlich ist, alles tun lernen, was ihnen nützt.
Beispiel: Nützt es den Zielen (Welchen? Definiert sie, um sicher zu sein, dass ihr dieselben habt), Jörg, abends so viel Bier oder Wein zu trinken, dass es nur noch zum Schlafen reicht?

Versteht das nicht falsch. Es ist nichts damit gewonnen, jetzt mit dem eisernen Besen durchkehren zu wollen und alle schlechten Gewohnheiten rauszuwerfen. Ihr müsst es auch wollen. Müsst Lust darauf haben besser, zielgerichteter, gesünder zu leben. Dann werdet ihr euch wundern, was alles mit euch passiert.

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