Dialog 353 – Spirituelle Geburt

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Mir die Sorgen zu übergeben heißt, mir auch zu vertrauen. Du hoffst wohl, dass du mir vertrauen kannst, aber du tust es nicht wirklich. Solange kann ich dir nicht helfen.

Spirituelle Geburt

Für die Zeit zwischen September 1988 und Oktober 1990 sind unsere Aufzeichnungen leider verlorengegangen. Ich hatte im Herbst 1988 eine feste Anstellung bei einer Zeitarbeitsfirma bekommen und Jörg versuchte weiterhin sich als freier Texter etwas aufzubauen. Anfang 1989 kündigte meine Tochter durch einen Traum an, dass sie von mir geboren werden wollte. Ich hatte eigentlich genug Stress mit einem Kind, aber der Traum war so stark, dass es ganz selbstverständlich schien ihm zu folgen. Drei Wochen später war ich schwanger.

Im Sommer 1989 nahm Jörg dann eine Stelle als Pressesprecher einer Stadt im Main-Taunus-Kreis an, um unseren Lebensunterhalt sicherzustellen. Elisabeth (diesen Namen hatte sie mir in jenem Traum genannt) wurde im Oktober geboren.

Finanziell reichten Jörgs Einkommen und das Erziehungsgeld nicht wirklich aus. So blieb auch der ständige finanzielle Druck unser ständiger Begleiter.

Dialog 353 – Oktober 1990

Monika:
Also wir sind wieder einmal mit unserem Latein am Ende. Unsere finanzielle Situation ist desolat. Wir kommen mit dem Geld nicht aus, sind ständig an dem Punkt wo die Bank jederzeit sagen konnte, bis hierhin und nicht weiter. Ich bemühe mich sparsam zu sein. Wir leisten uns keine Extras, das Geld geht hauptsächlich für den Alltag weg. Was soll werden, wenn das Erziehungsgeld demnächst auch noch weg fällt.

Die prekäre finanzielle Situation ist eine der Hauptursachen für meine ständige Überlastung. In Frankreich habe ich immer darauf vertraut, dass solch ein Schritt, wie wir ihn getan hatten, sich schon bezahlt machen würde. Auch materiell. Nun breche ich aber unter der Last der Jahre in Frankreich fast zusammen, deren wirkliche Kosten erst jetzt spürbar sind.

Ich gehe schon davon aus, dass das alles einen für mich nicht sichtbaren Sinn hat, aber das hilft mir nicht, diese Last zu tragen. Jörg verausgabt sich bereits in seinem Job und kommt ausgeleert nach Hause. Wir sind beide an einem Punkt, an dem wir abends nur noch erschöpft ins Bett sinken können, mit dem frustrierenden Gefühl keinen Schritt weitergekommen zu sein in der Lösung unserer Probleme.

Das alles verunsichert uns sehr. Die psychische Belastung ist enorm. Unsere Kinder spüren unser Dilemma, bekommen nicht die Nestwärme, die sie bräuchten, da wir beide zu verausgabt sind.

So kann das doch nicht weitergehen. Unser Leben ist so verkorkst. Bitte sag uns, warum das alles so sein muss, warum die Kinder leider müssen unter dem Unvermögen der Eltern. Warum mussten wir den Schritt nach Frankreich tun, wenn wir jetzt unter den Folgen dieses Schrittes zusammenbrechen?

Ich möchte dir das alles übergeben, das ganze Paket an Not und Sorgen. Nimmst du es? Ich will mich nicht der Verantwortung entziehen, doch es steht nicht mehr in unserer Macht, diese verworrene Situation zu lösen.

Als ihr euch für den Weg nach Frankreich entschieden habt, war dies eine Entscheidung gemäß eurer Bestimmung zu leben. Dass ihr dieses Ziel noch nicht erreicht habt, ändert daran gar nichts.

Wärt ihr damals nicht nach Frankreich gegangen, bzw. hättet ihr euch damals nicht zur Auflösung eurer bürgerlichen Bindungen entschlossen, wäre eure Ehe zerbrochen und keiner hätte sein Leben alleine oder mit einem anderen Partner so einrichten können, dass es ihn weitergebracht hätte. Jetzt mögt ihr leiden, aber wenn ihr damals einen anderen Weg eingeschlagen hättet, wäre für jeden von euch ein Leben voller Unglück und unendlicher Unzufriedenheit dabei herausgekommen. Und Jörg würde bereits gar nicht mehr leben. Diese Dinge solltet ihr auch wissen, wenn ihr eure Situation jetzt nicht versteht.

Ihr habt damals im Kasselgrund beschlossen, euch auf den Weg zu eurer eigentlichen Bestimmung zu machen. Und das ist ein Leben jenseits aller bürgerlichen Niederungen. Es ist ein Leben des Geistes, des Verstehens, des Einverstandenseins mit der Schöpfung. Bei Jörg geschieht dies durch künstlerisches Ausleben seiner Kreativität. Bei Monika ist es die Form ihres Lebens an sich. Sie hat viele Möglichkeiten zu verstehen und ihre Lebensaufgabe liegt darin, das Begriffene ersten so weiterzugeben, dass andere es auch verstehen lernen, zweitens es so zu nutzen, das die Erde davon geheilt wird und drittens selbst davon zu profitieren, um später, in einer anderen Welt weiterzukommen.

Der Punkt an dem ihr jetzt seid, scheint ein höchst ungemütlicher Flecken zu sein. Ihr leidet, habt das Gefühl, nicht weitergekommen zu sein und auch nicht weiterzukommen und ihr fühlt euch leer und dem Zusammenbruch nahe.

Wisst: Der Schritt nach Frankreich war der Schritt im richtigen Moment in die richtige Richtung. Er war jedoch nicht die Lösung an sich. Sooo einfach geht das nicht, der bürgerlichen Welt zu entsagen und zu den Höhen des Wissens aufzusteigen. Bürgerlich ist hier übrigens nicht gleichzusetzen mit dem, was man üblicherweise darunter versteht. Gemeint ist vielmehr die begrenzte, auf das materielle beschränkte Sichtweise.

Ein Grottenolm, der sein Leben in finsteren Höhlen verbringt, kann nicht wissen, dass es einen Himmel, das Licht und die Sonne gibt. Er kann es sich nicht einmal vorstellen, weil er von ihrer Existenz nichts weiß. Ihr dagegen habt es geschafft, eure Eischale soweit zu durchstoßen, dass Licht zu euch eindringen konnte. Wenigstens so viel, dass ihr wusstet, es gibt da noch etwas anderes. Indem ihr euch aufgemacht habt nach Frankreich zu ziehen, habt ihr damit begonnen eure Eischale zu durchstoßen um auszuschlüpfen. Noch seid ihr aber nicht geschlüpft und das ist es, was ihr nicht begreift. Ihr meint, ihr hättet doch alles schon getan.

Das Schlüpfen aus dem Ei ist – wie jeder Vorgang des Geborenwerdens – ein schwieriger und schmerzhafter. Und es gibt nicht einmal eine Garantie dafür, dass er gelingt. Rückgängig zu machen ist so eine Entscheidung nicht mehr. Wenn der Wille einmal gezeugt worden ist, wächst er heran bis er eines Tages geboren wird. Das ist unbedingt so. Und der Wille, um den es hier geht, ist ein Kind von euch beiden.

Soviel zum Verständnis der Antwort auf deine konkrete Frage, die ich jetzt beantworten werde:

Das Chaos, in dem ihr euch befindet, entspricht genau dem Punkt, an dem euer Geburtsvorgang steht. Die Schale, um bei dem Bild mit dem Ei zu bleiben, hat viele Sprünge, aber sie hält noch. Das heißt: Die bürgerliche (=alte) Welt hält euch noch fest umschlungen. Schwere Gewichte an euren Beinen hindern euch daran aufzusteigen. Ihr habt die Wucht noch nicht aufgebracht, endlich die Hülle zu durchstoßen. Wenn ihr erst einmal durch seid, das garantiere ich euch, werdet ihr ganz verwundert feststellen, dass es so einfach war! Dass sie so lächerlich dünn war, dass ihr gar nicht begreifen könnt, wie so eine fragile Haut überhaupt etwas zusammenhalten kann. Jetzt aber, innerhalb der Hülle, kommt sie euch vor, als sei sie unendlich stark und unzerstörbar. Das ist das Problem.

Ihr habt euch aber einmal entschlossen geboren zu werden und nun müsst ihr den Weg auch vollenden. Eure derzeitigen Leiden sind also das, was nötig ist, um den Entschluss zum Durchbrechen zu fassen.

Das, was du als „Zusammenbrechen“ befürchtest, ist in Wahrheit nur das Zusammenbrechen der alten Strukturen in dir. Im Gegenteil: Du musst bzw. das muss zusammenbrechen, damit du frei werden kannst.

Du meinst du leidest? Ich sage dir, du leidest noch nicht genug. Die Schmerzgrenze ist noch nicht erreicht. Denn wenn das der Fall ist, bei euch beiden allerdings, dann seid ihr durch. Und dann werdet ihr auch wissen, dass es die Mühe, den Kampf und das Leiden wert war. Ihr werdet aber auch wissen, dass sowohl Mühe wie Kampf und Leiden überflüssig waren, weil es die Mauer gar nicht gab, die euch all die Jahre so dick, unzerstörbar und unüberwindbar erschienen ist.

Das finanzielle Chaos, es gehört mit dazu! Es lässt sich erst lösen, wenn ihr eure inneren Entscheidungen getroffen habt. Und das habt ihr beide noch nicht. Denn dass ihr mit dem Geld nicht zurechtkommt liegt daran, dass ihr bürgerliche Maßstäbe anlegt, also materiell denkt und handelt, obwohl ihr das schon gar nicht mehr könnt. Ihr träumt davon, schuldenfrei und mit ausreichendem Einkommen und einem Haus mit Garten versehen zu sein und haltet das für erstrebenswert. Darin liegt euer Drama, denn das ist für einen bürgerlichen Menschen, also einem, der nichts begriffen hat, erstrebenswert. Für euch muss es erstrebenswert sein Wissen zu erlangen, denn dafür habt ihr euch ja auf den Weg gemacht.

In dem Augenblick, wo ihr das Wissen habt, wo ihr versteht, was ihr eigentlich gesucht habt, in dem Augenblick stehen euch auch auf der materiellen Ebene alle Wünsche offen! Im Moment aber, wo ihr ständig euer Ziel aus den Augen verliert und euch im Materiellen verliert, euch in Sorge um Sicherheit und Besitz verzehrt, reitet ihr euch immer tiefer hinein.

Du sagst, du wolltest mir das Bündel deiner Sorgen übergeben, aber du tust es gar nicht, merkst du das nicht? Du hältst es fest an dich gepresst. Du willst deinen Kummer gar nicht hergeben, weil du ja sonst in eine völlig fremde Welt geboren würdest. Du steckst im Geburtskanal und wehrst dich, obwohl du das Gegenteil behauptest.

Mir die Sorgen zu übergeben heißt, mir auch zu vertrauen. Du hoffst wohl, dass du mir vertrauen kannst, aber du tust es nicht wirklich. Solange kann ich dir nicht helfen.

Mir die Sorgen zu übergeben heißt nichts anderes, als sich gebären zu lassen, sich also in meine Hände zu begeben – und das hast du noch nicht getan. Dasselbe gilt Wort für Wort auch für Jörg.

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