Dialog 356 – Beten und Einstimmen

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Wintertag im Oktober

Ich liebe dich und ich würde dich so gerne auffangen, wenn du meine Hand nur sehen könntest! Du siehst sie nicht, aber sie ist da. Ich stehe hinter dir, bereit dich aufzufangen, wenn du fällst.

Beten und Einstimmen

Dialog 356 – Juli 1991

Monika:
Es ist mir klar, dass meine Nervenschmerzen mit meinem Stress und meiner Unfähigkeit mein Leben zu meistern zusammenhängen müssen. Aber was soll ich denn tun? Über den Verstand kann ich meine Probleme nicht lösen. Und es ist ja nicht so, als würde ich mich nicht ändern wollen. Es ist mir auch klar, dass die Dinge, dich ich meinem Sohn vorwerfe, Dinge sind, die ich an mir selbst zu ändern habe. Ich bin furchtbar selbstbezogen und es fehlt mir an Hingabe. Nur, das weiß ich schon länger, aber ich schaffe es nicht das zu ändern. Ich nehme es mir oft vor, aber ….

Ich leide sehr unter dem Gefühl, auf allen Gebieten zu versagen. Angst und Verzweiflung beherrschen mich. Ach Vater, ich weiß es doch! Aber ich schaffe es ja nicht mal, mich regelmäßig einzustimmen und zu beten. Und das, obwohl ich mich nach Nähe zu dir sehne.

Ein Teil von mir scheint mich zerstören zu wollen, versucht zu verhindern, dass ich nahe bei dir bin. Ich komme überhaupt nicht mehr klar mit mir. Die Morgen immer voller Tatendrang und der ständige total Energieverlust am frühen Nachmittag.

Wenn ich das alles verbalisiere, dann jammere ich dir und Jörg die Ohren voll. Weiterbringen tut mich das auch nicht. Es schmerzt nur ganz schrecklich. Und jetzt habe Angst, von dir „eine auf den Deckel zu kriegen“ und möchte doch nur von dir in den Arm genommen und geliebt werden. So muss es meinem Sohn oft mit mir gehen.

Meine Tochter, ich freue mich über diese Worte. Du hast damit viel dazu beigetragen mir näher zu kommen. Mehr als du ahnst. Das waren gute Worte und Gedanken. Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen Jammern und Weinen.

Beten fällt dir schwer, sagst du. Ein Teil von dir sträubt sich gegen dein Wachstum, sagst du. Das ist natürlich richtig und muss auch so sein, weil du diesen Teil überwinden musst.

Die Morgen voller Tatendrang sind meine Stunden. Da bist du noch angeschlossen. Was dann folgt sind deine Stunden.

Zum Beten will ich euch einmal etwas Grundsätzliches sagen. Beten ist nicht das, was ihr euch darunter vorstellt. Beten ist ein Innehalten-können. Beten ist die Berührung mit mir. Beten kann so stattfinden, dass man innehält und sich auf mich zu besinnen versucht. Vor dem Tag. Als sogenannte Einstimmung. Aber es muss durchaus nicht so sein:

Begreifen.
Spüren.
Verstehen, dass man jetzt gerade Hilfe braucht.
Dann, im aktuellen Moment der größten Belastung, sich die Sekunden Zeit zu nehmen und zu sagen: „Moment mal, jetzt mal ganz ruhig. Wo ist eigentlich Gott?“ – Das ist Beten!

Die Sache mit dem Einstimmen wird immer wieder völlig falsch verstanden. Der Mensch ist doch keine Batterie, die man morgens auflädt, damit sie bis zu Abend durchhält. Wenn der Mensch alleine mit sich zurechtkommen muss, dann muss er manchmal öfter an die Steckdose. Und da genügen oft Sekunden um Kapazität zu laden!  Sekunden des Innehaltens und des Fragens: „Wo ist Gott in diesem Augenblick?“ Und du wirst sehen, er ist da!

Die Einstimmungen, an deren Beispiel du dich orientierst, funktionieren so richtig gut nur in Gemeinschaften. Da trägt das geistige Potential, der Wunsch und Wille aller Beteiligten zum Gewinn des Einzelnen bei. Wer aber alleine ist, der tut sich schwer mit dem Einstimmen, denn er hat nur sich selbst.

Trotzdem kann auch das funktionieren. Man darf nur nicht glauben: Einstimmung am Morgen löst Kummer und Sorgen. Wer alleine ist, braucht mich viel öfter, braucht mich ständig, praktisch in jeder Minute. Und da bedeutet Einstimmung: Das einfach Wissen darum, dass ich da bin.

Leere Worte?  Hohle Sprüche? Praxisanweisungen, die keine sind? Das solltest du nicht denken, Monika. Ich bin doch in dir, spürst du das denn nicht?

Ich liebe dich und ich würde dich so gerne auffangen, wenn du meine Hand nur sehen könntest! Du siehst sie nicht, aber sie ist da. Ich stehe hinter dir, bereit dich aufzufangen, wenn du fällst.

Du sollst aber nicht fallen, sondern wachsen. Und auch dabei helfe ich dir. Du wächst jeden Tag ein Stück weiter.

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