Dialog 358 – Kampf um Vertrauen

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„Die Schwachen kämpfen nicht. Die Stärkeren kämpfen etwas. Die noch Stärkeren kämpfen mehrere Tage. Die Allerstärksten kämpfen ihr ganzes Leben. Diese sind die wertvollsten.“

Kampf um Vertrauen

Dialog 358 – Oktober 1991

Ihr erlebt wieder einmal einen echten Tiefpunkt. Wieder einmal scheint alles zu klemmen, festzustecken. Wieder einmal droht euch finanziell die Luft auszugehen. Wieder einmal fällt es schwer Vertrauen zu haben, stärker zu sein als die Resignation, die sich wie ein schwarzes Tuch ausbreitet. Wieder einmal seid ihr ganz alleine, weit draußen auf dem Ozean und kein Land ist in Sicht. So ungefähr muss euch doch zumute sein.

Jeder hat sein Schicksal, dass er selbst gewählt hat. Und jeder hat im Leben die Pflicht dieses Schicksal zu wenden. Denn kein Leben, nicht ein einziges unter allen Menschen, ist so, dass man sein Leben einfach nur „runter zu leben“ braucht. Das dürft ihr nicht vergessen.

Eure Lage ist sicherlich nicht beneidenswert, aber es ist EURE Lage und für euch ist sie gut und richtig. Eure Aufgabe liegt zurzeit noch immer darin Vertrauen zu haben. Trotzdem und gerade, weil es so schwer, so unmöglich zu sein scheint, Vertrauen zu haben, ja, mehr Vertrauen zu haben denn je, und nicht zu verzweifeln, auch wenn das Vertrauen so schwer zu finden oder gar zu halten ist. Das genau ist eure Aufgabe.

Es gibt einen sehr guten Satz von Berthold Brecht:
„Die Schwachen kämpfen nicht. Die Stärkeren kämpfen etwas. Die noch Stärkeren kämpfen mehrere Tage. Die Allerstärksten kämpfen ihr ganzes Leben. Diese sind die wertvollsten.“

Ihr dürft nicht verzweifeln und immer wieder mutlos fragen, wann das endlich einmal aufhört. Eure Lage geht nicht vorüber wie die Nacht, die dem Morgen weicht. Es ist eure Aufgabe aus der Nacht den Morgen zu machen.

Vertrauen haben heißt auch nicht zu warten und nichts zu tun und es schon für eine Leistung zu halten nicht aufgegeben zu haben. Kämpfen ist etwas ganz anderes. Und ich fordere euch auf zu kämpfen: Gegen die Resignation, gegen die Angst, gegen die Scham, gegen das Grau.

Kämpfen heißt die Angst verlieren. Aber wie geht das eigentlich? Es ist immer so leicht davon zu reden, wenn es einem gut geht. Aber wenn man es tun soll, ist man auf einmal zu müde, auch nur eine Hand zu heben.

Kämpfen heißt, sich der Mutlosigkeit entschlossen in den Weg zu stellen. Kämpfen heißt Verantwortung zu übernehmen. Vor allem aber heißt es, sich gegen die Resignation zu stellen. Der Krieger wird dann am gefährlichsten, wenn keine Aussicht auf Überleben mehr zu geben scheint – und dennoch kämpft er.

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