Dialog 38

Du kannst dir die Ohren verstopfen, wenn du mich nicht hören willst, aber solange ich meine Hand nach dir ausstrecke, bist du nicht weit von mir entfernt, sondern bei mir, weil ich bei dir bin.

Dialog 38, 21.01.1986

Ich bin seit gestern Mittag mürrisch, schlecht gelaunt und fühle mich weit von dir entfernt. Deine tägliche Führung empfinde ich als Zumutung und ich habe keine Lust mich wegen solchen Dingen, wie einemSalatkopf für 3,5 F quasi entmündigen zu lassen. Ausgangspunkt für meine schlechte Stimmung war MonikasVerhalten gestern, als ich den Einkauf gemacht hatte. Da ich statt des Salates, den es nicht gab, eine DoseQuark gekauft hatte, fuhr sie mich wegen „dieses Regelverstoßes“ an, als sei sie meine Lehrerin. Das erkenneich aber nicht an! Und von dir möchte ich eine Antwort darauf, ob ich tatsächlich eigenmächtig gehandelthabe, als ich eine Ware, die es nicht gab, geben eine andere, notwendig gebrauchte getauscht habe.
Außerdem bitte ich um Aufklärung darüber, welche Rolle Moni mir gegenüber hat und welches Auftreten ihr demgemäß zusteht oder nicht.

Im Prinzip hast du dich tatsächlich nicht an die Vereinbarung gehalten, denn ich habe dir gesagt, nur was auf dem Zettel steht, sollst du aus dem Laden führen. In diesem speziellen Fall hast du dich aber richtig verhalten, denn es bestand innere Zwiesprache und Übereinkunft zwischen uns, als du deine Wahl getroffen hast. Das konnte deine Frau aber nicht wissen. Und wenn sie dich angefahren hat, dann geschah das aus Sorge darum, dass ihr vom Wege abkommen könntet.

Sie ist nicht deine Lehrerin und ich habe sie nicht dazu eingesetzt. Dein Lehrer bin nur ich. Aber es steht ihr zu, dich auf Ungenauigkeiten in den gemeinsamen Vereinbarungen aufmerksam zu machen, ebenso wie dieses Recht auch dir zusteht.

Du hast dich über deine Frau geärgert und fühlst dich von IHR entmündigt. DAS empfindest du als Zumutung und wirfst du es mir vor. Bringe Ordnung in dein aufgebrachtes Inneres und rücke die Dinge wieder an ihren richtigen Platz. Der Wert und Sinn meiner Führung, die bei euch zur Zeit gerade in den Kleinigkeiten eurer Lebensführung ansetzt, war dir bisher immer völlig klar gewesen und du warst auch damit einverstanden. Wenn du nun mit deiner Frau nicht einverstanden bist, dann geh und mache das mit ihr ab, nicht mit mir.

Auch fühlst du dich nicht weit von mir entfernt. Du weißt sehr wohl, dass du mir nahe bist und empfängst meine Worte auch jetzt klar und deutlich. willst du mir drohen, indem du sagst: Ich fühle mich weit von dir entfernt!? Du kannst dir die Ohren verstopfen, wenn du mich nicht hören willst, aber solange ich meine Hand nach dir ausstrecke, bist du nicht weit von mir entfernt, sondern bei mir, weil ich bei dir bin.

Ich sehe ein, dass es stimmt, was du sagst, und dass ich die Dinge durcheinander gebracht habe. Ich werde meine Frau um Verzeihung bitten.
Ich finde, ich trage ziemlich schwer an der Aufgabe, die du mir aufgeladen hast. Nämlich, deine Stimme zu sein. Jeder starrt auf mich, weil du aus mir sprichst, und was ich selber sage und empfinde scheint niemanden mehr zu interessieren. Ich fühle mich zu einer menschlichen Maschine degradiert, deren Aufgabe es nur noch zu sein scheint, möglichst viele Stunden am Tag zu schreiben.

Du wälzt dich jetzt wieder einmal in Selbstmitleid, eine deiner Lieblingsbeschäftigungen, obwohl du recht gut weißt, dass das gar nicht so ist, wie du es darstellst. Dass du das Schreiben verweigern kannst, haben wir ja gestern Abend gesehen, als du dich nur auf das Allernötigste beschränkt hast. Immerhin HAST du geschrieben und du bist auch JETZT pünktlich zu mir gekommen. Du weißt also sehr wohl um die Bedeutung deiner Aufgabe und sie streichelt auch dein Ego. Leider. Wehe dem aber, der dieses Ego nicht ebenso wichtig nimmt wie du!

Ich rate dir: Lass dich nicht in solche Dinge fallen. Dein Ego ist das Unwichtigste der Welt und du weißt das selber sehr gut.

Du hast heute in der Bibel geblättert und bist auf das Buch Ijob (Hiob) gestoßen. Dieses Buch habe ich für dich ausgewählt und du sollst es jetzt lesen. Das mag dir Anstöße in deinem Inneren geben, die dir in deiner Lage derzeit wertvoll sind. Du bist mürrisch, weil man sich nicht genügend deiner annimmt und siehst nicht, welche Gnade dir widerfährt, dass ich aus dir spreche!

Ich verlange Vertrauen von dir und selbstlose Hingabe. Wenn du dich darin übst, wirst du weiter kommen und dich höher erheben, als dein Ego es dir selbst in den kühnsten Träumen vorgaukeln könnte.

Jetzt tobt der Sturm um den Wohnwagen und ich weiß was du denkst: „Wenn es so weiter bläst, ist schon wieder nichts mit dem Markt“. Lass es blasen und kümmere dich überhaupt nicht darum. Packe dein Auto und fahre auf den Markt. Und dort wollen wir weitersehen. Solange ich dir nicht befehle hier zubleiben, möchte ich, dass du dass tust, und wenn es Backsteine regnet. Geh jetzt, ich bin mit dir!

 

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