Dialog 43

Es geht wieder einmal um den selben Punkt: Denke nicht weiter als bis zum nächsten Tag oder denke nicht einmal bis zu diesem! Du lebst jetzt, hier, in diesem Augenblick – und was morgen sein wir, ist völlig unerheblich.

Dialog 43, 25.01.1986

Wir haben die Texte für das Gespräch heute Abend zu dritt fertiggestellt. Bist du zufrieden?

Ihr habt gut gearbeitet und viel dafür getan, dass die Dinge in meinem Geist weiter wachsen. Jetzt seht ihr selber schon viel klarer und könnt euch die künftige Gemeinschaft besser vorstellen. Das ist wichtig, denn ihr könnt euch diese Dinge gar nicht klar genug ausmalen. Je konkreter ihr eure Bilder beschreibt, aufzeichnet oder auch nur in der Gruppe aussprecht, um so rascher wächst auf der anderen Seite das reale Gegenstück eurer Träume und Wünsche heran.

Sprichst du jetzt von unserem Haus?

Auch, aber ich spreche zugleich von der Gemeinschaft im Ganzen.

(Hier habe ich gestern unterbrochen und bin ins Bett gegangen)

26.01.1985 (morgens)
Mir ist irgendwie unbehaglich zumute und ich habe das Gefühl, dass du dich von mir entfernst.

Richtig, ich bin einige Schritte zurückgetreten und beobachte dich. Sag selber: Warum ist dir unbehaglich?

Ich glaube, ich lebe irgendwie nicht „rein“ genug. Ich fange selber an, Alkohol abzulehnen – aber nur solange er nicht vor mir steht. Ich bin also in einer Zwickmühle: auf der einen Seite möchte ich gerne darauf verzichten können, auf der anderen kann ich es eben noch nicht. Dabei habe ich aber das Gefühl, dass du von mir erwartest, dass ich es kann. Und deshalb fühle ich mich unbehaglich.

Nur deshalb? Hast du nicht auch sonst das Gefühl, die Zügel wieder etwas schleifen zu lassen? Es ist nicht der Wein an sich, der dich durcheinander bringt. Ich habe dir und euch nie den Wein verboten. Es ist dein Undiszipliniertheit, die dir selber immer wieder Kummer macht. Du musst dir deshalb immer wieder eines vor Augen halten: Je dichter du an meiner Seite bleibst, um so einfacher ist der Weg für dich. Du aber trödelst immer wieder einmal hinter mir her und bist dabei ständig in Gefahr, mich aus den Augen zu verlieren. So aber kommen wir nicht weiter!

Du bist nicht nur für dich alleine verantwortlich, auch Monika, Rebecca und die Kinder haben ein Recht darauf, dass du deine Aufgabe immer ernst nimmst – und nicht nur manchmal. Aus deiner Zwickmühle mit dem Wein kann ich dich leicht befreien: Ich verbiete dir hiermit, heute Wein zu trinken, ganz einfach. Und was morgen ist, werden wir sehen. Du hast in den letzten Tagen sehr nachgelassen mit deiner Ernsthaftigkeit. Das muss sich ändern. 

Deine Worte kommen nur sehr leise bei mir an. Du musst sehr weit weg sein. Das macht mir Angst. Es stimmt, ich habe in letzter Zeit nachgelassen. Habe alles schon für viel zu selbstverständlich genommen und mich nicht mehr so bemüht für dich da zu sein, wie das vorher getan habe. Außerdem habe ich wieder gegen deine Anordnungen verstoßen und hier bei der Arbeit Wein getrunken. Aber ich weiß manchmal wirklich einfach nicht, wo ich die Kraft und die Disziplin hernehmen soll, gegen solche Begierden standhaft zu bleiben.

Du versuchst es ja nicht einmal richtig! Du kämpfst doch gar nicht gegen solche Begierden, sondern wenn sie bei dir anklopfen, öffnest du freudig die Tür und lässt sei eintreten. Das ist es, was mir an dir nicht gefällt. Du willst dich verführen lassen.

Sag mir was ich tun kann.

Du musst mir zeigen, dass du unsere Sache wieder ernst nimmst. Ich muss deine Bereitschaft wieder spüren, dass du ganz und gar nur für mich da bist. Im Moment willst du mich mit einem Drittel abspeisen, aber das lehne ich ab.

Was du tun kannst? Ich werde es dir sagen: Keinen Wein mehr, bevor ich es erlaube. Und damit die Sache nicht zu einfach für dich wird, erlaube ich Monika Wein zu trinken, wenn sie mag, nur du darfst es nicht, denn sie soll nicht darunter leiden, dass du immer das Maß aus den Augen verlierst.

Außerdem: Genaueste Ausführung aller meiner Anordnungen, auch damit hapert es – bei euch beiden – in letzter Zeit etwas. Auch das gefällt mir nicht. Ihr erwartet von mir, dass ich euch führe, aber ihr wollt mir nicht folgen.

Denke über meine Worte nach, wenn du heute auf den Markt gehst. Denkt beide darüber nach. Unser Verhältnis zueinander ist zur Zeit getrübt, und dass könnt nur ihr ändern, nicht ich.

(mittags)
Ich bin bekümmert über die Störung zwischen uns und ich finde dich im Moment zu streng mit mir. Sicher habe ich meine Fehler, aber die hast du auch schon gekannt, bevor du dich meiner angenommen hast. Warum zeigst du mir nicht Wege sie zu überwinden, anstatt mich ständig so hart anzupacken. Ich fange langsam an, Angst vor dir zu bekommen. Auch Monika versteht nicht, welche Fehler sie gemacht haben soll. Und ich verstehe es auch nicht.

Ich zeige dir ja ständig Wege, deine Fehler zu bearbeiten, aber die Zeit drängt, eure Zeit wohlgemerkt, und du kannst es dir einfach nicht leisten,dich auch nur einen einzigen Tag gehen zu lassen. Du hast wichtige Arbeit zu leisten, von dir hängt jetzt sehr viel ab, und deshalb muss ich dich einfach fester anpacken, wenn ich merke, dass du zur Nachlässigkeit neigst. Das mag dich erschrecken, aber es hilft dir.

Deshalb liebe ich dich nicht weniger und meine Strenge ist eine gütige Strenge. Ich lasse dich nicht los, da brauchst du keine Angst zu haben. Aber ich kann dir deshalb deine Lässigkeit nicht durchgehen lassen – weil einfach zu viel davon abhängt.

Was Monika betrifft, so entwickelt sie die Tendenz, wichtige Entscheidungen bereits zu treffen, bevor sie mich darum befragt hat, und das will ich nicht. Wenn sie einen Brief nach Findhorn schreiben will, in dem sie die Gemeinschaft bereits als Gemeinschaft des Neuen Zeitalters unter meiner Führung vorstellt, dann ist das eine wichtige Entscheidung und soll VORHER mit mir besprochen werden.  Das ist, wenn du so willst, eine Frage des Prinzips.

Alles was ihr jetzt tut, geht mich etwas an, sofern es nur von irgend einer Bedeutung für die Gemeinschaft ist. Ich will die Schwerpunkte festlegen. Ihr könnt in der allerbesten Absicht gehandelt haben, aber meine Pläne kennt ihr nicht. Deshalb sollt ihr mit solchen Dingen vorher zu mir kommen und nicht hinterher. Ein Brief, der heute geschrieben wird, setzt Gedanken in die Welt, auch wenn er vielleicht nicht abgeschickt wird. Und es ist nicht egal, welche Gedanken das sind. Monika soll mir sagen, was sie vorhat und wie sie sich den Brief gedacht hat und warum sie ihn schreiben will. Dann kann ich dazu Stellung nehmen und sagen, was ICH davon halte.

(abends)
Monika fragt:
Es tut mir Leid. Es war mir nicht bewusst, dass ich eigenständig Entscheidungen treffe. Ich habe es auch noch nicht verstanden. Wo liegt der Unterschied zwischen uns Gedanken machen über unsere Zukunft im neuen Haus und einen Brief darüber schreiben? Die Gedanken sind doch schon seit Freitag in der Welt. Den Brief an Findhorn habe ich geschrieben und wollte ihn dir vorlegen. Ich habe dich auch darum gebeten, meine Hand zu führen, bevor ich anfing zu schreiben. Ich lege dir den Brief hiermit vor und bitte dich um noch ein paar erklärende Worte.

Als ich euch aufgefordert habe, euch eure Gedanken zu machen, war das eine Sache. Einen Brief zu diesem Thema zu schreiben ist eine andere. Ich möchte einfach, dass ihr solche Sachen nicht ohne Absprache mit mir tut. Noch nicht. Alles, was ihr in diesem Zusammenhang unternehmt, soll in meinem Auftrag und unter meiner Leitung geschehen – zu eurem eigenen Schutz. Es ist, wie ich schon sagte, eine Grundsatzfrage auf der ich bestehe, auch wenn sie euch vielleicht nicht einleuchtet.

Ich (Jörg) möchte noch einmal etwas zu mir sagen. Mir geht es seit heute morgen ziemlich mies. Wieder einmal. Jetzt, wo unsere Gedanken zu unserer Zukunft so klare Formen angenommen haben, bekomme ich es irgendwie mit der Angst zu tun, ob ich meiner Rolle auch gewachsen bin. Jeder Schritt, den wir als nächstes gehen werden, steht zunächst einmal auf Papier, das ICH beschrieben habe. Und nun fange ich wieder an meine Zweifel zu bekommen, ob das auch wirklich alles so stimmt, wie ich es niedergeschrieben habe. Ob ich mich nicht vertan habe oder, noch schlimmer und nicht auszudenken, ob alles nicht ein riesiger Irrtum ist. Diese Zweifel sitzen mir in der Kehle und schnüren mir fast den Hals zu. Und ich weiß absolut nicht, was ich tun soll.
Du hast vor wenigen Tagen noch gesagt, dass wir uns sozusagen noch im Sandkasten bewegen und Übungsspiele machen. Dass keine Maßnahmen von wirklicher Tragweite verlangt werden. Das war tatsächlich so und deshalb fiel es mir auch nicht allzu schwer, mich in Vertrauen zu dir zu üben. Jetzt dagegen stehen wir vor einer Entscheidung, die sehr wohl Tragweite hat – und was für eine. Das ist jetzt keine Sandburg mehr, die wir da bauen sollen, sondern jetzt wird es ernst. Und auch auf die Gefahr hin, dass ich Rebecca und Monika total verunsichere, es muss heraus: Ich werde verrückt bei dem Gedanken, dass es dich vielleicht doch nicht gibt und alles Produkte meiner Phantasie waren.

Ist es wieder einmal so weit? Jörg, diese Zweifel und Kämpfe gehören mit zu dem Weg, den du gehen musst. Das ist ganz natürlich und wenn es dich beruhigt: Auch jetzt sitzt ihr noch in eurem Sandkasten. Denn welche Entscheidung hätte ich von euch verlangt, die euch in Gefahr bringen könnte? Wenn ihr morgen einen Mietvertrag unterschreiben müsstet, das wäre eine andere Sache. Aber an diesem Punkt sind wir doch noch gar nicht.

Ihr entwickelt jetzt eure Gedanken und lasst sie zu Bildern werden. Das ist eine wichtige, eine unentbehrliche Vorarbeit, aber es ist noch keine Entscheidung und sie kostet euch noch keinen Pfennig, wenn es das ist, was dir Sorgen macht. Bis es dazu kommt, werdet ihr alle wieder viele Schritte weiter sein. Und das, was in deinem Kopf heute ein riesiges Problem zu sein scheint, wird sich dann real mit Sicherheit ganz anders stellen.

Es geht wieder einmal um den selben Punkt: Denke nicht weiter als bis zum nächsten Tag oder denke nicht einmal bis zu diesem! Du lebst jetzt, hier, in diesem Augenblick – und was morgen sein wir, ist völlig unerheblich.

Heute seid ihr eine Gemeinschaft, das ist nicht zu bestreiten und diese Gemeinschaft besteht aus 3 Erwachsenen und zwei Kindern. Auch dass ich diese Gemeinschaft zusammengeführt habe, ist nicht zu bestreiten, denn du selber wärst im Traum nicht auf diesen Gedanken gekommen. Diese Gemeinschaft macht jetzt Pläne und das ist ebenfalls noch kein Grund zur Sorge.
Wenn du dir das alles einmal vor Augen hältst, wird dir vielleicht leichter ums Herz werden. Deine Sorgen reichen weit in eine völlig unbekannte Zukunft. Und soweit bist du schon, dass du weißt, wie unsinnig solche Selbstquälereien sind. 

Du meinst, du habest dich jetzt ein für allemal festgelegt und könntest nicht mehr „aussteigen“. Und auch das macht dir Angst. Aber selbst diese Sorge ist unbegründet: Du hast jederzeit die Möglichkeit, deinen freien Willen einzusetzen und zu sagen: „Ich kann diese Aufgabe nicht bewältigen, die da von mir verlangt wird.“

Wenn ich sage, dass ich Pläne mit dir habe, heißt das doch nicht, dass ich dich zu meinen Plänen zwingen würde. Allerdings: Ich weiß, dass du nicht „aussteigen“ wirst. Wer einmal meine Hand in der seinen gespürt hat, der lässt sie nicht mehr los. Niemals! Und du weißt es natürlich auch.

Und jetzt überlege einmal: Sicherlich bist du ein phantasiebegabter Mensch, aber du bist nicht verrückt. Im Gegenteil: Du bist ein äußerst vorsichtiger Mensch, der sich alles dreimal zu überlegen pflegt, bevor er handelt, wenn es sich um einen Entschluss von irgendeiner Bedeutung handelt.

Glaubst du denn wirklich, du hättest es zugelassen, hättest deine vielen inneren „vernünftigen“ Kontrollinstanzen so lange ausschalten können, dass ein Schriftstück von diesem Umfang und von dieser inhaltlichen Bedeutung ganz aus deiner Phantasie heraus entstanden wäre? Du weißt, dass das unmöglich ist. Wenn ich zu dir gesprochen habe, warst du dir IMMER und ohne jede Ausnahme sicher gewesen, wer der wahre Urheber dieser Worte ist. Gezweifelt hast du immer nur dann, wenn du mich nicht auf dem Papier empfangen hast. Dann konnte es geschehen, dass du Angst vor deiner Courage hattest, aber das ist bisher jedes Mal vorüber gezogen wie eine dunkle Wolke. Und es wird auch jetzt vorüberziehen – und du weißt es, nicht wahr?

Deine Zweifel sind wichtig. Sie sind ebenso wichtig, wie dein Vertrauen zu anderen Zeiten. Denn wenn du zweifelst, setzt du dich besonders intensiv mit mir auseinander – was du ja, wie wir heute morgen wieder einmal festgestellt haben, leider nicht immer tust. Aus deinen Zweifeln gehst du immer als Sieger hervor. Gestärkt und wieder ein Stück fester im Glauben. Deshalb schäme dich dieser Zweifel nicht, sondern betrachte sie als wichtiges Stück deines spirituellen Wachstums. Du wärst kein Mensch, wenn du nicht immer wieder auch ver-zweifeln würdest. Und wenn du wirklich kein Vertrauen mehr zu mir hättest, wärst du ja heute Abend schon nicht mehr zu mir gekommen.

Glauben ist nun einmal der zentrale Punkt, auf dem die ganze Konstruktion ruht. Ich kann dir keinen „Beweis“ meiner Existenz bringen und ich will es auch nicht. Denn wenn du es darauf anlegst, würdest du jedes Wunder, das ich dir zeige, mit deinem Verstand auseinander nehmen wollen und immer weitere Beweise verlangen. Wo kämen wird da hin?

So lasse ich Wunder über Wunder geschehen, und es ist dein Wachstumsprozess, der es dir möglich machen wird, sie zu sehen oder nicht. Hast du schon einmal verglichen, an welchem Punkt du heute stehst und an welchem du noch vor 6 Wochen gestanden hast? Ist alleine das nicht ein Wunder?

Du hast mich beruhigt und mir geht es wieder besser. Das einzige, was mir allerdings immer noch Sorgen macht ist, ob ich nicht Rebecca und Monika durch meine Zweifel mit verunsichere? Ich habe oft das Gefühl, dass ich gar nicht zweifeln DARF, oder dass ich mindestens dafür sorgen muss, dass man es mir nicht anmerkt.

Wo denkst du hin? Monika und Rebecca sind fester in ihrem Vertrauen als du ahnst und vor allem: Du bist nicht ihr spiritueller Führer! Wenn sie ihrerseits zweifeln, dann zweifeln sie an mir. Und das müssen sie mit mir ausmachen. Du bist meine Stimme und an dir können sie deshalb nicht zweifeln.

Doch. Sie können daran zweifeln, ob das was ich aufgeschrieben habe, wirklich von dir kommt.

Bisher haben sie das noch nicht getan. Also wie wäre es, wenn du erst einmal abwartetest, ob es überhaupt dazu kommt, anstatt dir jetzt schon wieder den Kopf zu zerbrechen?

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