Dialog 46

Denn im Moment wollt ihr zwar alle drei das Haus, aber jeder will es aus anderen Gründen. So aber werdet ihr es niemals finden.

Dialog 46, 30.01.1986

Ich möchte noch einmal etwas zu meiner Rolle als deine Stimme sagen, denn es gibt da inzwischen ein neues Problem für mich:
Seit ich Rebeccas Fragen* an dich weitergebe und deine Antworten darauf entgegennehme, empfinde ich oft eine merkwürdige Sperre. Es sind da Widerstände in mir, die es mir schwer machen, deine Antworten in dem gewohnten Fluss zu empfangen. Und wenn der Fluss fehlt, dann habe ich Angst, dass ich die Pausen, die dabei entstehen, mit eigenen Gedanken fülle und deine Antworten nicht mehr zu 100 % die deinen sind.

Darüber brauchst du dir nicht den Kopf zu zerbrechen. Ich lasse es nicht zu, dass du meine Antworten verwässerst. Und in den Fällen, wo du dich dennoch gegen mich durchgesetzt hast, habe ich deine Fehler jedes Mal wieder korrigiert.

Deine Rolle ist nicht einfach, sie ist sogar ausgesprochen schwierig. Und sie wird es um so mehr, je größer der Kreis der Menschen ist, der sich über dich an mich wendet. Deshalb sollst du es auch als Übung betrachten, dich in deiner Aufgabe, meine Stimme zu sein zu schulen, wenn du jetzt auch für Rebecca als Mittler dienst. Erinnerst du dich? Es gab eine Zeit – und sie ist noch gar nicht lange her – da habe ich es dir sogar regelrecht verboten, Fragen anderer an mich zu stellen, weil du dazu damals noch nicht in der Lage warst. Als ich Rebecca eurer Gruppe zugeführt habe, hatte das viele verschiedene Gründe. Für jeden von Euch gibt es dabei etwas zu lernen. Für dich lautet die Aufgabe unter anderem, dich weiter in deiner Rolle als meine Stimme zu schulen, denn du wirst damit noch viel mehr zu tun haben.

Wenn also im Augenblick Pausen eintreten, während du meine Antworten an Rebecca aufnimmst, wenn der gewohnte Fluss fehlt, dann nimm es so hin. Etwas anderes kannst du nicht machen. Denn es ist mein Wille, dass es so ist und du kannst dich darauf verlassen, dass meine Antworten hundertprozentig sind, egal wie sinnvoll oder sinnlos sie einem von euch erscheinen.

Ich hätte das Bedürfnis, meine Widerstände, wenn ich sie empfinde, in das Gespräch mit einzubringen und sie  an Rebeccas Fragen anzuknüpfen, damit von vornherein klar ist, wie ich mich dazu fühle.

Das lass mal schön bleiben. Ich habe dir ja eben gesagt: Alles was du niederschreibst ist meine Antwort. Ich würde es niemals zulassen, dass du meine Antwort verfälschst. Wie dir dabei zumute ist, wenn du solche Widerstände empfindest, brauchst du mir nicht zu sagen. Denkst du, das weiß ich nicht?

Rebecca soll weiterhin ihre Fragen auf ihre Weise an mich stellen, und ich werde ihr auf meine Weise antworten. Du übst dich darin, meine Stimme zu sein und hältst dich ansonsten ganz aus dieser Sache heraus. Hast du aber ernsthafte Probleme mit dieser Aufgabe, dann formuliere sie selber zu einer Frage und komme damit in gewohnter Weise zu mir. Das Gespräch zwischen Rebecca und mir aber sollst du nicht stören.

Wir wollen heute eine Fahrt in die Umgebung machen und zum ersten Mal Ausschau nach Häusern halten, die unseren bisherigen Vorstellungen entsprechen. Gibt es eine bestimmte Gegend, die wir uns dafür aussuchen sollten? Oder sollen wir uns einfach den Dingen so überlassen, wie sie uns kommen? Gibt es Dinge, auf die wir bei unserer Suche achten sollten oder sollen wir einfach nur die Augen aufhalten und das, was wir sehen, auf uns wirken lassen?

Du fragst mich gar nicht, was ich von dieser Idee überhaupt halte. Nehmt ihr diese Dinge jetzt neuerdings selber in die Hand? Eure Fahrt ist verfrüht. Wenn ihr sie durchführt, wird es nicht mehr als ein Ausflug sein, der euch viele Häuser, aber keinerlei verwertbare Einsichten zeigen wird.

Wenn euch eine solche praktische Weiterführung eurer bisherigen Arbeit überhaupt irgendeinen Nutzen bringen soll, dann darf die Harmonie in eurer Gemeinschaft nicht so tief greifend gestört sein, wie sie das derzeit ist. Denn im Moment wollt ihr zwar alle drei das Haus, aber jeder will es aus anderen Gründen. So aber werdet ihr es niemals finden.

Wenn ihr weiterkommen wollt, müsst ihr euch mehr mit euch selber auseinandersetzen. Im Moment ist Monikas Arbeit durch die Spannungen, die zwischen euch herrschen so sehr gestört, dass der Prozess der Visualisierung unterbrochen ist. Und zu diesem Prozess gehört es auch, sich wirkliche Häuser unmittelbar anzusehen und sie mit dem Bild zu vergleichen, dass ihr euch gemacht habt.

Ich möchte deshalb nicht, dass ihr zu dritt eine solche Fahrt unternehmt. Ich möchte vielmehr folgendes:
Rebecca soll sich darüber Klarheit verschaffen, was sie eigentlich von dieser Gemeinschaft erwartet und was sie von mir will. Sie soll sich darüber Klarheit verschaffen und in sich gehen. Und sie soll mit der einen Frage zu mir kommen, die jetzt nur gestellt werden kann. Die einzige, die es derzeit für sie gibt.

Monika muss den Prozess wieder in Gang setzen, der für sie unterbrochen wurde seit dem gestrigen Abend. Denn sonst würde sie unterwegs keine Häuser sehen, sondern nur Mauern.
Deshalb sollt ihr nicht zu dritt fahren, sondern du und Monika fahren alleine, wobei es für Monika nicht darum gehen soll, das Haus zu finden, sondern den inneren Fluss wieder herzustellen, indem sie die Dinge auf sich wirken lässt, die ich ihr zeigen werde.

Deine eigene Aufgabe ist die einfachste: Du sollst ihr Chauffeur sein und sie dorthin fahren, wohin sie gefahren werden möchte – und wohin ich sie führen werde.

Kommt wieder zusammen, wenn Rebecca ihre Frage gefunden und sie schriftlich formuliert hat. Wenn das heute Abend schon der Fall ist, dann kommt heute Abend zusammen. Wenn nicht, dann eben wenn es dazu an der Zeit ist.

Rebecca aber sage ich, dass sie meine Worte und meine Aufforderung in sich zu gehen und nach den wirklichen Fragen zu forschen, die sie bewegen, bitter ernst nehmen und nicht auf die lange Bank schieben soll. Es wäre gut für euch und gut für sie, wenn sie damit schon heute Abend einen Schritt weiter wäre. Obwohl ich das nicht verlange, denn was ich jetzt von ihr fordere ist keine Kleinigkeit.

29.01.1986 (am Abend)

Monika fragt:
Heute habe ich viel gesehen und vieles als zu klein empfunden, obwohl es für uns ausreichend gewesen wäre. Was ich als passend für unsere Vision empfinde hat Gutshofcharakter. Doch es übersteigt mein Vorstellungsvermögen, wie wir so etwas finden, bezahlen, bekommen können. Und wir würden es auch nicht gleich ALLES mit Leben füllen können.
So bin ich wieder einmal durcheinander, habe auf der einen Seite Angst größenwahnsinnig zu sein und auf der anderen Seite empfinde ich normale Höfe als Begrenzung meiner/unserer Vision von vielen Besuchern und Workshops. Kannst du mir helfen Klarheit zu finden?

Nicht jetzt. Noch nicht. Deine Eindrücke sind noch viel zu frisch und müssen erst in dir wirken. Wir kommen wieder auf diese Frage zurück, verlass dich darauf, aber eben jetzt noch nicht.

 

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