Dialog 48

Tod ist deshalb Hoffnung und seine Farbe sollte weiß und die Gefühle, die ihn begleiten, sollten Trauer und Zuversicht sein. Trauer um den verlorenen Menschen für die, die ihm nahe gestanden haben. Und Zuversicht in die Zukunft, die sich daraus für die ergibt, die ihren Weg ohne ihn weitergehen werden.

Dialog 48, 02.02.1986

Monika:
Simons (Name geändert) Freitod hat mich an den Tod meiner Eltern erinnert. Geht es ihnen, geht es Simon jetzt besser? Sind sie „erlöst“ von ihrem Leid? Es ist eine schreckliche Vorstellung, sie müssten jetzt weiter
leiden.

Ein Teil von mir glaubt jedoch, dass Simons Tod eine Neugeburt ist. Anstatt Schmerz empfinde ich Hoffnung – bin ich herzlos?

Es verursacht Schuldgefühle in mir, dass ich nicht trauern kann. Ich habe auch nicht um meine Eltern getrauert, höchstens darum, dass ICH jetzt alleine war. Ich habe Mitleid mit Nele, (Name geändert) weil sie Abschied nehmen muss und Abschiede tun weh.

Trauern kannst du nur um einen Menschen, den du wirklich geliebt hast. Und auch dann ist diese Trauer etwas ganz anderes als das, was man dir darüber erzählt hat. Noch hast du keinen Menschen verloren, den du wirklich geliebt hast, aber das wird dir nicht erspart bleiben. Dann wirst du Trauer in ihrer ganzen Tiefe erleben und wissen, dass du nicht „herzlos“ bist.

Was deine Frage betrifft: Das, was ihr Selbstmord nennt, ist ein Tod wie jeder andere. Die Seele sucht sich, wenn sie bereit ist, ihren Weg aus dem Leiden. Das geschieht bei dem einen schon in jungen Jahren und bei dem anderen nach einem langen, glücklichen Leben. Die Seele hat eine andere Vorstellung von Glück und Leid und sie sucht sich ihren Weg und verlässt den Körper, wenn er ihr nicht mehr dienen kann und wenn es für sie an der Zeit ist.

Tod ist nicht dem freien Willen unterworfen. Wer sich selber tötet, hat sein Leiden nicht abgekürzt. Er hat genug gelitten und ist nun bereit zu sterben. Sein Leid muss nicht „nachgeholt“ werden oder was sonst noch darüber vermutet wird. Insofern empfindest du Simons Tod völlig richtig als eine Neugeburt und eine Befreiung. Denn es ist eine Seele, die ihren Körper verlassen hat, um wiedergeboren zu werden und ihrer Vollendung entgegen zu wachsen.

Tod ist deshalb Hoffnung und seine Farbe sollte weiß und die Gefühle, die ihn begleiten, sollten Trauer und Zuversicht sein. Trauer um den verlorenen Menschen für die, die ihm nahe gestanden haben. Und Zuversicht in die Zukunft, die sich daraus für die ergibt, die ihren Weg ohne ihn weitergehen werden.

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