Dialog 51

Trotzdem hast du im Grunde immer sehr gut gewusst, dass diese Dinge, du du da empfangen hast, nicht meine Worte waren, nicht wahr? Also vergiss es und behandele es wie einen schlechten Traum.

Dialog 51, 06.02.1986

Wie sieht es aus, haben wir gut gearbeitet?

Sehr gut sogar. Ich bin zufrieden. Auch mit eurem Problem seid ihr gut umgegangen: Reden ist im Augenblick das Falscheste, was ihr tun könnt. Handelt lieber! Entwerft, plant, lebt euch in eure Entwürfe ein. Das ist gut und das wird euch weiter bringen.

Wir haben alle drei das Gefühl, die Anlage jetzt ziemlich genau getroffen zu haben.

Na fein.

Ich wollte damit sagen: Ist es das jetzt schon? Oder wie verfahren wir jetzt weiter?

Immer langsam, mein Freund. Noch seid ihr nicht fertig mit eurer Arbeit. Erst wenn ihr einen Entwurf auf dem Papier habt, an dem ihr nichts mehr verbessern wollt, dann dürft ihr zu mir kommen. Im Moment seid ihr am Zug. Ich sage noch gar nichts dazu – Außer, dass ihr heute gut zusammengearbeitet habt.

Für mich ist da noch etwas sehr unklar: Ich möchte in dem Entwurf auch Platz für Neues lassen, für Neukonstruktionen also. Und das kann ich mir eigentlich nur dann vorstellen, wenn wir auch Besitzer dieser Anlage sind. Von diesen Dingen war aber bisher nie die Rede.

Die Idee ist richtig und sie ist gut. Und das ist im Moment alles worauf es ankommt. Ihr entwerft jetzt eure Anlage, nichts weiter.
Um Eigentumsverhältnissse kümmern wir uns später.

Wie verfahren wir jetzt organisatorisch weiter?

Ihr kommt morgen Abend wieder zusammen, legt weitere Einzelheiten fest und du arbeitest an der Gesamtzeichnung, zusammen mit den anderen.

07.02.1986

Ich habe mich heute morgen ziemlich lange vor dem Gespräch mit dir gedrückt. Eigentlich weiß ich selber nicht warum.

Du antwortest nicht?

Was sollte ich dir auf diesen Satz antworten? Er ist ja nicht einmal als Frage gestellt worden. Die Zeiten ändern sich jetzt etwas. Am Anfang unserer Beziehung habe ich dich noch umworben, inzwischen weißt du genug von mir, um selber einschätzen zu können, wie wichtig ich für dich und für euch bin. Wenn du also lieber am Kaffeetisch sitzenbleiben willst, anstatt zu mir zu kommen, dann bleib ruhig dort sitzen. Es wird sich zeigen, ob du die Antworten auf deine Fragen auch dann findest, wenn du im Spiegel blätterst.

Ich weiß halt im Moment nicht, wie ich es besser ausdrücken soll. Ich habe irgendwie manchmal Ermüdungserscheinungen. Tippen, tippen, tippen. Und zwischendurch jede Minifrage aufschreiben und nachfragen und aufschreiben und nachfragen … Heute morgen hatte ich einfach keinen richtigen Schwung weiterzumachen.

Dann lass es sein und vergleiche, wie weit du damit kommen wirst.

Nein, das will ich ja gar nicht. Verstehst du denn nicht?

Nein, du musst dich schon deutlicher ausdrücken.

Heute morgen hat mich das Volumen unseres Projektes, so wie wir es gestern umrissen haben, auf einmal wieder bedrückt. Gestern fand ich es noch richtig und stimmig. Heute morgen hat es mich erschlagen und ich habe mich mutlos gefühlt.

Und wieder einmal an mir gezweifelt, nicht wahr?

Wenn Mutlosigkeit Zweifeln ist, dann ja.

Sicher ist es das. Und jetzt musst du deine Zweifel sogar mit auf den Markt nehmen, weil durch dein Zögern alle unsere Zeit vertrödelt wurde und ich dir keine Kraft mehr mit auf den Weg geben kann. Jörg, du musst daran jetzt selber mitarbeiten. Ich habe dich in deinen Zweifeln sehr oft schon gestützt. Inzwischen erwarte ich, dass du in solchen Fällen etwas mehr leistest, als zu mir zu kommen. Bete! Jetzt sofort.

07.02.1986 (abends)

Da steht wieder einmal irgendetwas zwischen uns. Und ich weiß nicht, was es ist. Habe ich mir irgend etwas zuschulden kommen lassen?

Nein, außer, dass du wieder einmal eine Vertrauenskrise hast. Jörg, sorge dich nicht und wehre dich nicht dagegen. Das geht vorüber. Schon morgen früh kann es dir wieder besser gehen. Deine Fantasie hat dir in den letzten Tagen einen Streich gespielt und du hast geglaubt Botschaften zu hören, die dich an mir irre werden ließen. Trotzdem hast du im Grunde immer sehr gut gewusst, dass diese Dinge, du du da empfangen hast, nicht meine Worte waren, nicht wahr? Also vergiss es und behandele es wie einen schlechten Traum.

Um dir zu helfen sage ich jetzt Monika folgendes: Dringe nicht darauf von Jörg zu erfahren, worum es hier geht. Das ist eine Sache, die nur ihn und mich etwas angeht. Damit hast du nichts zu tun. Es geht im zur Zeit nicht sehr gut und darauf sollst du Rücksicht nehmen. Ich werde ihm sagen, was zu tun ist – und im Moment ist nichts zu tun. Es gibt keinen Grund für dich, deine Arbeit zu unterbrechen, denn sie hat nichts mit diesen Dingen zu tun. Habe ich mich da deutlich ausgedrückt?

Was eure Visualisierungsarbeiten betrifft: Ich sage euch, ihr kommt derzeit gut voran und ich bin zufrieden. Ihr nähert euch immer mehr dem Punkt, auf den ihr kommen sollt. Also sei zufrieden, du hast allen Grund dazu. Die Dimensionen eures Projektes werden immer realistischer und das gefällt mir. Es ist eine gute Wahrnehmung, in euren Entwürfen Raum für Neues zu lassen. Wenn ihr so weiterarbeitet wie bisher, werden wir bald mit der praktischen Seite des Projektes beginnen können. Du wolltest Hilfe „von oben“ haben. Genügt dir das fürs erste?

Und du, Jörg, dir geht es bereits besser, nicht wahr? Das waren böse Tage für dich, diese letzten Tage. Und das Schlimmste war, dass du mit niemanden reden konntest. Jetzt hörst du mich wieder klar und deutlich und der Schatten ist vorüber gezogen. Mach jetzt eine Pause und schreibe nicht weiter. Wir sprechen uns morgen früh wieder.

© Monika Laube. Du darfst diesen Artikel zum persönlichen Gebrauch unverändert kopieren und weitergeben, vorausgesetzt dieser Copyright Hinweis steht am Ende des Dokumentes.  Für eine gewerbliche Nutzung nimm bitte Kontakt mit mir auf.

Schreibe einen Kommentar