Dialog 53

Ich gestalte diese Dinge aus meiner Sicht und sehe sie auf meine Weise und ihr müsst mir vertrauen  und mir glauben, dass ich den Überblick nicht verliere. Ich weiß sehr gut, was ich tue, und ihr dürft mir glauben, dass meine Pläne für jeden von euch gut sein werden.

Dialog 53, 09.02.1986

Einen schönen, kalten Wintermorgen wünsche ich!

Wie geht es dir eigentlich inzwischen, wenn du so Tag für Tag auf den Markt fährst, obwohl du finanziell fast immer drauflegst?

Ich habe einerseits volles Vertrauen darin, dass es damit schon seine Richtigkeit hat, wenn du es so willst. Andererseits wäre es kein Widerspruch, wenn sich die ganze Mühe auch finanziell etwas mehr lohnen würde. Ich wollte dich bzw. wir wollten dich deshalb auch schon einmal darauf ansprechen, ob nicht irgend etwas am Konzept geändert werden muss. Denn offensichtlich verkaufen wir doch ein Produkt, an dem viel zu wenig Leuten wirklich etwas liegt. Würden wir unser Angebot so verändern, dass mehr Leute an unseren Stand fänden , wäre doch auch dem Pflanzenhandel gedient.

Das ist richtig so, aber dennoch möchte ich derzeit nicht, dass ihr euer Angebot wesentlich erweitert und eure Aufmerksamkeit zu sehr auf diesen Handel konzentriert. Was ihr tun könnt und sollt ist Öle aufzunehmen plus deren Behälter plus Behälter für Gewürze und Kräuter.
Außerdem ist die Idee mit den Büchern richtig und würde eurem Stand gleich enorm Gewicht geben. Dann kennt ihr noch nicht die Wirkung des Handzettels, der hoffentlich bald einmal gedruckt wird. Und außerdem kommt bald der Frühling und da wird sich für euch manches ändern, nicht nur auf den Märkten.

09.02.1986 (mittags)
Wir wissen beide überhaupt nicht mehr was lost ist. Der Tag schien so gut und energiegeladen anzufangen und jetzt fühlen wir uns beide völlig ausgepowert und jedem geht es auf seine Weise schlecht:
Monika hat versucht, ihre neue Vorstellung vom Gemeinschaftshaus umzusetzen und ist irgendwie in eine Sackgasse geraten damit. Und ich habe einen Brief an Anna geschrieben und habe das Gefühl, völligen Unsinn zu Papier gebracht zu haben und fühle mich jetzt ziemlich jämmerlich. Ich hatte schon beim Schreiben ständig das Gefühl, dass ich besser damit aufhören sollte – und habe dann doch weiter geschrieben. Und Monika hatte beim Zeichnen das gleiche Gefühl – und hat sich auch nicht darum gekümmert. Was haben wir falsch gemacht?

In deinem Falle ist die Sache eindeutig. Du hast einen Brief geschrieben, den du in diesem Augenblick gar nicht schreiben wolltest. Und weil du dir die Vorstellung gemacht hast, dass dieser Brief besonders viel Herz enthalten müsse, ist die Sache natürlich daneben gegangen. Hättest du mich gefragt, wie du den Tag einteilen solltest, hätte ich dir zu diesem Brief jetzt nicht geraten. Schade darum, das waren viele vergeudete Energien. Das Beste ist, du wirfst diesen Brief sofort in den Mülleimer, damit er dich nicht ständig daran erinnert.

Bei Monika liegen die Dinge etwas anders. Das Gemeinschaftshaus ist tatsächlich der zentrale Angelpunkt eurer ganzen Vision. Schuppen, Scheune, Hangar und alles übrige sind dagegen Beiwerk, relativ unwichtig für den momentanen Stand der Visualisierung. Das Gemeinschaftshaus, besser gesagt „das Haupthaus“, eben DAS HAUS, das habt ihr noch nicht entdeckt.

Ich nehme an, dass du uns nicht zu sagen beabsichtigst, wovon du sprichst.

Auf keinen Fall werde ich das tun. Das ist jetzt eure Arbeit und sie ist ungemein wichtig. Ihr müsst sie alleine leisten.

Bekommen wir nicht wenigstens einen Hinweis?

Nur soviel: Lasst mal Schuppen , Scheune, Garten und alles übrige beiseite und kümmert euch zunächst einmal nur um das Haupthaus. Legt genau fest: Welchem Zweck muss es dienen? Was haben wir damit vor? Wie muss es also beschaffen sein?  Daran orientiert sich der ganze Gemeinschafts-Gedanke. Und umgekehrt: Wenn ihr wisst, was ihr anderen Menschen eigentlich vermitteln wollt, habt ihr fast automatisch auch das Haus dazu
gefunden. 

Ich weiß, dass klingt jetzt erst recht rätselhaft. Deshalb sage ich euch noch: Ihr wart schon oft sehr nahe an dem entscheidenden Punkt gewesen und hättet die Idee eurer Gemeinschaft fast schon mit der Hand greifen könne. Aber jedes Mal habt ihr euch von Äußerlichkeiten ablenken lassen. Ihr seid immer wieder schon viel zu früh in die Details gegangen.

Aber warum geht es Monika jetzt so schlecht, wenn wir mit allen unseren Entwürfen bisher noch nicht das Ziel getroffen haben?

Weil sie intuitiv weiß, dass von diesem Haus viel abhängt und sich auf eine falsche Fährte begeben hat, obwohl sie das wusste. Das hat sie angestrengt und jetzt ist sie enttäuscht und müde. Außerdem hat sie im Moment keine Vorstellung mehr, wie sie weitermachen soll.

Dein Brief an Anna hat einen ähnlichen Punkt berührt: Während Monika in der falschen Richtung gearbeitet hat, hast du dasselbe an der Schreibmaschine getan. Du hast ständig versucht die Gemeinschaft zu beschreiben, als stünde sie schon plastische vor dir, und hast doch im Grunde gemerkt, dass du noch gar kein klares Bild von ihr hast und alle Bilder, die bisher entworfen wurden, die Sache nur zum Teil treffen. Dass aber der Kern, das Wesen dieser Gemeinschaft noch gar nicht herausgearbeitet worden ist. Ihr seid also heute morgen beide mit Volldampf in die Sackgasse gefahren, aber immerhin mit dem Ergebnis, dass ihr jetzt mehr wisst als vorher. Ihr wisst zumindest, das da irgendetwas noch nicht stimmt.

Jetzt frage ich mich aber doch, warum du uns ständig so gelobt hast? Das hat sich immer angehört, als seien wir unmittelbar vor dem Ziel.

Das wart ihr ja auch. Nur seht ihr im Moment den Wald vor lauter Bäumen nicht. Ich hatte immer allen Grund euch zu ermutigen, denn ihr habt wirklich gut und zügig gearbeitet, wenn ihr jetzt auch festzustecken scheint.

Scheint?

Scheint! Lasst euch das jetzt erst mal durch den Kopf gehen und wir sprechen heute Abend wieder darüber.

09.02.1986 (abends)
Nachdem wir heute Nachmittag mit Rebecca zusammen versucht haben, das Rätsel zu lösen, dass du uns heute Mittag aufgegeben hattest, war es uns zunächst ganz gut gegangen und wir haben geglaubt, einen guten Schritt weiter gekommen zu sein. Jetzt, abends, fühlen wir beide, Monika und ich, uns auf einmal schrecklich zerschlagen und irgendwie enttäuscht, ohne dass wir sagen könnten warum.

Beschreibe mir zunächst in deinen Worten, zu welchen Lösungen ihr gekommen seid.

Wir haben zunächst einmal festgestellt, dass es vielleicht ein Fehler war, die Anlage nur nach eher äußeren Kriterien zu umschreiben, wie die Zahl der Gebäude festzulegen und so weiter. Wir haben uns gesagt, dass das einzige, was wir sicher sagen können, ist: Diese Gemeinschaft wurde in der jetzigen Form von dir zusammengeführt. Alles weitere wissen wir noch nicht. Daraus haben wir geschlossen, dass möglicherweise das Richtige ist, zunächst ein Haus zu suchen, in dem wir drei und ein „au-pair“ plus die Kinder Platz haben.
Dadurch wurde die Hausgröße wieder reduziert auf ein Gebäude mit eventuell einem Anbau. Alles übrige haben wir völlig offen gelassen. Und das schien auch heute Mittag stimmig zu sein. Denn du hattest gesagt, wir sähen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Das haben wir „übersetzt“ mit: „Wir sehen die Gemeinschaftsanlage vor lauter Häusern nicht.
Jetzt aber, einige Stunden später, sind wir verwirrter als je zuvor. Ich für meinen Teil bin wieder genau an dem Punkt, an dem ich schon von Anfang an war und sage mir: Eine Gemeinschaft, die zunächst nur aus Monika, Rebecca und Jörg besteht, ist mir nicht vorstellbar. Und Monika fühlt sich wieder völlig ausgeleert und hat das Gefühl, dass sie beziehungsweise wir ständig die ganze Arbeit alleine machen, dass Rebecca ihren Teil dazu nicht beiträgt und dass das auch in Zukunft so bleiben wird. Und vor dieser Aussicht hat sie Angst.

Zunächst zur Anlage selber: Ihr habt mich richtig verstanden. Euer Fehler war, diese Anlage eher äußerlich zu begreifen und deshalb konntet ihr nicht mehr weiterkommen. Eure Gemeinschaft muss aber aus euch heraus entstehen. Als ihr das begriffen hattet, fühltet ihr einen Schritt weitergekommen zu sein. Ich hatte euch ganz zu Beginn schon einmal gesagt: Ihr müsst alles, was ihr entwerft, auch mit Leben füllen können. Was darüber hinausgeht ist zu viel gewesen.

Von diesem Punkt an aber habt ihr zwei Dinge durcheinander geworfen: Die Gemeinschaft, die ihr bilden sollt, ist eine Entwicklung, die weit in die Zukunft hineinreicht. Wie diese Zukunft aussehen wird, könnt ihr nicht wissen, Das weiß nur ich. Was ihr jetzt damit vermischt, sind eure aktuellen Schwierigkeiten mit Rebecca und die haben nur mit der Gegenwart etwas zu tun.

Es ist richtig beobachtet, dass Rebecca ihren Teil bei der Sache noch nicht übernommen hat und ihr die Hauptarbeit alleine leistet. Und auch Monikas Wahrnehmung stimmt, dass sie ausgeleert wird, immer und immer wieder, aber deshalb hat Rebeccas Dabeisein dennoch seinen Sinn und ihre Stunde wird noch kommen. Rebecca steckt zur Zeit in einer sehr umfassenden Umgestaltung ihrer ganzen Persönlichkeit. Das geht sicherlich auf Kosten von euch, aber es wird nicht so bleiben. Was ihr heute erlebt, ist nicht typisch für euer Zusammenleben in der Zukunft.

Außerdem seid ihr nur jetzt zu dritt und sollt nicht lange zu dritt bleiben. Ich habe euch zusammengeführt, damit ihr eine Gemeinschaft GRÜNDET, nicht dass ihr eine seid. Ihr könnt euch vielleicht idealere Zusammensetzungen vorstellen, aber das sind Gedankengebilde aus euren Köpfen und Wunschvorstellungen, die ihr euch selber schafft. Ich gestalte diese Dinge aus meiner Sicht und sehe sie auf meine Weise und ihr müsst mir vertrauen  und mir glauben, dass ich den Überblick nicht verliere. Ich weiß sehr gut, was ich tue, und ihr dürft mir glauben, dass meine Pläne für jeden von euch gut sein werden.

Haben wir dann jetzt „unser Haus“ gefunden? Sollen wir anfangen, danach zu suchen?

Wenn ihr in einer anderen Stimmung wärt als jetzt, könnte ich dir diese Frage vielleicht beantworten oder euch zumindest einen deutlicheren Hinweis geben. So müssen wir die Dinge jetzt erst wieder ruhen lassen, bis ihr selber innerlich einverstanden seid mit dem, was ihr heute erarbeitet habt. Interpretiert das jetzt aber nicht als ein verstecktes „Ja“, denn das habe ich nicht gesagt.

Wie sollen wir dann jetzt praktisch weiter vorgehen?

Das lege ich jetzt noch nicht fest. Vielleicht morgen früh, vielleicht auch erst morgen Abend. Was jetzt in euch passiert ist, muss erst Zeit haben zu arbeiten – entweder um nach außen zu drängen oder um sich setzen zu können.

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