Dialog 54

Umgekehrt können die klangvollsten Gebetsformeln hohle Phrasen sein, wenn sie nicht im richtigen Geist gesprochen wurden.

Dialog 54, 10.02.1986

Ich fühle mich mit dem Stand der Dinge im Augenblick so schlecht, dass ich noch einmal nachfragen möchte,  ob ich wirklich alles richtig niedergeschrieben habe.

Ja, alles ist richtig so.
Ich habe euch drei zusammengeführt, damit ihr eine Gemeinschaft gründet und eure jetzige Aufgabe ist es, das richtige Haus dafür zu finden. Ihr habt euch alle drei (wenn auch jeder aus seinen eigenen Gründen) gegen diese Entscheidung gewehrt und habt ein Bild der Gemeinschaft entworfen, dass eurer eigentlichen Situation nicht entspricht- und seid nicht weitergekommen.

Jetzt dagegen seid ihr wieder an dem Punkt, an dem ihr im Grunde begonnen habt. Wenn ihr jetzt bei der Sache bleibt und meiner Führung vertraut, werdet ihr das Haus finden könne. Dass es euch persönlich immer noch nicht besser geht dabei, kann ich zwar verstehen, aber das spielt im Grunde keine Rolle.

Moni fühlt sich ziemlich mutlos, wenn sie immer wieder die Erfahrung machen muss, dass Rebeccas Persönlichkeitsentwicklung auf ihre Kosten geht. Sie fühlt sich nach wie vor von ihr ausgesaugt. Hattest du nicht gesagt, du wolltest sie jetzt davor schützen und Rebecca in die Lage versetzen, selber „für sich zu sorgen“, ohne anderen die Energie abzapfen zu müssen?

Ich habe gesagt, dass ich sie in dieser Hinsicht SOWEIT WIE MÖGLICH schonen werde. Aber in einer Gemeinschaft von dieser Größe ist es völlig unmöglich, dass solche Berührungen ausbleiben, die den einen belasten und dem anderen dafür helfen. Es ist sogar nötig, dass diese Dinge sich so entwickeln, denn die Energie, die Monika jetzt immer wieder hergeben muss, geht ihr ja nicht verloren. Das erscheint ihr nur im Augenblick so, weil sie noch nicht sofort etwas anderes im Austausch dafür zurück bekommt.

Noch einmal zu dem Haus. Ich wiederhole meine Frage von gestern Abend. Der Stand der Dinge scheint zu sein: Wir brauchen ein Haus, in dem wir fünf plus eine weitere Frau Platz haben.

Richtig.

Das wäre dann schon eins von den größeren Häusern, denn alles in allem bräuchten wir ja mindestens sechs bis sieben Räume.

Richtig. Ich sage euch aber auch:
Jetzt, wo ihr den Gedanken wieder zugelassen habt, trotz eurer Schwierigkeiten miteinander doch in ein Haus zusammenzuziehen, müsst ihr euch nicht auf ein Gebäude beschränken.

Ach du liebe Zeit! Jetzt geht das schon wieder los.

Wichtig ist, dass ihr euch als Gemeinschaft begreift. Und die braucht zunächst einmal ein Haus. Alles, was darüber hinaus geht, ist möglich, aber ihr sollt es nicht fest einplanen. Das war euer Hauptfehler bisher. Wenn ihr noch einmal eine Zeichnung wie die bisherige anfertigt, konzentriert euch zunächst einmal nur auf EUER HAUS. Das muss stimmen. Und es stimmt dann, wenn es euren Bedürfnissen voll entspricht.

Zeichnet dann eventuell ein zweites Gebäude, dass der Gemeinschaft DIENT, damit sie mehr tun kann, als nur zusammen wohnen. Wenn ihr dann noch weiter Gebäude sichtbar machen wollt, entwerft sie nur als Ideenskizze, als Umrisse, als Gebäude, die so oder auch ganz anders sein können. Legt euch da nicht wieder fest! Ihr dürft nicht mit Dingen planen, die ihr nicht überblicken könnt.

Wenn es euch gelingt, diese Zeichnung zu Papier zu bringen, können wir wahrscheinlich mit der praktischen Umsetzung beginnen.

Wann sollen wir uns wieder treffen?

Heute Abend, wenn ihr das schafft. Ihr wisst doch, wie wenig Zeit ihr habt.

Ich habe noch eine wichtige Frage zum gemeinsamen Beten. Ich (und Monika), wir empfinden die Situation zwischen uns dreien immer noch oft so unklar, dass wir mit dieser Form des gemeinsamen Betens, die wir bisher praktiziert haben, nicht zufrieden sind. Ich finde keinen Kontakt zu dir, wenn Rebecca betet. Ich möchte das selber tun können. Wenn Moni betet, ist das für mich etwas anderes, dann fließt auch meine Energie mit in die ihre ein. Aber wenn Rebecca betet, habe ich immer wieder ein Gefühl von Leere in mir und Moni empfindet das auch so. Ist es eine Anweisung von dir, das so zu handhaben oder können wir es auch anders
tun?

Zum Beten gebe ich keine Anweisungen! Selbstverständlich muss ein Gebet in tiefer Übereinstimmung gesprochen werden. Wo diese Harmonie gestört ist, hat auch das Gebet keinen Sinn. Betet daher still für euch, wenn ihr euch dabei besser fühlt.

10.02.1986
Wir für unseren Teil haben das Gefühl, die Aufgabe jetzt gelöst zu haben – wenigstens auf dem Papier! Das Haus entspricht unseren momentanen Bedürfnissen und alles weitere haben wir völlig offen gelassen. Wenn ausbaufähige Gebäude da wären, ist das gut. Wenn nicht, wären wir auch zufrieden. Unser Haus hat jetzt alle nötigen Zimmer (eines für jede Person) und die nötigen Arbeits- und Wirtschaftsräume. Unsere Wunschlage wäre auf dem Land, aber nicht zu weit von der nächsten Stadt entfernt. Aber auch das würden wir offen lassen. An Land wünschen wir uns zwar möglichst viel, wären aber fürs erste auch nur mit einem Garten zufrieden. Wie sieht es aus?

Was hast du selber für ein Gefühl dazu?

Ich finde es stimmig, obwohl ich heute in ziemlich schlechter Verfassung bin und keine rechte Freude daran aufkommen will.

Dann lass dir sagen: Es ist gut so! Ihr habt das richtige Haus entworfen und wir können nun mit dem zweiten Teil beginnen und dieses Haus suchen.

Das Haus gibt es also?

Natürlich.

Genauso, wie es auf dem Papier aussieht?

Ziemlich ähnlich. Genauso könnt ihr es nicht entwerfen, weil euch dazu die Übung fehlt. Aber ihr habt euch der Wirklichkeit schon beachtlich genähert.

Ist es eine neues Haus oder ein altes?

Das ist doch jetzt egal. Findet es, dann werdet ihr schon sehen, wie es geschaffen ist.

Wie gehen wir vor? Herum fahren und suchen? Anzeigen lesen? Anzeigen aufgeben? Makler und Notare einschalten?

Alles das. Da ihr so zügig voran gekommen seid (was ihr vor allem Monikas intensiver Arbeit verdankt), habt ihr jetzt etwas mehr Zeit für die Suche. Herum fahren ist in jedem Falle wichtig, aber setzt auch die anderen Mittel ein. Nehmt eure Zeichnung mit und fragt die Leute nach einem solchen Haus. Das wird euch helfen.

Gibt es für die persönliche Suche bestimmte Gegenden, auf die wir uns konzentrieren sollen?

Nein, eure praktische Suche muss ebenso verlaufen wie die Entwicklungsarbeit auf dem Papier. Da habe ich euch ja auch keine Vorgaben gegeben, sondern euch nur hin und wieder korrigiert. Fangt erst einmal an, dann werdet ihr euch schon da rein arbeiten.

Fahren wir jetzt immer zusammen rum oder wie machen wir das?

Nein, das ist nicht nötig und sogar unpraktisch. Jeder weiß ja nun, wonach er suchen soll. Und jeder sucht, wann immer er kann und wo immer er will. Zunächst.
Entwerft auch eine Annonce und gebt sie in den Regionalzeitungen auf. Und natürlich lest ihr ab jetzt wieder diese Zeitungen auf Anzeigen hin durch. Makler und Notare kommen auch in Frage, selbstverständlich. Zeigt auch ihnen eine Skizze eures Hauses, dass wird die Suche auch dort stark vereinfachen.

Könntest du uns nicht genauere Vorgaben geben, wer wann was machen soll?

Ich könnte schon, aber ich will es jetzt nicht. Nehmt diese Dinge einmal selber in die Hand, das mag ganz interessant werden.

Also scheinst du zu diesem Punkt jetzt nichts mehr sagen zu wollen.

Nein, wenigstens nicht heute Abend.

Dann gebe ich noch zwei Fragen von Rebecca weiter:
Kann ich dich jetzt schon um einen Hinweis bitten, in welcher Richtung ich meinen Anteil an der Gemeinschaftsaufgabe suchen kann, oder werde ich das alleine herausfinden müssen?

Ich finde in der Meditation nicht mehr die Tiefe, die ich früher empfunden habe oder zu haben glaubte. Und beim Beten kommen mir alle Worte, die mir einfallen, so abgenützt und leer vor. Mache ich etwas falsch?

Zu deiner ersten Frage: Das wirst du unbedingt alleine herausfinden müssen. Auch die anderen können ihre zukünftigen Aufgaben nur ahnen. Diese Dinge werden sich sehr zwangsläufig entwickeln, darauf kannst du dich verlassen.

Zu deiner zweiten Frage: Worte können sich nicht abnutzen, auch wenn das manchmal so dargestellt wird. Wenn dir dein Gebet leer erscheint, dann spürst du die Leere, die in dir selber ist. Es gibt keine „starken“ Worte und keine „schwachen“, denn jedes noch so unscheinbare Allerweltswort kann, wenn es im richtigen Geist angewandt wurde, vor Kraft beben. Umgekehrt können die klingendsten Gebetsformeln hohle Phrasen sein, wenn sie nicht im richtigen Geist gesprochen wurden.
Mit dem Meditieren verhält es sich genauso. Dass du jetzt keine „Tiefe“ mehr zu spüren glaubst, bedeutet nur, dass du dich an die Leere heranzuarbeiten beginnst, die dich in Wahrheit „ausfüllt“. Die Tiefe, die du einmal gehabt zu haben glaubtest war im Wesentlichen eine „erdachte Tiefe“. Sie war nicht wirklich da und du wirst das merken, wenn du erst einmal einen Schritt mit dir weiter gekommen bist und selbst den Unterschied erfahren kannst.

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