Dialog 56

Es verändert dein Leben natürlich auch, wenn du es nicht tust, nur in anderer Hinsicht.

Dialog 56, 10.02.1986

Ich habe eben im Findhorn-Buch (Paul Hawken, The Magic of Findhorn) etwas gelesen, was mich sehr betroffen gemacht hat: Peter beschrieb die konsequente Art und Weise, mit der er auf intuitive Eingebungen zu reagieren pflegt. Ich habe mich mit ihm verglichen und festgestellt, dass ich nicht im entferntesten bereit wäre, ähnliches zu tun. Meine „Kontrollinstanzen“ würden solche Eingebungen, zumindest wenn sie etwas ausgefallen wären, sofort als lächerliche Hirngespinste abtun. Dabei habe ich, glaube ich, täglich etliche solcher Eingebungen. Verhalte ich mich da falsch, wenn ich nicht einmal richtig hinhöre, wenn sie kommen?

Ja und nein. Du bist nicht Peter Caddy, das ist der erste Punkt. Deshalb kannst du dich nicht ebenso verhalten wie er. Deine Sache ist das Schreiben und deshalb übe dich darin, konsequent alles aufzuschreiben, was dir als Frage oder Eingebung in den Sinn kommt. Deshalb triffst du dich jeden Tag mindestens zweimal mit mir im Wohnwagen. Und deshalb habe ich die aufgefordert, deinen Block immer bei dir zu tragen.

Ich weiß, dass du dir selber nicht traust in puncto innere Stimme und das ist sogar berechtigt, weil wirklich nicht alles, was auf diese Weise zu dir vordrang, eine intuitive Eingebung war. Wenn du aber alles AUFSCHREIBST, kann ICH für dich die Spreu vom Weizen trennen. Wichtig ist nur, dass du alles befolgst, was du niedergeschrieben hast! In diesem Punkt musst du eine ähnliche Konsequenz erlernen, wie Peter Caddy. Wenn du auf dem Markt stehst und gerade mitten im Aufbauen bist und eine Stimme sagt dir, du sollst mich fragen, ob du weiter aufbauen sollst, und ich teile dir dann über das Papier mit, du sollst wieder abbauen und dieses oder jenes statt dessen erledigen, dann muss du das tun, ganz egal, was du selber davon hältst. Du musst lernen und immer wieder lernen, dass deine Vernunft dir überhaupt nichts zu befehlen hat, sondern nur ich.

Der Nachteil bei diesem Verfahren ist, dass du mich noch viel zu wenig über das Papier befragst. Du könntest viel mehr Gebrauch davon machen. Wenn du zum Beispiel mit dem Auto unterwegs bist und du siehst einen Weg und etwas sagt dir, du solltest hineinfahren, dann halte an und frage mich. Das „kostet“ dich im Einzelfall höchstens eine Minute, aber es kann dein ganzes Leben verändern, wenn du es tust!

Es verändert dein Leben natürlich auch, wenn du es nicht tust, nur in anderer Hinsicht. Das Beste ist, wenn du deinen Block wirklich immer neben dir liegen hast, sooft es geht. Im Auto auf dem Beifahrersitz, am Markt auf dem Stand und so weiter. Es sollte dir immer so wenig Mühe wie möglich machen, dieses Mittel zu benutzen.

Peter schreibt weiterhin:
Eine Gemeinschaft braucht in ihrer Anfangsphase eine starke Führung durch Menschen, die Entscheidungen treffen können. Ihm sei keine erfolgreiche Gemeinschaft bekannt, die als Gruppe angefangen hätte. Womit er wahrscheinlich meint: die ohne Führungspersönlichkeit angefangen hätte. Von uns dreien ist nun keiner ein Führungstyp und ich habe manchmal auch das Gefühl, dass das ein großer Nachteil ist. Wie sieht das in dieser Hinsicht bei uns aus?

In diesem Punkt hat Peter Caddy nicht ganz recht. Erstens habe ICH in eurer Gruppe die Führung und meine Führung bei euch ist eine völlig andere als bei den Caddys zu Beginn ihrer Gemeinschaftsbildung. Euch führe ich sehr viel konkreter und strenger, eben weil ich bei euch die Führungspersönlichkeit ersetzen muss.

Da ich dich dazu bestimmt habe, immer genügend Zeit zum Aufschreiben meiner bereitzustellen, wird dieses Manko bei euch völlig ausgeglichen.

Trotzdem ist es gut, dass du diese Frage stellst. Ihr habt nämlich durchaus jemanden in eurer Gruppe, der sehr wohl Entscheidungen treffen könnte, wenn ich es nicht getan habe: Ich spreche von Monika. Ich werde sie in dieser Hinsicht auch noch besonders ausbilden. Nur im Moment wäre das eine zusätzliche Belastung für sie, die ich ihr nicht ohne ihren Wunsch aufbürden möchte. Monika hat die intuitive Sicherheit, richtige Entscheidungen treffen zu können. Und ich frage sie an dieser Stelle, ob sie bereit wäre, eine Führungsposition innerhalb eurer Gruppe zu übernehmen? Sie soll sich dazu einmal selber äußern.

Würdest du ihr Hilfen an die Hand geben können, eine solche Funktion zu übernehmen?

Sicherlich. So wie ich von Monika und Rebecca (und allen künftigen Mitgliedern der Gruppe) verlange, dass sie meine Worte (die von dir niedergeschrieben werden) ohne Zögern als meine Worte anerkennen, würde ich auch von dir und Rebecca (und allen künftigen Mitgliedern) verlangen, dass Monikas Anweisungen befolgt werden, wenn ICH nicht anders entscheide. Und zwar solange, bis ein Mitglied eurer Gemeinschaft kommt, dass diese Aufgabe besser übernehmen kann. Aber das wird nicht so bald der Fall sein.

Zu unserem Haus. Wir haben die Anzeige verfasst, ist sie so in Ordnung? Wir würden dann Makler und Notare abklappern, und zwar jeweils dort, wo wir gerade am Suchen sind. Die Häusersuche würden wir auf jeweils drei Tage in der Woche verteilen und uns die Gegenden nach Gebieten aufteilen. Ist das gut so?

Die Anzeige ist ok. Ansonsten müsst ihr es zunächst so machen, da euch nichts Besseres eingefallen ist.

Was wäre denn besser gewesen?

Etwas, das euch leider nicht einfallen ist. Fertig.

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