Dialog 60

Ihr habt heute eine wichtige Einsicht gehabt: Ihr sollt nicht nur euer Haus finden, sondern zugleich noch eure Gemeinschaft bilden.

Dialog 60, 13.02.1986

Du hast mich in den letzten Monaten schon bei manchem Sauwetter auf die Märkte gejagt. In letzter Zeit wurde ich dagegen öfters zurückgehalten, obwohl das Wetter gar nicht so schlimm gewesen ist. Liegt das daran, dass zur Zeit die Haussuche im Vordergrund steht?

Natürlich. Als ich dich „bei jedem Sauwetter auf die Märkte jagte“ war das vor allem eine Übung in Gehorsam und Vertrauen. In DIESER Art muss ich dich jetzt nicht mehr schulen, denn du hast schon Fortschritte gemacht. Jetzt geht es um ein neues Training. Deshalb wäre es jetzt sinnlos, wenn du auf leeren Märkten deine Zeit verbringst, anstatt sie in euer Projekt einzubringen.

Ich habe so eine Ahnung, dass ich auch morgen nicht nach Concarneau fahren werde. Stimmt das?

Ja, das stimmt. Ausnahmsweise sage ich das jetzt schon, weil ihr heute Abend sehr gut gearbeitet habt und ich diesen Prozess nicht unterbrechen möchte. 

Es gibt auch noch eine andere Veränderung: Ich werde (zunächst versuchsweise!) eure private Wirtschaftsführung wieder mehr zurück in eure Hände legen. Ihr wisst jetzt, worauf es ankommt und habt mehr Verantwortungsgefühl für eure wirtschaftliche Lage entwickelt. Ihr braucht mir also von jetzt ab eure Einkaufszettel nicht mehr in allen Fällen vorzulegen. Ausgenommen sind lediglich alle Produkte, die nur dem reinen Genuss dienen, wie Bier zwischendurch oder dergleichen. Ich tue das, weil ich gesehen habe, dass du deine Bedürfnisse selber schon immer mehr von diesen Dingen abgewendet hast und nicht mehr in derselben Gefahr bist wie früher, sehr viel unnützes Geld dafür auszugeben.

Ich rate euch also jetzt nur noch eher global in diesen Dingen: Behaltet eure Kontoführung gut im Auge und kalkulierte eure Ausgaben sinnvoll! Fragt mich aber weiterhin bei allen größeren Ausgaben und fragt mich natürlich immer auch dann, wenn ihr euch selber unsicher seid. Wir wollen mal sehen,wie gut das klappt.

Monika und ich haben im Zusammenhang mit meiner Frage zu den wirtschaftlichen Strukturen der Gemeinschaft über die Möglichkeit gesprochen, „Les temps nouveaux“ schon jetzt zu einem ordentlichen Verein werden zu lassen, um der Idee so bald wie möglich feste Formen geben zu können.

Ausgezeichnet. Ihr geht wirklich in einem sehr stimmigen Tempo voran, das gefällt mir. Kümmert euch sofort um diese Sache. Schiebst sie keinen Tag länger als nötig auf. Noch ist „Les temps nouveaux“ nur eine Idee in euren Köpfen. Holt sie sobald wie möglich auf die Erde herunter. Sehr gut!

Es ist verrückt: Ich habe Fragen über Fragen im Augenblick, aber kann keine einzige davon in Worte fassen. Ich fühle mich schon seit einigen Tagen „ganz nah dran“ und weiß doch gar nicht zu sagen, WO dran ich mich fühle.

Dann wäre es wahrscheinlich das Beste, jetzt langsam mal ins Bett zu gehen. Vielleicht weißt du morgen besser, was du heute sagen wolltest.

Dennoch weiß ich, wie dir jetzt zumute ist. Du bist ja auch ganz „nah dran“. Ein bisschen Zeit und ein bisschen Übung noch und du kannst das mit den Händen greifen, was dir jetzt nur vorschwebt.

Ihr habt heute eine wichtige Einsicht gehabt: Ihr sollt nicht nur euer Haus finden, sondern zugleich noch eure Gemeinschaft bilden.

Beide Prozesse müssen sogar unbedingt gemeinsam ablaufen, denn das Haus würde euch am Ende gar nichts nützen, wenn ihr nicht zugleich auch die Gemeinschaftsform bis dahin weiterentwickelt habt. Ihr müsst das Haus auch mit euren Ideen möblieren können, nicht nur mit euren Tischen, Stühlen und Matratzen. Und ihr braucht von Anfang an eine wirtschaftliche Zielsetzung, ohne die das ganze Projekt kein Fundament haben würde. Das sind zwar alles ganz einfache Gedanken, aber sie mussten doch erst einmal in euren Köpfen heran reifen.
Arbeite also an diesen Dingen, die dir durch den Kopf gehen, Jörg. Aber tue nicht alles im Alleingang. Haltet alle drei engen Kontakt miteinander und entwickelt eure Vision gemeinsam weiter.

Aber zum Beispiel auf der Grundlage einer Arbeitsvorbereitung von mir, oder?

Zum Beispiel. Wenn du dich dazu schon in der Lage fühlst?! Ich denke, es ist noch ein kleines bisschen zu früh dafür, aber versuche es immerhin. 

Was du aber zum Beispiel tun kannst, ist den zweiten Handzettel über eure Gemeinschaft zu verfassen. Da kannst du dich noch inhaltlich relativ allgemein halten und wirst doch schon vielerlei Einsichten über eure Zielsetzungen gewinnen, die dir ja bisher auch noch ziemlich unklar sind. Streiche deshalb den Gedanken, diesen Text aus anderen Vorlagen zusammensetzen zu wollen, wie du es eine Weile vorgehabt hast. Entwirf unbedingt deinen eigenen Text und lege ihn den anderen vor. Das ist wichtig!

Und jetzt solltest du WIRKLICH ins Bett gehen. Heute Abend kommt nichts mehr, was unbedingt aufgeschrieben werden müsste.

O.k., wie Moni sagen würde: Let’s call it a day!

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