Dialog 61

Also grübele nicht und hadere nicht und lass deine Gedanken nicht in finstere Vergangenheiten streifen. Denke niemals defizitär.

Dialog 61, 14.02.1986

Ich fühle mich wie noch nie in einer „Es-gibt-viel-zu-tun – packen-wir’s-an-Stimmung“ und habe mir folgenden Arbeitsplan gemacht:

  • Beim Finanzamt fragen, welche steuerliche Bedeutung eine Vereinsgründung hat.
  • Informationen über Vereinsgründung einholen.
  • Handzettel in Angriff nehmen
  • Arbeitsaufgabe an uns alle stellen: Jeder skizziere in so vielen Worten wie möglich ein erstes Bild von den Aufgaben und Zielsetzungeneines solchen Vereins. Zur Erleichterung vielleicht folgende Eselsbrücke: Angenommen der Verein bestünde schon und jemand würde uns fragen: „Was mach ihr eigentlich genau?“ Was würde man da sagen? Sicherlich ja mehr als nur „uns geht es um die Weckung planetarischen Bewusstseins“. Diese Skizze sollte möglichst bis heute Abend vorliegen.

Ausgezeichnet. Das ist zwar mehr Pensum als du schaffen wirst, aber die Energie ist trotzdem ausgezeichnet. Die Ideenskizze, die du vorgeschlagen hast, hat größte Bedeutung! Ich möchte deshalb, dass sie heute Abend wirklich schon vorliegt.

Für die Haussuche lege ich Rebecca noch einmal ans Herz:
Quäle dich nicht mit dem Versuch, Intuitionen frei fließen lassen zu wollen, WENN sie es nicht wollen. Es gibt so viele Möglichkeiten vorzugehen und keine ist der anderen überlegen. Wenn es im Augenblick mehr deine Sache ist, einfach gezielt Planquadrat für Planquadrat abzusuchen, dann solltest du natürlich unbedingt das tun. Entscheidend ist nicht das Pensum, dass du dabei geschafft hast, sondern dass du mit Ernsthaftigkeit ans Werk gegangen bist. Halte die Augen offen für das, was du vor dir siehst, anstatt im Geiste immer wieder zurück zu schauen, und du wirst einen wunderbaren und erfüllten Tag erleben. Stelle dir immer wieder vor, hinter der nächsten Biegung könnte schon euer Hof liegen oder euer Haus. Und wenn das nicht der Fall war, dann richtest du deine Aufmerksamkeit auf die NÄCHSTE Wegbiegung und so weiter. Versuche es einmal so. Denke an die Fortschritte, die du allein schon dadurch machst, dass du nach vorne schaust. Also grübele nicht und hadere nicht und lass deine Gedanken nicht in finstere Vergangenheiten streifen. Denke niemals defizitär. Sage niemals: Was soll ich mein ganzes Benzin verfahren? Sondern sieh nach vorne und nur nach vorne! Jeder Kilometer, den du SO hinter dich bringst ist ein Schritt auf dem Weg zu eurem Ziel!

Weiter Botschaften habe ich für den Moment nicht. Jetzt fangt mal an.

14.02.1986 (abends)
Ich gebe zunächst Rebeccas Antwort zu Monikas Gruppenführung wieder:
Als ich zum ersten Mal davon las, hatte ich spontan Widerstände dagegen. Gott als Führer wollte ich akzeptieren, aber warum sollte das nicht genügen? Alte Befürchtungen bevormundet zu werden kamen hoch. Doch inzwischen sehe ich, dass das unsinnig ist und Monika auf einem Gebiet Fähigkeiten hat, wo ich selbst gar keine habe. Und deine Zusicherung, dass du die Sache in der Hand hast und nur zulassen wirst, was in deinem Sinne ist, hast mich bestärkt, Monikas Führungsrolle zu akzeptieren. Ich weiß allerdings noch nicht, was das in der Praxis bedeuten wird. Und ich bitte um deine Hilfe, wenn ich in Konflikte gerate.

Monikas Führungsrolle in der Praxis wird so aussehen, dass sie mit meiner Hilfe mehr und mehr und immer besser lernen wird, ihren intuitiven Eingebungen zu vertrauen und ICH ihr die Durchsetzungskraft geben werde, diese Eingebungen in der Gruppe in Vorschläge und Entscheidungen umzusetzen. Denn nicht alle Fragen können immer bis zu den Stunden aufgehoben werden, wo Jörg mit mir spricht und nicht immer ist Jörg zur Stelle, um mit mir Kontakt aufzunehmen. Es wird genügend Gelegenheiten geben, wo ihr alleine entscheiden können müsst, was zu tun ist. Und dann wird Monika es sein, die meinen Willen empfängt und weiter gibt. Monikas Führungsrolle betrifft also in erste Linie dich, Rebecca, und sie wird auch alle anderen Mitglieder betreffen, die einmal in eurer Gemeinschaft leben werden – solange Jörg nicht da ist, um direkt mit mir Kontakt aufzunehmen.

Jörg:
Wir haben heute erste Versuche gemacht, den Wirkungskreis des neuen Vereins zu umschreiben. Ich selbst bin irgendwie unzufrieden damit. Ich habe das Bedürfnis, etwas mehr zum „Kern“ der Sache vorzudringen, und das ist für mich nicht dadurch geschehen, dass ich eine Liste aufstelle. Diese Liste ist sicher gut und wichtig, aber ich möchte sie und das, was sie aussagt und was hinter ihr steht auf irgendeine Weise „durchdringen“.

Es muss Leben in mir erwecken, beziehungsweise es fehlt mir noch das Leben in diesen Vorschlägen und Absichtserklärungen. Diese Liste ist wie eine Pinocchio-Puppe: Alle Glieder sind dran, aber es fehlt die gute Fee, die der Puppe jetzt das Leben einhaucht. Allerdings habe ich keine Vorstellung, wo ich da ansetzen soll.

Ich hatte dir ja bereits gesagt: Du brauchst zumindest einige Stützpunkte, um deine Gedankenkonstruktion daran verankern zu können. Jetzt weißt du, was ich gemeint habe. Es gäbe die Möglichkeit, noch ein wenig abzuwarten, bis sich eure Sache von selber soweit entwickelt hat, dass du diese Stützpunkte ausfindig machen kannst. Aber dazu bist du wahrscheinlich zu ungeduldig und deine Ungeduld gefällt mir in diesem Falle sogar. Außerdem steht ihr wirklich unter Zeitdruck. Deshalb musst du anders vorgehen:

Schlage deinen Haken versuchsweise irgendwo in die Wand und knüpfe das erste Seil daran fest. Dann, wenn du dort festen Halt hast, suche dir den richtigen Ort für den zweiten Haken und so fort. Dieses Verfahren ist zwar etwas umständlicher, führt aber unbedingt auch zum Ziel.

Ein solcher erster Haken könne zum Beispiel das Papier für den Handzettel sein. Da hast du die Möglichkeit, ein erstes Mal relativ allgemein (weil für einen völlig indifferenten Leserkreis) eine Beschreibung eurer Ziele zu formulieren. Der zweite Haken könnte dann schon ein Versuch einer profunderen Selbstdarstellung sein, wie ihr sie schon bald brauchen werdet. Und wenn du diese beiden Aufgaben gut erledigt hast, wirst du wahrscheinlich gar nicht mehr fragen müssen, wo die nächsten Haken eingeschlagen werde müssen.

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