Dialog 63

Ich will, dass du diese Erfahrung machst. Ich will, dass du aus eigener Kraft lernst, deine Vergangenheit über Bord zu werden und ein neuer Texter zu werden. Ein Texter des Neuen Zeitalters. Und als solcher musst du noch einmal ganz von vorne anfangen.

Dialog 63, 15.02.1986 (abends)

Ich gebe eine Frage von Monika weiter:
Ich bitte dich um deine Hilfe. Aus dieser mit Konfliktstoff geladenen Sache kommen wir nicht allein heraus. Für mich verkörpert Sonja (unser Hund) viel von dem, was mich an Jörg stört, und das weiß er sicherlich auch. Aber wie soll ich ihm begreiflich machen, dass ich mich nicht respektiert fühle? Meine Wünsche werden nur dann beachtet, wenn sie zufällig mit den seinen übereinstimmen. Es ist ein uralter Konflikt zwischen uns – bitte hilf uns. Und bitte hilf mir, mit Sonja umzugehen. Wie bringe ich ihr Gehorsam bei? Sie ist solch eine Belastung für mich.

Der letzte Teil deiner Frage ist am einfachsten zu beantworten. Gehorsam bringst du ihr jetzt nicht mehr bei. Dazu ist es zwar nicht zu spät, aber du verstehst zu wenig von der Sache und hast bei dem Hund keine Autorität. Jörg könnte es EVENTUELL schaffen, wenn er sich sehr intensiv damit beschäftigen würde, aber auch er ist nicht Fachmann genug und seine Aussichten sind gering. Vor allem würde es dir nichts nützen, wenn der Hund ihm besser gehorcht. Ich rate euch: Stellt jetzt diese Hundehütte endlich fertig (ich gebe Jörg eine Woche Zeit dafür) und legt euren Hund an die Leine. Jörg muss dann täglich einen ausreichenden Gang mit ihr machen, und dass muss genügen, bis ihr vielleicht eine bessere Lösung gefunden habt.

Aber das berührt dein Problem ja nur am Rande. Ihr seid zwei Wesenheiten, die auf der einen Seite eine große Anziehungskraft zueinander haben, auf der anderen Seite aber noch längst nicht zu einer wirklichen Einheit miteinander verschmolzen sind.

Ihr bewegt euch aufeinander zu und berührt euch an vielen Punkten, dringt auch immer wieder ineinander ein, aber dann trennt ihr euch wieder und schwebt auseinander. Ihr lebt noch sehr stark euer eigenes Leben und deine Wahrnehmung ist völlig richtig: Wenn deine Wünsche nicht mit denen von Jörg übereinstimmen, gibt es keine Gemeinsamkeit – höchstens eine aus Entgegenkommen.

Auch du nimmst seine Bedürfnisse längst nicht so oft wahr, wie er das gebrauchen könnte und seine Leistung in Verzicht ist nicht weniger groß als deine.

Ich sage euch: Diese Dinge werden sich ändern. Es ist ein uralter Konflikt, sagst du, und doch haben bereits Änderungen stattgefunden. Noch nie war die Gemeinschaft zwischen euch so innig wie zur Zeit und diese Dinge werden sich weiter zu ihrem Guten verändern. Ihr werdet euch selber immer besser wahrnehmen – und zugleich dadurch auch den anderen immer klarer sehen können in seinen Wünschen, Konflikten und Sorgen. Ihr bewegt euch aufeinander zu und die Berührungspunkte werden immer häufiger, ist dir das denn noch gar nicht aufgefallen?

Spannungen werden deshalb immer wieder noch zwischen euch auftreten – und es bist nicht nur du, die sich nicht ausreichend respektiert fühlt. Auch du respektierst einen Mann längst nicht so wie es richtig für eure Beziehung wäre. Du fühlst dich immer noch viel zu oft als Opfer, als die Missverstandene und siehst nicht , wie oft du deinen Mann missverstehst und über seine Bedürfnisse nach Anerkennung hinweg gehst.

Um diese Dinge zu lösen, gibt es natürlich kein Rezept, aber ihr habt die besten
Voraussetzungen, die ihr euch denken könnt, um aufeinander zu zu wachsen und euch wirklich als Mann und Frau zu vereinigen – Ihr habt mich und die Aufgabe, die ich euch gestellt habe. Dass muss dir im Augenblick genügen, denn mehr ist dazu nicht zu sagen.

Jörg:
Ich tue mich sehr schwer mit dem zweiten Handzettel. Es gelingt mir einfach nicht, einen Fuß in den Boden zu kriegen. Ich weiß inzwischen gar nicht mehr, was ich den Menschen eigentlich mitteilen will und alles, was ich sage, kommt mir wie leeres Geschwafel vor. Das entsetzt mich, denn ich dachte, ich sei in diesen Dingen schon viel weiter. Was mache ich bloß falsch? Habe ich ein „Texter-Problem“? Kommen meine Schwierigkeiten also daher, dass ich an diese Sache, die ja auch von ihren äußeren Formen her etwas Neues sein sollte, mit alten Mitteln herangehe? Oder fehlt mir in Wahrheit tatsächlich das Verständnis für das, was ich da mitteilen will?

Nein, an dem Verständnis mangelt es sicherlich nicht. Du weißt sehr gut, worüber du schreiben sollst, aber du steckst tatsächlich in einem „Texter-Problem“: Du gehst mit untauglichen Mitteln an diese Arbeit heran!

Wenn du meine Botschaften empfängst, denkst du keine Sekunde nach, sondern du schreibst. Und was du aufschreibst, stimmt. Einfach, weil du dich dann für meine Durchgaben öffnest. Mit dem Handzettel habe ich dir eine Aufgabe gestellt. Ich sage dir nicht, wie du ihn schreiben sollst, ich schreibe ihn also nicht für dich, sondern ich möchte, dass DU ihn schreibst. Und du weißt, dass du ihn schreiben sollst – und du versagst.

Ich will, dass du diese Erfahrung machst. Ich will, dass du aus eigener Kraft lernst, deine Vergangenheit über Bord zu werden und ein neuer Texter zu werden. Ein Texter des Neuen Zeitalters. Und als solcher musst du noch einmal ganz von vorne anfangen.

Du stehst heute an ganz genau demselben Punkt, an dem du schon einmal gestanden hast, damals, als deine Werbelaufbahn begann. Damals solltest du einen Text für Procter & Gamble schreiben, und du hast es nicht geschafft. Damals warst du so verzweifelt über dein Versagen, dass du kündigen wolltest, und es war dein Vater gewesen, der dir den Mut wiedergegeben hat.

Heute gebe ich dir den Mut wieder, indem ich dir sage: Du wirst diesen Text schreiben, und er wird gut werden. Doch du musst diesen Weg alleine gehen. Du kannst Monika nicht bitten, diesen Text für dich zu schreiben (obwohl sie es könnte) und du kannst mich nicht darum bitten. Du musst alleine herausfinden, welche Seile und Gewichte dich in deiner alten Welt festhalten. Du musst da durch, und DARIN, und nur darin, liegt der Sinn dieser Aufgabe. Nicht in dem Handzettel selber. Der hat Zeit. Auch wenn er dringend ist. 

Ich kann dir nur Hilfen anbieten, die dir die Arbeit wahrscheinlich erleichtern. Aber ich werde dir die Arbeit nicht abnehmen. Was dir helfen wird ist: Gehe mit so wachem Geist wie möglich daran. Jetzt zum Beispiel bist du müde und zerschlagen. Du warst es schon lange. Schreibe den Text neu, wenn du dich wirklich wach und munter fühlst. Mache ein kurzes Jogging-Programm, ein kurzes wohlgemerkt, und suche dir einen MORGEN dafür aus. Der MORGEN ist deine Tageszeit, nicht der Abend! Der Morgen ist für dich die Zeit, Neues zu schaffen, der Abend ist für dich die Zeit zu reflektieren. Am Abend magst du Briefe schreiben, aber den Morgen solltest du dir aufheben für alles, was neu gestaltet werden muss.

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