Dialog 67

In einer Stimmung von Gereiztheit und Überforderung kann nichts gedeihen. Die Kinder sind zwar so gut wie nie der wirkliche Anlass für solche Stimmungen, aber mit ihrer Hilfe lassen sich diese Störungen manchmal ganz ausgezeichnet beseitigen!

Dialog 67, 19.02.1986

Manchmal weiß ich überhaupt nicht mehr, wie das weitergehen soll mit uns. Als ich gestern Abend während des Streits einmal auf unseren Schriftzug „Les temps nouveaux“  (LTN) geschaut habe, kam mir das wie ein Witz vor.

Jetzt spiele nicht den Erschöpften. Eure Auseinandersetzungen sind wichtig und sie sind völlig in Ordnung so wie sie sind. Das hat mit dem Neuen Zeitalter durchaus zu tun und gehört selbstverständlich dazu. Ihr lebt jetzt gerade mal zwei Monate unter meiner Führung. Für Rebecca sind es sogar nur 4 Wochen. Und ihr kommt aus einer Vergangenheit, von der ihr vieles werdet zurück lassen müssen, wenn ihr auf meinem Weg weitergehen wollt. Und das wenigste davon werdet ihr freiwillig hergeben. Mit anderen Worten: Solche Szenen werden sich noch öfters wiederholen.

Monika (zur Frage von gestern Abend):
Die Rüge habe ich verdient. Doch habe ich deine Wünsche nicht bewusst oder absichtlich boykottiert. Ich bitte dich um Verzeihung. Ich will ab jetzt besser aufpassen, was ich tue.

Doch ansonsten bin ich immer noch ratlos und verwirrt. Wie soll ich wissen, wann mich das Gruppenverhalten stört und nicht der Einzelfall. Es ist doch der Einzelfall, der mich in Wallung bringt, aber oft so lächerlich ist, dass ich nicht den Mut habe, ihn auszusprechen, ja mir meistens selbst lächerlich vorkomme. Das was dahinter steht, ist mir nur selten in diesen Augenblicken bewusst.

Wenn Jörg wütend auf mich ist, dann fragt er mich immer: „Was glaubst du eigentlich, wer du bist?“ Was soll ich darauf antworten? Es verletzt mich tief, denn es trifft mich genau da, wo ich so fürchterlich verwundbar, unsicher und verletzlich bin. Ich verstehe seine Frage und sein Wut. Doch ich selbst, ja, was bin ich eigentlich?

Du bist eine sehr, sehr weit entwickelte, hoch sensible Persönlichkeit mit sehr feinen, gut ausgebildeten Sinnen für das, was richtig und falsch ist. Du nimmst Töne war, wo andere nicht das Geringste hören können, und viele dieser Töne klingen falsch in deinen Ohren, laut, schrill und hässlich.

Das ist die eine Seite. Die andere ist die, dass dir leider oft die Möglichkeiten fehlen, deine Wahrnehmungen anderen Menschen auch verständlich zu machen. Der Empfangsteil deines inneren Radios ist vorzüglich ausgebildet, aber die Lautsprecher sind unterdimensioniert – bei anderen Menschen ist das in der Regel genau umgekehrt.

Um wachsen zu können, um auch deine Lautsprecher besser auszubilden, brauchst du eine Atmosphäre von Liebe, Anerkennung und Respekt vor deinen Fähigkeiten. Aber du brauchst ebenso ein Übungsfeld, einen Konfliktbereich, in dem du dich selber immer wieder hören und kontrollieren kannst. Eure Gruppe ist ein sehr günstiges Feld für dich, auf dem du deine Fähigkeiten ausbilden und reifen lassen kannst.

Dein Mann hat sehr großen Respekt vor deinen Fähigkeiten, auch wenn er selbst es oft vor sich selber gar nicht zugeben kann oder möchte. Und er liebt dich! Ihr zwei zusammen SEID eine ausgezeichnete Verbindung, nur habt ihr beide noch viel miteinander zu lernen, bevor euer beiden Fähigkeiten wirklich gemeinsam zum Tragen kommen, aber das habe ich ja nun schon mehrfach gesagt.

Mit Rebecca ist diese Gemeinschaft um einen Menschen erweitert worden, der wichtige, euch beiden fehlende Beiträge in die gemeinsame Zukunft tragen kann – zugleich aber habt ihr alle drei die Möglichkeit aneinander zu lernen. Rebecca kann viel von euch lernen – und umgekehrt.

Aber auch davon seid ihr eben noch entfernt. Im Moment sträubt ihr euch gegen diese Dinge alle mit Händen und Füßen – auch zu Zeiten, wo ihr glaubt, harmonisch miteinander zusammenzuarbeiten.

Was den praktischen Teil deiner Frage betrifft: Du hast mich nicht richtig verstanden. Du SOLLST den Einzelfall wichtig nehmen, weil er wichtig ist. Das Gruppenverhalten ist auch eine Summe vieler Einzelfälle, in denen du dich nicht ausreichend respektiert genug gefühlt hast.
Solange du diese Einzelfälle nicht wichtig nimmst und für lächerlich hältst, nimmst du dich eben selbst nicht wichtig und findest dich lächerlich. Nichts aber an dir ist lächerlich und alles ist wichtig. Und ich möchte, dass du lernst, dich in der ganzen Bedeutung deiner Persönlichkeit zu fühlen und zu erleben.

Übrigens: Wenn es dir solche Mühe macht, mit den Kindern zu spielen, wie ich es vorgeschlagen habe, dann musst du das nicht tun. Es ist aber wichtig, dass ihr lernt, eine andere Atmosphäre um euch zu schaffen. In einer Stimmung von Gereiztheit und Überforderung kann nichts gedeihen. Die Kinder sind zwar so gut wie nie der wirkliche Anlass für solche Stimmungen, aber mit ihrer Hilfe lassen sich diese Störungen manchmal ganz ausgezeichnet beseitigen!

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