Dialog 68

Lebe! Lass die Dinge in dich eindringen. Spüre den Schmerz, wenn er da ist, und denke nicht über ihn nach, wenn er abgeklungen ist.

Dialog 68, 20.02.1986

Rebecca:
Ich komme mit einer Seite in mir nicht zurecht. Situation: Meine Tochter pinkelt mal wieder auf den Boden statt in den Topf. Im ersten Moment reagiere ich leicht ärgerlich, doch plötzlich steigt eine unbändige Wut in mir hoch und ich schlage meine Tochter. Das passiert so blitzschnell, dass ich keine Kontrolle darüber habe. Das entsetzt mich dann total, ich bekomme Schuldgefühle und fange selbst an zu weinen über meine Grausamkeit. Und am Ende ist es meine Tochter, die mich tröstet. Woher kommt soviel Brutalität in mir, sie hat ja mit dem geringen Anlass nicht viel zu tun. Ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Kannst du mir
etwas dazu sagen?

Diese Seite von dir ist da und sie will nach draußen. Du bist selber Pädagogin genug um zu wissen, wie schnell sich angestauter Zorn, der nie gelebt werden durfte, zu einer finsteren Wolke voller atmosphärischer Hochspannung aufladen kann. Tatsache ist, dass du im Grunde bis zum Hals voller Zorn steckst. Ein wandelndes Pulverfass, dass nur noch nicht explodiert ist.

Ich sage dir: Nur so lange du solche Explosionen zulässt, bist du wirklich real, alles andere ist Fassade und Maske. Du musst dich innerlich ausleeren und du musst es noch viel häufiger und intensiver tun – allerdings möglichst nicht gerade mit dem Kind als Opfer – wenn du in dir Raum für mich schaffen willst.

Mein Geist kann dich nicht erfüllen, wenn du noch voller alten Groll aus längst vergangenen Tagen steckst, den du nicht einmal heute heraus lassen willst. Zerbrich dir nicht den Kopf darüber, wie du damit „UMGEHEN“ sollst, sondern lass es vor allen Dingen GESCHEHEN, dass alter Zorn aus dir heraus bricht. Solange du dich anschließend wieder mit „Schuldgefühlen“ belastest, war die ganze Mühe allerdings vergeblich gewesen.

Rebecca:
Ich weiß wirklich nicht, wie ich mit solchen Gruppensituationen wie vorgestern Abend umgehen soll. Wenn ich soviel Aggression auf mich gerichtet fühle, bin ich wie gelähmt, fühle mich schuldig und bin mir doch
meiner Schuld nicht recht bewusst. Soll ich dann versuchen, meine Gefühle genauer mitzuteilen? Müssen wir unseren ganzen Ärger aneinander auslassen oder hätte ich einfach abwarten müssen? Wenn ich gewusst hätte, dass ich noch von irgendeinem Nutzen sein kann, wäre ich sicher geblieben, aber ich kam mir überflüssig, störend und unwichtig und abgelehnt vor. Ich möchte versuchen, mich solchen Situationen nicht
mehr zu entziehen, aber ich bin ratlos, wie ich damit umgehen soll.

Rebecca, auch hier gilt dasselbe: Du sollst nicht mit einer Situation „UMGEHEN“, sondern sie leben! Und weil die eine Chance nun vertan ist und du künftige Situationen nicht voraussehen kannst, ist auch alles weitere Nachgrübeln über „richtiges“ Verhalten sinnlos.

Lebe! Lass die Dinge in dich eindringen. Spüre den Schmerz, wenn er da ist, und denke nicht über ihn nach, wenn er abgeklungen ist. Sonst ist es wieder deine Tochter, die es ausbaden muss.

Rebecca:
Als ich gestern im „Astrolog“ das Meditationserlebnis über Saturn las, war ich ganz aufgewühlt und stark berührt, so als ob eine ganz tiefe Sehnsucht in mir angesprochen worden wäre. Ist es richtig für mich, wenn ich mich tiefer gehend mit Saturn beschäftige?

Wenn diese Beschreibung dich tief aufgewühlt hat, was fragst du dann noch um Erlaubnis oder um meine Meinung? Es kommt selten genug vor, dass du dich in solchen Gefühlszuständen befindest, und es ist deine Aufgabe, in solchen Augenblicken zu HANDELN, nicht zu grübeln!

Außerdem: Was fragst du mich? Du hast eine vorzüglich Astrologin in der Gruppe, an die du dich wenden kannst.

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