Dialog 69

Eine intuitive Eingebung ist immer zwingend und unterscheidet sich dadurch von solchen  „Gedankenblitzen“. Was du beschreibst sind alles keine intuitiven Eingebungen, sondern eben solche gedanklichen Irrlichter.

Dialog 69, 21.02.1986

Monika:
Der Abend gestern hängt mir nach. Wieder einmal merke ich erst Stunden nachdem Rebecca gegangen ist, was ich eigentlich in ihrer Gegenwart empfunden habe.
Erstens schien alles zu erstarren und jegliche Inspiration unmöglich zu machen. Doch gleichzeitig saß da eine Rebecca, die sich Mühe gab etwas beizutragen. Zweitens wurde mein einziger konstruktiver Vorschlag, nämlich ihre Erlebnisse des Tages den Kindern zu erzählen, vom Tisch gewischt. Drittens fühlte ich mich sehr unbehaglich als Rebecca mit den Kindern spielte. Es kam mir völlig irreal vor.
Doch gleichzeitig war es unmöglich, diese Gefühle zuzulassen, denn sie TAT wenigstens etwas mit den Kindern. Aber halt mit diesem unwirklichen Madonnenlächeln und -wesen.  Warum merke ich erst jetzt, wie mich das in Wallung bringt?
Außerdem habe ich große Probleme mit ihrer Tochter. Obwohl ich inzwischen weiß, dass es das Kopieren von Rebecca Verhalten ist, das mich wirklich ärgert, ist es zunächst ihre Tochter, die mich mit dem direkt
konfrontiert, was Rebecca auf subtile Weise tut.

Wie sollen wir jemals weiterkommen. Ich weiß nicht mehr weiter.

Deine Wahrnehmung ist richtig, aber was du daraus machst ist falsch. Du weißt inzwischen, dass es etwas an Rebeccas Verhalten gibt, dass dich lähmt, aber du tust noch nicht genug dafür, diesen Zustand bewusst zu erleben und darauf zu reagieren, wenn er aktuell da ist. Stattdessen kommst du damit zu mir, obwohl ich dir Stunden NACH dem Ereignis auch nicht mehr helfen kann. Erwartest du, dass ich Rebecca dir zuliebe oder euch zuliebe verändere? Sie verändert sich, aber es muss aus ihr heraus kommen.

Das Einzige, was du tun kannst, ist all deine Aufmerksamkeit auf den Zustand der Lähmung zu richten und sobald er auftritt „Alarm“ zu schreien. Das ist gar nicht so schwer, wie du vielleicht glaubst. Du fühlst sehr gut, was dich einlullt und was dich müde macht an Rebeccas Verhalten. Du musst einfach den Mut aufbringen, das zu sagen, wenn du es spürst. Nur das, nur diesen einzigen Satz, und du wirst die Situation unterbrochen haben

Ich habe mit deiner heutigen Frage schon gerechnet, denn mir ist eure schwierige Lage nicht verborgen geblieben. Und sie wird noch schwieriger werden, wenn ihr nicht lernt, euer Problem auszusprechen und zu durchleben. Denn wie du sehr gut weißt, wird sich das Haus solange nicht finden lassen, wie ihr euch gegenseitig behindert und lähmt. Eure Empfindungen und Inspirationen müssen fließen können, wenn sie ihre Kraft entfalten sollen, sonst geschieht gar nichts.

Das alles geht aber nicht nur dich etwas an. Es betrifft auch Jörg, obwohl er diese Zusammenhänge noch weniger deutlich erlebt und immer wieder zwischen Zorn und Verständnis und Mitleid für Rebecca hin und her gerissen wird. Aber auch er muss sich entscheiden. Was er kürzlich dir an den Kopf geworfen hat, war zu einem guten Teil für Rebecca bestimmt gewesen – nur war ihm das nicht klar.

Eine Hilfe, eine einzige Hilfe, die ich euch in eurer Situation anbieten kann, ist ein Griff in das Repertoire der Therapeuten: Beginnt eure Sitzungen (wenn ihr schon nicht mehr zu mir beten wollt) damit, in einer „Runde“ eure aktuellen Gefühle anzusprechen. Das ist ein Gebiet, auf dem du dich relativ sicher fühlen kannst, weil du hier einiges Training absolviert hast. Du würdest „falsche Töne“ sofort heraushören und könntest darauf dementsprechend frühzeitig eingehen. Begreife diesen Vorschlag als Teil der Führungsrolle, in die ich dich einarbeiten möchte, und nutze die Möglichkeiten aus deinen therapeutischen Erfahrungen, um die Sitzungen für dich und für euch alle fruchtbarer zu gestalten. Das wird helfen. Zumal es in dieser Hinsicht noch andere Möglichkeiten gibt.

Lass dich also nicht mehr lähmen, sondern ergreife von vornherein die Initiative und „fokussiere“ die künftigen Gruppentreffen, von denen die nächste gleich heute stattfinden soll. Mache die Sitzungen zu DEINER Sache und halte dir vor Augen, dass Erfolg und Misserfolg in einer solchen Sitzung auf deine Leistung als „Focaliser“, also als die Person, die den Fokus im Auge behält zurückzuführen waren. Du KANNST es, das steht fest. Und du hast die Chance, eine sofortige Änderung der Situation herbeizuführen, wenn du dich dieser Rolle annimmst.

21.02.1986 (abends)
Monika lässt fragen, wie es heute Abend gelaufen ist.

Soweit ganz gut. Nicht auszudenken, wo ihr heute sein könntet, wenn ihr auf ähnlich intensive Weise schon von Anfang an zusammengearbeitet hättet. Aber warten wir erst einmal die nächste Sitzung ab. All zuviel ist zum heutigen Ergebnis noch nicht zu sagen.

Jörg:
Mir geht immer noch oft durch den Kopf, was ich von Peter Caddys Schulung in Intuition gelesen habe: Dieses Training, intuitiven Eingebungen sofort zu folgen, ganz gleich wie sinnvoll sie erscheinen mögen. Ich habe oft solche blitzartigen Eingebungen – und gehe ihnen in der Regel nicht nach, weil immer ganz viele Gründe dagegen sprechen. Ich fahre zum Beispiel von Concarneau nach Moelan und sehe am Horizont ein Haus durch die Bäume schimmern. Plötzlich habe ich die Eingebung , dorthin fahren müssen. So geschehen heute. Ich bin nicht hingefahren, weil
a) was soll der Quatsch, so nahe an der Küste, und so weiter und so weiter, findest du sowieso nichts …
b) da käme ich ja nie nachhause, wenn ich bei jedem Haus so handeln würde …
c) das sind keine intuitiven Eingebungen …
d) ich würde mich total verzetteln, wenn ich nicht auch ein bisschen Verstand in diese Dinge bringen würde und mein Verstand sagt mir ….

Es gibt auch manchmal bizarrere „Eingebungen“. Zum Beispiel, diese Woche nach Deutschland zu fahren und die Mitglieder unserer ehemaligen Gruppe zu sprechen. Oder: Ich muss diesen Sommer unbedingt nach Findhorn, und so weiter. Also ich weiß wirklich nicht, wie ich mit so etwas umgehen soll.

Eine intuitive Eingebung ist immer zwingend und unterscheidet sich dadurch von solchen „Gedankenblitzen“. Was du beschreibst sind alles keine intuitiven Eingebungen, sondern eben solche gedanklichen Irrlichter.
Sicher, das ist schwer zu unterscheiden, aber man muss es lernen. Und der einzige Weg dahin ist – wenn man keinen Lehrer an seiner Seite hat – solchen Eingebungen tatsächlich nachzugehen, wann immer es irgend möglich ist. Das Übungsfeld dabei ist groß und du solltest mit all den Dingen beginnen, die sich relativ einfach durchführen lassen. Das wird dir helfen, Unterscheidungen zu treffen.
Wenn eine „große“ Eingebung kommt, die zu befolgen konsequenzenreich ist, dann solltest du mich fragen. Du weißt ja, dass du es immer und jederzeit tun kannst.

Ich komme jetzt mal wieder mit einigen Übersetzungsfragen:

Nr. 281
Wunder sind eine Möglichkeit, sich von Furcht zu befreien, und meine Offenbarung schafft einen Zustand ohne Furcht. Deshalb sind Wunder ein Mittel, Furcht zu überwinden, und Offenbarung ist der Endzustand.

Verständlich. Das Schwierige an diesen Texten ist, dass sie wohl meine Worte darstellen, aber das der, der sie aufschrieb, bei weitem nicht dein Sprachgefühl hatte. Deshalb weichen „meine Übersetzungen“ auch so oft vom „Original“ ab. Trotzdem ist das gut so. Was diesen Fall betrifft:

Nr. 281
„Wunder sind Bilder meines Geistes und können daher helfen, die Ebenen der Wahrnehmung in der richtigen Weise zu ordnen. Mein Geist wird immer das Zentrum bilden, über das Kommunikation mit mir in direktester Weise erfolgen kann.“

Nr. 323
„inspire“ : Mein Geist durchdringt alle Wunder, und Wunder sind eigentlich Fürsprachen: Fürsprachen und Heiligkeit für dich und deine Wahrnehmungen. Indem sie dich jenseits der physischen Gesetze stellen … und so weiter.

Nr. 344
Wunder geben dem Geist seine ganze Fülle wieder, indem sie Mangelerscheinungen ausgleichen. Das schafft einen wahrhaft perfekten Schutz, denn ein starker Geist wird keine Störungen zulassen.

 

Anmerkung von Monika:
Hier geht es um die Übersetzung von „A Course in Miracles“, ein sehr gutes, medial empfangenes Werk, das es damals noch nicht als Übersetzung gab. Den englischen Originaltext habe ich leider nicht mehr. Die offizielle deutsche Übersetzung heute in „Ein Kurs in Wundern“, Greuthof Verlag, lautet:

„Wunder sind eine Art und Weise, Befreiung aus der Angst zu verdienen.
Die Offenbarung bewirkt einen Zustand, in dem die Angst schon abgeschafft ist. So sind denn Wunder ein Mittel, und die Offenbarung ist ein Ziel.“

Angeblich ist diese etwas holprige Übersetzung bewusst so gewollt … Auch die folgenden Fußnoten sind aus der offiziellen Übersetzung.
2 Indem sie reinen Geist anerkennen, rücken Wunder die Ebenen der Wahrnehmung zurecht und zeigen sie in ihrer richtigen Anordnung. Das stellt den reinen Geist in den Mittelpunkt, wo er unmittelbar kommunizieren kann.
3 Ich inspiriere alle Wunder, die eigentlich Fürbitten sind. Sie verwenden sich für deine Heiligkeit und machen deine Wahrnehmungen heilig. Indem sie dich jenseits der physischen Gesetze ansiedeln, …
4 Wunder erstatten Geist seiner Fülle zurück. Indem sie den Mangel sühnen, errichten sie einen vollkommenen Schutz. Die Stärke des reinen Geistes lässt keinen Raum für jegliches Eindringen.

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