Dialog 74

Liebe heißt doch nicht, dass es keine Verbote geben darf oder geben muss! Liebe ist das innige Gefühl von Einverstandensein mit deinem Kind.

Dialog 74, 29.02.1986

Verglichen mit „früher“ ist das mit dem täglichen Aufschreiben deiner Botschaften etwas ruhiger geworden. Auf der einen Seite finde ich das normal so. Auf der anderen beunruhigt es mich. Beginne ich den Kontakt zu verlieren?

Nein, das tust du nicht. Es ist tatsächlich normal, dass du nicht mehr in der selben Intensität schreiben musst, wie in den ersten Monaten. Du hast jetzt viele Fragen von grundsätzlicher Natur gestellt und du bist dir über dein Verhältnis zu mir und den Wert meiner Führung für euch klarer geworden. Jetzt tritt erst einmal eine Phase der Beruhigung ein. Aber auch die wird vorübergehen, denn bald schon werdet ihr mich wieder mehr brauchen!

Widme dich also jetzt mehr deiner Arbeit und komme nur noch mit Fragen des Tages zu mir beziehungsweise um mich zu begrüßen und den Kontakt zu mir immer gleichmäßig aufrecht zu erhalten. Einen Grund zur Sorge gibt es nicht. Ich bin bei euch.

29.02.1986 (abends)
Ich habe eine Frage von grundsätzlicher Natur: Ich rede mit dir, das heißt mit Gott. Das ist ja nun keine Kleinigkeit und irgendwie habe ich das Gefühl, dass dazu auch bestimmte innere und äußere Voraussetzungen stimmen sollten, die mir bei uns derzeit gar nicht gegeben sind.

Ich gehe in den Wohnwagen, oft im Stress nach anstrengenden Abenden (mit unserem Sohn), habe etwas getrunken (was mir schon irgendwie „unrein“ vorkommt), betrete einen Wohnwagen voller alter Papiere und sonstigem Unrat (volle Aschenbecher mit tabaksafttriefenden Pfeifenreinigern), setze mich (so wie jetzt) an die Maschine und schreibe los. Und da will es mir eigentlich selbst nie in den Kopf, dass du mir unter solchen Bedingungen wirklich antwortest.

Ich habe das Bild:
Der Wohnwagen müsste rein und sauber sein, ein irgendwie lichter Ort mit Blumen auf dem Tisch. Ich selber müsste reine und besser sein, müsste mich innig und tief auf dich einstimmen können und dann deine Botschaften empfangen. Alkohol müsste mir fremd sein und ebenso jedwede andere Laster. Ich habe das Bild, das ich einfach „weiter“ sein müsste.

Ich habe dich aber so ausgewählt wie du bist und deine Laster kümmern mich wenig. Du wirst dich schon noch ändern und du wirst nicht immer tabaksafttriefende Pfeifenreiniger auf deinem Tisch vorfinden. Überlege doch einmal, wie lange du jetzt unter meiner Führung stehst? So lange ist das noch nicht. Und derzeit geht es mir bei dir um andere Dinge, als um deine kleinen Laster. Mache dir darüber einmal keine Gedanken. Und vergleiche dich nicht mit anderen, von denen du glaubst, dass sie reiner seien als du. Das sind rein persönliche Wahrnehmungen von dir, die nichts zu bedeuten haben.

Dann gebe ich jetzt zwei Fragen von Rebecca weiter:
Ich habe das Findhornprogramm studiert und sowohl spontan als auch nach längerer Überlegung zogen mich zwei Kurse am stärksten an. …. Der Gedanke daran macht mich ganz zittrig und aufgeregt. Die Palette der verschiedenen Ausdrucksformen könnte mir ein Gefühl dafür geben, auf welchem Gebiet ich mich selbst am ehesten ausdrücken könnte, um mich später gegebenenfalls weiter auszubilden. Ich sehe allerdings keine Möglichkeit, meine Tochter mitzunehmen. Es gibt keine Kinderbetreuung und die Familienwochen sprechen mich nicht an. Ich würde lieber ohne sie fahren. Ich bitte dich um deine Meinung zu meiner Wahl.

Deine Wahl ist ausgezeichnet und sehr passend für dich. Wenn du dich mit Monika und Jörg wegen deines Kindes arrangieren kannst, dann solltest du unbedingt versuchen, diese Kurse zu belegen.  Übrigens ein gute Frage, die du gestellt hast. Sehr „real“!

Rebecca:
Ich möchte noch etwas zu meiner Mutter sagen: Ich bin ihr gegenüber im Moment reserviert, weil ich meinen eigenen Gefühlen misstraue und weder ihr noch mir etwas vormachen möchte. Sicher hat sie mich durch ihre liebe Art gehindert, mein eigenes Leben zu leben, aber ich glaube auch, dass sie viele gute Samen in mich gelegt hat, die noch aufgehen werden. Und ich empfinde keinen Groll gegen sie, sondern Dankbarkeit. Kannst du mir sagen, ob ich mich täusche?

Diese Frage gefällt mir nicht ganz so gut wie die erste. Sie ist sehr unklar und zwar geht es um die Unklarheit in DIR. Ich gebe dir deshalb diese Frage zum Teil zurück und bitte dich, deine eigene Entwicklung noch ein wenig weiter abzuwarten. Dann wird sich diese Frage mit Sicherheit entweder ganz anders oder gar nicht mehr stellen.

Ich sage dir heute nur soviel: Es gibt mit Sicherheit keinen Grund, irgendeinen Groll gegen deine Mutter zu hegen. Es gibt aber auch keinen Grund, nur Dankbarkeit zu empfinden. Was du empfinden solltest, musst du noch tiefer herausfinden und es sind eigene Erfahrungen, die du dazu machen musst. Mein Rat kann dir dabei jetzt wenig nützen. Diese Dinge musst du am eigenen Leib erleben.
Du empfindest jetzt keinen Groll und viel Dankbarkeit. Du wirst aber noch Stunden erleben, wo du voller Groll sein wirst und andere, wo du nur Dankbarkeit zu empfinden glaubst. Weder das eine noch das andere ist derzeit real. Du wirst zu dir selber finden müssen, dann wird sich diese Frage, wie ich schon sagte, entweder ganz anders oder überhaupt nicht mehr stellen. Habe Vertrauen und lebe dein eigenes Leben und lebe es mit mir an deiner Seite. DA S ist real und viel, viel wichtiger für dich, als die Frage, ob du deiner Mutter gegenüber Groll oder Dankbarkeit empfinden solltest. Wenn du gelernt hast du selber zu sein, wirst du diese Antwort verstehen.

Monika:
Ich bitte dich um Rat wegen meines Sohnes. Du hast einmal gesagt, er sei nur durch Liebe zu erziehen und nicht mit Verboten. Doch ich weiß nicht, wie das gehen soll. Florian hört nicht zu, wenn man ihm etwas erklärt. Nichts erreicht ihn, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Er ist soviel stärker als wir. Es erschöpft mich manchmal völlig innerhalb weniger Minuten.

Aber Monika, Liebe heißt doch nicht, dass es keine Verbote geben darf oder geben muss! Liebe ist das innige Gefühl von Einverstandensein mit deinem Kind. Und das empfindest du. Und empfindest das sogar sehr intensiv. Verbote dagegen stehen auf einem ganz anderen Blatt. Sie sind in der Erziehung sowohl nötig wie unverzichtbar.

Wenn ich sagte, dass euer Kind nur mit Liebe und nicht Verboten erzogen werden kann, dann habe ich damit das WESEN deines Sohnes umreißen wollen, obwohl dasselbe natürlich für jeden kleinen Menschen gilt. Für ihn gilt es allerdings besonders stark, weil er ein hungriger, kleiner Kerl ist, der das Leben in vollen Zügen einatmet und durch Verbote mehr als andere Kinder behindert werden kann.

Es gibt da aber kein Patentrezept für euch. Und wenn er dich innerhalb weniger Minuten erschöpfen kann, dann liegt das daran, dass du einfach keine gute Kindergärtnerin bist. Diese Aufgabe liegt dir ganz und gar nicht und dein Dilemma ist, dass du sie derzeit noch voll ausüben musst. Sieh zu, dass du diese Situation für dich änderst, dann wird auch deine Liebe zu deinem Sohn besser fließen können und du wirst verstehen, was ich gemeint habe.

Monika:
Dann finde ich, dass er für sein Alter viel zu schüchtern ist. Manchmal darf ich nicht einmal aus dem Zimmer gehen, geschweige denn ihn mit anderen Leuten alleine lassen. Auch hat er wahnsinnige Angst vor Dunkelheit und davor, alleine irgendwo zu sein. Wenn er aufwacht und mich nicht sieht, bekommt er Panik.

Ich habe mir immer Mühe gegeben ihm zu vermitteln, dass ich immer da bin, als er noch ein Baby war. Ich habe ihn nie schreien lassen. Doch jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich nicht genau das Gegenteil bewirkt habe.

Er ist nicht „zu schüchtern“ sondern einfach überaus empfindsam. Und das ist gut so. Anstrengend vielleicht für den Augenblick, aber trotzdem gut so. Dazu kommt natürlich, dass er als Einzelkind aufwächst und das bleibt nicht ohne Folgen. Ihr habt keine andere Wahl, als ihn so zu nehmen, wie er jetzt ist. Zur Zeit hat er nun einmal Angst vor Dunkelheit und Angst davor, alleine zu sein. Ob das „für sein Alter“ angemessen ist oder nicht, wer will darüber bestimmen? Ich rate dir ganz einfach, dich nach einer Kinderbetreuung umzusehen und ihm soviel wie möglich an Kontakten zu anderen Kindern zu ermöglichen. Dann wird er sich bald ändern.

Wir haben nun unser Geld von der ASSEDIC empfangen und es ist wieder einmal mehr, viel mehr, als ich je geglaubt hätte: Der Höchstsatz an Leistungen für den längsten Zeitraum, der nach französischen Bestimmungen gezahlt werden kann.

Als das Geld noch unterwegs gewesen ist, habe ich manchmal gedacht, man müsste sein Erscheinen mit einem kleinen, schicken Fresserchen würdigen. Inzwischen habe ich da andere Bedürfnisse, weiß nur noch nicht, wie man diese Gabe von dir richtig würdigen kann. Monika hat vorgeschlagen, einen Teil dieser Summe einer anderen spirituellen Vereinigung zukommen zu lassen.

Eine gute Idee, aber gegen das kleine schicke Fresserchen ist auch nichts einzuwenden. Ein Gruppenessen, das euch allen schmeckt? Das kann doch eine feine Sache sein?

Am besten ihr macht beides. Ansonsten liegt die die Frage auf den Lippen, wie das Geld nun zu verwenden ist:
Also, …

© Monika Laube. Du darfst diesen Artikel zum persönlichen Gebrauch unverändert kopieren und weitergeben, vorausgesetzt dieser Copyright Hinweis steht am Ende des Dokumentes.  Für eine gewerbliche Nutzung nimm bitte Kontakt mit mir auf.

Schreibe einen Kommentar