Dialog 78

Du änderst dich ständig, hast dich schon sehr verändert, nur wird dir das erst sehr viel später bewusst werden.

Dialog 78, 04.03.1986

Haben wir unsere Sache gestern richtig gemacht?

Nein, das hat nicht so gut geklappt. Eure Energien waren in einem heillosen Durcheinander und von zielgerichtet Aufmerksamkeit war ebenfalls keine Rede.

Jetzt ist da offensichtlich am Auto etwas kaputt, wenn wir Pech haben, können wir den Wagen jetzt mehrere Tage lang nicht benutzen.

Pech, was für ein Wort?! Nichts von diesen Dingen geschieht ohne Sinn. Und was die Reparatur angeht: Frag doch erst einmal nach, wie lange es dauert! Wie kannst du schon vorher wissen, dass es mehrere Tage dauern wird? Außerdem habt ihr ja zwei Autos. Das Suchen muss deshalb also nicht behindert werden.

Manchmal finde ich dieses Herumfahren so entmutigend, dass ich denke, wir werden unser Haus auf diese Weise nie finden.

Rechne nicht damit, dass ich es euch zeige. Ich habe dir gestern gesagt warum. Nein, das ist schon ganz alleine eure Angelegenheit.

Wenn wir die Leute fragen, müssen wir ja irgendetwas zu dem Haus sagen. Ich selber fühle mich unwohl, wenn wir nach einem Haus fragen, dass zu verkaufen ist. Ich denke zwar inzwischen schon, dass wir einmal ein Haus kaufen werden, aber im Augenblick halte ich es für völlig irreal. Wir müssen bis zum Juni hier draußen sein und bis dahin können wir kein Haus kaufen. Zielgerichtetes Suchen heißt für mich aber auch, in dieser Frage mehr Klarheit zu haben. Also: Soll unser Haus ein zu verkaufendes oder zu vermietendes sein?

Lasst es offen, sonst schränkt ihr euch ein. FRAGEN solltet ihr die Leute nach einem Haus, das zu vermieten oder zu verkaufen ist.

04.03.1986 (abends)
Ich weiß eigentlich immer noch nicht so recht: Ist die Gruppe nun größer geworden oder noch nicht?

Warum fragst du mich das? Du selber scheinst dir noch nicht sicher zu sein, was du von der Sache zu halten hast. Hast du Widerstände dagegen, dass Susanne eventuelle bei euch mitarbeiten würde?

Widerstände nicht. Aber es schafft für mich doch eine völlig neue Situation. Allerdings kann ich auch nicht sagen, noch nicht, dass ich mit vollem Herzen zustimmen würde. Ich merke, dass ich Susanne eben noch sehr wenig kenne. Und seit Rebeccas Eintritt in diese Gruppe weiß ich, was für ein himmelweiter Unterschied besteht, jemanden eben nur so auf die übliche Weise zu kennen oder mit ihm sich auf so einen intensiven Prozess einzulassen. Aber grundsätzlich fände ich es gut. Ich habe heute bei der Einstimmung ein gutes Gefühl gehabt und das gibt den Ausschlag. Alles andere ist Grübelei.

Richtig. Verlasse dich nur auf solche Wahrnehmungen, es sind die Einzigen, die wirklich Gewicht haben. Ansonsten gilt: Die Gruppe ist dann größer geworden, wenn ich es entschieden habe, denn bis auf weiteres bestimme ich noch die Wege und Formen, in denen sich die Gemeinschaft entwickelt. Und das bedeutet in diesem Fall:

Susanne muss zunächst selber einen eigenen Entschluss fassen und mir diesen mitteilen. In der üblichen Form, also schriftlich und über dich. Eine besondere Bedenkzeit, so wie bei Rebecca, gibt es für sie nicht, aber sie sollte sich nicht allzu lange Zeit damit lassen. Und: Es muss eine klare Entscheidung sein. Wenn sie sich entschließt, eurer Gruppe beizutreten, wird das auch für sie sehr weitreichende Konsequenzen haben und ihr Leben kann nicht mehr in denselben Bahnen weiterlaufen wie bisher. Alles wird sich nach und nach ändern und muss neu geordnet werden,denn von dieser Gruppe bleibt niemand unberührt. Das alles ist bisher noch nicht geschehen und deshalb ist die Gruppe auch noch nicht größer geworden, um deine Frage zu beantworten.

Ich selber habe für mich eigentlich gar nicht das Gefühl, dass ich mich in diesem Prozess sehr verändere oder „berührt“ worden bin. Alle anderen scheinen größere Entwicklungsschritte hinter sich zu bringen.

Das kommt dir vielleicht so vor, aber so ist es nicht. Dich ändere ich auf meine Weise und es ist eine ganz besondere Weise. Du darfst nicht allzu viel davon mitbekommen, weil du dich sonst mit Händen und Füßen dagegen sträuben würdest. Und das passt nicht zu der Aufgabe, für die ich dich ausgesucht habe. Aber mache dir nur keine Sorgen: Du änderst dich ständig, hast dich schon sehr verändert, nur wird dir das erst sehr viel später bewusst werden.

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