Dialog 85

Wenn du gut auf mich eingestimmt bist – und das warst du gestern – siehst du mit ganz anderen Augen. Du bist viel mehr „in“ den Dingen und hast dadurch alle Aussichten, auch zum Ziel zu gelangen.

Dialog 85, 11.03.1986

Monika:
Ist der Ort, an dem Jörg und ich so intensiv empfunden haben, dass wir unser Haus dort finden werden – ist dieser Ort ein Koordinationspunkt, ein Ort der Kraft?

Der Ort, von dem ihr redet, ist in der Tat ein wichtiger, ein heftiger Kraftpunkt. Dennoch solltet ihr die Empfindungen, die er in euch wachgerufen hat, nicht falsch interpretieren: Ihr habt die Kraft dieses Ortes gespürt, aber dass ihr euer Haus auch dort finden würdet, habt IHR damit in Zusammenhang gebracht. Versteift euch nicht darauf.

Ich habe mich bis gestern Abend sehr gut gefühlt, hatte den Eindruck, sehr intensiv gesucht zu haben und war mit dem Ergebnis, dem zweiten Haus dieser Art also, auch hoch zufrieden. Ich habe mich geleitet gefühlt und alles sah gut aus soweit. Als mir dann Rebecca sagte, dass sie dieses Haus schon längst kenne, kam ich mir vor, als habe man mir einen Eimer kaltes Wasser über gegossen. Ich kam mir plötzlich lächerlich vor, stundenlang durch die Gegend zu fahren, bloß um an einem Ziel anzukommen, das andere längst hinter sich gelassen haben. Jetzt erscheint mir diese Art der Sucherei wieder sinnlos und ineffektiv und ich bin ohne jeden Antrieb es noch einmal zu versuchen.

Das war aber ein sehr wichtiges Erlebnis, nur legst du es falsch aus. Unzählige sind schon vor dir diese Straßen gefahren und äußerlich ist nichts Gemeimnisvolles an ihnen. Und doch tragen sie alle ihr Geheimnis in sich und du hast es mit Augen gesehen, die andere nicht besitzen. Es liegt ein großer Unterschied in der Art und Weise, wie du und wie Rebecca suchen.

Wenn du gut auf mich eingestimmt bist – und das warst du gestern – siehst du mit ganz anderen Augen. Du bist viel mehr „in“ den Dingen und hast dadurch alle Aussichten, auch zum Ziel zu gelangen.

Wenn Rebecca sucht, ist sie viel weniger tief auf mich eingestimmt. Zumindest war das bisher so. Und sie sieht die Dinge dadurch mehr von „außen“. Es ist ohne weiteres möglich, dass sie an eurem Haus vorbeifahren würde, ohne es zu bemerken. Das kann dir derzeit nicht passieren.

Sollen „die Frauen“ sich dieses Haus nun noch einmal ansehen?

Auf jeden Fall. Monika kennt es ja noch nicht.

11.03.1986 (abends)
Ich habe vorhin versucht, in der Gruppe meinen Gefühlszustand zu beschreiben. Habe gesagt, dass mich auf der einen Seite die Panik zu greifen beginnt, dass aber auf der anderen Seite auch Hoffnung da ist. Jetzt, im Augenblick, habe ich das Gefühl, dass die Hoffnung schwindet und dass sich langsam ein Gefühl der Verzweiflung ausbreitet:
Alles wächst mir/uns derzeit über den Kopf, alles um uns herum ist in einem desolaten Zustand. Berge unerledigter Sachen türmen sich auf – und das Haus ist noch immer nicht in Sicht. Außerdem frage ich mich, wie wir jemals die Frage der Finanzierung lösen sollen, wenn wir nicht bald mal damit beginnen können? So etwas klärt sich doch nicht in zwei Wochen, wenn man nicht gerade im Lotto gewinnt. Und wir haben nun einmal nur noch wenige Wochen Zeit – insgesamt!

Du bist in einer sehr schlechten Verfassung im Augenblick und in der möchte ich nicht mit dir reden. Du bist auf dem besten Weg mich missverstehen zu wollen jetzt. Deshalb vertagen wir diese Frage auf morgen früh. Es ist zur Zeit die einzige Stunde, in der du wirklich wach und aufmerksam bist. Abends fallen in letzter Zeit regelmäßig die Schatten über dir zusammen, aber das sind irreale Schreckgespenster deiner Fantasien. Deshalb: Lass uns morgen früh darüber reden.

Was aber die unerledigten Berge betrifft, so lass dir sagen:
Die habt ihr selber angehäuft. Und ich rate euch, sie schleunigst abzutragen, wenn ihr den Blick frei haben wollt für euer Aufgabe. Ich schlage vor, dass ihr das alles einmal auflistet und wir das mit Priorität bearbeiten und so rasch wie möglich vom Tisch bringen. Diese Dinge belasten euch, aber man kann sie SOFORT bearbeiten und sich auf diese Weise wieder den Blick freihalten für die wirklich wichtigen Dinge.

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