Dialog 87

Für den aber, der die alte Welt verlassen hat, gibt es kein Zurück mehr und die Erinnerungen haben ihre Zauberkraft verloren. Er sieht die Dinge mit zunehmendem Maße realer. Dass muss zu einer Kette schmerzhafter Konflikte führen, denn jedes mal wenn so ein Trugbild aus der Vergangenheit zerbricht, tritt zunächst einmal Leere in – bis das Neue einfließen und sich ausbreiten kann mit seinem ganzen wunderbaren Glanz!

Dialog 87, 13.03.1986

Ich gebe jetzt die Frage von Rebecca weiter:

Ich fühle mich um Jahre zurückgeworfen. Leer und kraftlos, unsicher und unglücklich. Alles ist mühsam wie früher. Es ist als befände ich mich in den Klauen meiner Vergangenheit.
Da war der Arztbesuch, bei dem es mir weder gelungen ist, Interesse für mein Kind noch für unseren Verein zu wecken. Ich war alles andere als der Vertreter eines Neuen Bewusstseins. Ich war hilflos und schüchtern und wäre hinterher am liebsten im Erdboden versunken.
Da war der Brief meiner Schwester, das Milieu alter Sicherheit und Geborgenheit und Herzlichkeit, angenehmer aber auch unangenehmer Erinnerungen, und das Bedauern, dass ich immer so weit weg wohnen müsse.
Und da war der Anruf bei meiner Mutter. Mir selbst war daran gar nichts aufgefallen, doch scheint seitdem alles Neue in mir zerstört zu sein oder ich fühle mich zumindest davon abgeschnitten. Erst durch das Gespräch mit Monika kommt mir einiges zu Bewusstsein. Das Bedauern, dass ich wegen meiner Findhornfahrt nun DOCH nicht an Pfingsten komme, obwohl das nie fest ausgemacht war. Ihr Vorwurf, dass meine Tochter nicht zu ihrer Großmutter kommt, wie andere Kinder, wenn die Mutter wegfährt – obwohl sie genau weiß, dass das in diesem Falle unmöglich ist. Sie schafft es immer, mir Schuldgefühle zu machen und ich fange an, mich zu rechtfertigen. Ich bin immer noch die Tochter, die sich in der Schuld der Mutter fühlt. Die der Mutter jeden Schmerz ersparen möchte, aber dabei ihren eigenen Schmerz nicht spürt.

Kann dieser Telefonanruf die Ursache sein für meinen jetzigen Zustand und in meinem Unterbewusstsein zerstörerisch wirken? Ich muss allerdings auch sagen, dass ich mich vor dem Anruf in keiner Weise auf dich eingestimmt hatte und deshalb schutzlos und alleine ihrem Einfluss ausgesetzt war. Ich merke, wie mich der kleinste Windstoß umwerfen kann, wenn ich nicht mit dir verbunden bin.

Ich bitte dich um deine Hilfe und deine Kraft!

Du hast mit meiner Hilfe ein neues Leben begonnen und das wächst nun in dir heran und kommt zur Reife, entfaltet sich wie eine Blume. Aber du bist nicht „ausgewechselt“ worden. Da ist also nicht etwa ein neuer Mensch an die Stelle des alten getreten, der nun schon „fertig“ und stabil im Leben steht. Gerade das ist ja das Wesen der Veränderung, die du durchmachst, dass du alte Verhaltensweisen (die dir Sicherheit gegeben haben) ablegst. Wenn du in diesem Zustand von meiner Seite weichst, bist du den Anfechtungen aus einer alten Welt natürlich besonders schutzlos ausgeliefert. Du hast deine alten Kettenpanzer Stück für Stück abgelegt (oder sagen wir einmal fast alle) und ich kleide dich in neue, leichte und fröhliche Gewänder.

Deine Stärke wird aus dir selber kommen und dir mehr Sicherheit geben, als die dicksten Panzerungen es je vermocht haben. Aber wie du selber weißt, ist es noch nicht soweit. Du stehst noch sehr am Anfang und tatsächlich kann dich der kleinste Windstoß erschüttern, wenn du nicht mit mir verbunden bist.

Bei vielen Kontakten mit deiner alten Welt durchschaust du bereits die Maskerade, mit der Menschen einander begegnen und es berührt dich nicht mehr. Aber Kontakte zu den eigenen Eltern sind natürlich immer von einer ganz besonderen Art und fast immer verhängnisvoll für den, der wachsen und ein eigener Mensch werden will: In den Augen der Eltern bleibt ihr immer Kinder und im Ernstfall lassen sie euch das auch sehr deutlich spüren. Früher war das eher angenehm, denn wer lebt nicht gerne hin und wieder einmal in der alten Geborgenheit des elterlichen Schutzes und kehrt zurück in die Welt verklärter Erinnerungen?

Für den aber, der die alte Welt verlassen hat, gibt es kein Zurück mehr und die Erinnerungen haben ihre Zauberkraft verloren. Er sieht die Dinge mit zunehmendem Maße realer. Dass muss zu einer Kette schmerzhafter Konflikte führen, denn jedes mal wenn so ein Trugbild aus der Vergangenheit zerbricht, tritt zunächst einmal Leere in – bis das Neue einfließen und sich ausbreiten kann mit seinem ganzen wunderbaren Glanz!

Das ist dir hier auch widerfahren. Die neue, zarte Rebecca hat sich ahnungslos vergangenen Mächten ausgeliefert – damit meine ich nicht direkt deine Mutter, aber die Welt, der sie angehört und die sie auch für dich repräsentiert. Du hast auf der jungen, weichen Haut deiner neuen Innerlichkeit den rauen Griff harter Hände gespürt, die ihre vergangenen Rechte einfordern wollten. Das hat dich erschreckt und dich klein und hilflos werden lassen, denn du warst ohne meinen Schutz.

Aber das gerade solltest du als gutes Zeichen nehmen, denn deine Mutter war nie anders zu dir gewesen als dieses Mal – nur hast du es nie gemerkt. Es ist ein Zeichen für den Fortschritt, den du bereits gemacht hast, dass dir solche Berührungen jetzt weh tun und dir sogar Angst machen. Du bist schon soviel weicher und offener geworden!

Hätte ich dir geraten, dich nicht solchen Situationen auszusetzen oder dich sogar von deiner Mutter zurückzuziehen, hättest du das wahrscheinlich als schweres Opfer betrachtet. Das hätte unsere Beziehung eher belastet, als dass es genützt hätte. Jetzt weißt du selber, was gut für dich ist und was dir schadet bei diesen Dingen und wirst von dir aus vorsichtiger sein. Ich rate dir also jetzt zu größter Zurückhaltung, wenn es um dein Mutter (aber auch wenn es um deine Familie) geht.

Du sollst den Kontakt zu ihnen nicht abbrechen, das verlange ich gar nicht, aber in deinem eigenen Interesse sehr vorsichtig damit umgehen, solange du noch nicht reifer und innerlich stärker geworden bist. Sie haben dir nichts mehr zu geben, was dich wirklich auf deinem Weg weiterbringen kann, AM ALLERWENIGSTEN DEINE MUTTER! Aber sie können dich sehr behindern und beeinflussen. Und natürlich übt deine Mutter Macht über dich aus Kraft ihrer Gedanken und Wünsche, wenn auch nicht auf eine spirituelle Art. Das hat sie nicht nötig,denn noch bist du ja in ihrer Gewalt und es genügt ein Wink ihres Fingers, um dich zittern zu lassen.

Halte dir doch einfach einmal zwei Dinge gegenüber, dann beantworten sich alle Fragen zu diesem Thema von selbst:
Du warst in jüngster Zeit stark, leuchtend, jugendlich und kraftvoll. Du konntest wieder lachen und dein Körper hat vibriert vor köstlicher Lebensfreude. Das war erst der Anfang und es wird noch besser werden. NACH dem Anruf warst du wieder die alte Rebecca: Klein, hilflos, ängstlich, mit verzerrtem Lächeln und ohne Freude in dir. In dieser Verfassung alterst du in einem sehr hohen Tempo, dass musst du dir vor Augen halten! Du verkürzt dein Leben!

Und nun frage dich selber, wer du sein willst!??! Dann weißt du auch, was du zu tun hast. Wohlgemerkt, ich verlange nicht, dass du deine Wurzeln aus dem Boden reißt, denn ich will dich nicht zerstören, sondern zu neuem Leben erblühen lassen. Aber richte deine Kraft in das Wachstum deiner Zweige, Blüten und Blätter, die sich der Sonne und dem Licht entgegenstrecken wollen, und mehr und mehr alte Wurzeln werden verdorren und eines Tages wirst du blühen, ohne dass du Wurzeln in der Vergangenheit nötig hast.

Das sind die Menschen des Neuen Zeitalters, die ich hervorbringen werde!

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