Dialog 89

Versuche, wenn dich die Unsicherheit zu packen droht und du nicht mehr weiter zu wissen scheinst, dir darüber klar zu werden, dass ich IMMER BEI DIR BIN. Halte kurz inne und mache dir das wieder aufs Neue bewusst, dann wirst du die Kraft finden, die du suchst.

Dialog 89, 15.03.1986

Monika:
Ich fühle mich oft so hilflos und der Situation ausgeliefert, wie zum Beispiel gestern Abend. Rebecca fühlt sich unter Druck gesetzt und missverstanden – ich fühle Entsetzen über „diese“ Rebecca, die ich schon fast vergessen hatte, und es kostet mich viel Überwindung mit ihr zusammen zu sein. Natürlich muss sie sich dann abgelehnt fühlen.

Kannst du mir nicht helfen, solchen Situationen besser gerecht zu werden? Wie kann ich Rebecca helfen, zu ihren wirklichen Gefühlen zu finden? Wie kann ich die Gruppe besser und mit mehr Sicherheit leiten? Ich komme mir vor wie ein Blinder und fürchte mich davor, Fehlschritte zu machen. Obwohl ich natürlich weiß, dass du bei mir bist. Doch das vergesse ich in kritischen Augenblicken.

Nicht nur in kritischen. Das hattest du auch eben fast wieder vergessen. Es ist so: Rebecca muss diese verkehrten Gefühle tatsächliche leben. Sie muss sie „herausleben“ aus sich. Sie müssen ihr Inneres verlassen, damit Raum für Neues entsteht. Und dazu gehört AUCH die Erfahrung, abgelehnt zu werden. Dazu gehört AUCH Druck, denn ohne Druck würde sie sich nicht von der Stelle bewegen. Sie kann erst zu ihren wirklichen Gefühlen finden, wenn die Barrieren weg geräumt sind, die den Zugang bisher immer noch wieder aufs Neue behindern. Von daher machst du also deine Sache sehr gut, obwohl ich schon weiß, was du meinst und was du von mir möchtest.

Aber: Monika, auch DU musst solche Erfahrungen (als Gruppenleiterin) durchleben, damit die Stärke in dir weiterwachsen kann und die Reife, die die Basis der Liebe sind. Ich BIN tatsächlich bei dir und du gehst NICHT wie ein Blinder durchs Dunkel, sondern du gehst geführt von mir! Wenn du dir das immer wieder klar machen kannst, wenn du das niemals vergisst, dann wirst du dich auch solchen „kritischen“ Situationen besser gewachsen fühlen.

Versuche, wenn dich die Unsicherheit zu packen droht und du nicht mehr weiter zu wissen scheinst, dir darüber klar zu werden, dass ich IMMER BEI DIR BIN. Halte kurz inne und mache dir das wieder aufs Neue bewusst, dann wirst du die Kraft finden, die du suchst.

Ich werde dir vielleicht hier und da einmal einen direkten Rat geben können – und habe es ja auch immer wieder getan – aber auf diese Weise soll deine Ausbildung als Gruppenleiterin nicht erfolgen. Dazu gibt es andere Möglichkeiten und welche, die dir mehr bringen als verfrühte Ratschläge von mir.

Von mir sollst du lernen, dass Liebe die Basis alles Handelns sein muss. Zu ihr müssen wir (gemeinsam, du und ich) einen Zugang suchen, damit auch sie wachsen, reifen und vor allem fließen kann, wenn andere Menschen sie brauchen. Auch bei dir sind noch allerlei Kanäle dazu verstopft. Dein inneres System ist noch nicht rein und manches kommt erst über Umwege und dann vielleicht zu spät heraus.

Du stehst (als MEINE Schülerin) selber noch am Anfang und musst diese Dinge erst durchleben, um dich von ihnen befreien zu können. Sie müssen durch dich hindurchgehen und (mit meiner Hilfe!) die verstopften Kanäle öffnen, damit sie frei werden. Das geschieht zur Zeit alles sehr heftig und äußert sich bei dir, wie du gemerkt hast, unter anderem auch körperlich (Magen).

Das sind Erfahrungen, die ich dir leider nicht ersparen kann, und auf die ich dich aber auch hingewiesen habe, als ich dir zum ersten Mal die Aufgabe der Gruppenleiterin angeboten habe (wenn auch nicht so deutlich in allen Symptomen). Du hast schon einmal eine Ausbildung zur therapeutischen Gruppenleiterin begonnen und weißt von daher doch noch sehr gut, dass erst ein eigener innerer Reinigungsprozess durchlaufen werden muss, bevor du einer solchen Aufgabe schließlich in allen Situationen gewachsen bist.

Was du jetzt erlebst ist dasselbe, nur ist der Anspruch viel größer, denn meine Erwartungen sind hoch, und der Reinigungsprozess, der durchlaufen werden muss, ist anstrengender und umfasst dein ganzes Sein. Keine Angst, ich werde dich niemals überfordern, aber abnehmen kann ich dir diese Erfahrungen nicht, weil gerade in ihnen ihr Sinn liegt.

Glaube mir, du leitest die Gruppe wirklich gut – in ihrer derzeitigen Phase. Du könntest es kaum bessere machen, und das liegt daran, dass ich immer an deiner Seite stehe, auch wenn du dich aus Angst, Nervosität und sonstigen Gründen, nicht richtig auf mich einpolen konntest. Deshalb bin ich trotzdem da und achte auf deine Schritte.

Und ich rate dir deshalb noch einmal: Wenn du unsicher wirst, wenn dir die Lage kritisch zu werden scheint, halte inne und mach dir meine Gegenwart bewusst. Ich verspreche dir, dass das helfen wird.

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